Mit der neuen Kampagne #WhoCares macht ONE auf eine Entwicklung aufmerksam, die zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommt: Weltweit stehen Fortschritte bei der Gesundheit von Müttern und Kindern an einem Kipppunkt. Wir zeigen, warum – und was jetzt politisch entschieden werden muss.
Jeden Tag sorgen Milliarden Frauen und Mütter für andere. Sie bringen Kinder zur Welt, zur Schule und durchs Leben. Sie pflegen Angehörige, versorgen Familien und halten als Ärztinnen, Hebammen und Pflegekräfte Gesundheitssysteme am Laufen. Doch wer sorgt sich um die Frauen, die täglich Verantwortung für andere übernehmen? #WhoCares
Jedes Kind braucht jemanden, der sich sorgt. Sie brauchen Menschen, die sie versorgen, schützen und ihnen einen gesunden Start ins Leben ermöglichen. Sie brauchen Hebammen bei der Geburt, Impfstoffe gegen vermeidbare Infektionen, Medikamente bei Krankheiten, sauberes Wasser und funktionierende Gesundheitssysteme.
Jedes Kind hat das Recht auf ein gesundes und chancenreiches Leben, egal wo es geboren wird. Doch wer sorgt sich um die Kinder, die in Armut, Konflikten oder humanitären Krisen aufwachsen? #WhoCares
Während Frauen jeden Tag Verantwortung für andere übernehmen, versagt die Welt darin, Verantwortung für sie und ihre Kinder zu übernehmen. Es ist Zeit, das zu ändern. It’s time to care!
Was Mütter und Kinder gefährdet
Die Ursachen, die weiterhin täglich das Leben von Müttern und Kindern in Gefahr bringen, sind bekannt und größtenteils vermeidbar: fehlender Zugang zu Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser und Impfungen. Besonders betroffen sind Regionen in Subsahara-Afrika und fragile, konfliktbetroffene Länder, wo Armut, Konflikt und geschwächte Gesundheitssysteme zusammenkommen.
Malaria, Durchfall und Lungenentzündungen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren.
Über ein Viertel aller Müttersterbefälle sind auf Blutungen bei Geburt zurückzuführen.
- Weltweit stirbt alle 2 Minuten eine Frau an vermeidbaren Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen.
- 70 Prozent aller globalen Müttersterbefälle kommen in Subsahara-Afrika vor.
- Jedes Jahr sterben 4,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag.
- Kinder in Subsahara-Afrika sind 14-mal wahrscheinlicher, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben, als Kinder in Europa und Nordamerika.

Erfolge stehen auf dem Spiel
Die weltweite Müttersterblichkeit ist zwischen 2000 und 2023 um 40% gesunken, dank Fortschritten in Forschung und Versorgung, dem Ausbau des Hebammenwesens und verbessertem Zugang zu Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten.
Die Kindersterblichkeit hat sich im gleichen Zeitraum halbiert – das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in Impfprogramme, essentielle Gesundheitsleistungen, Neugeborenenversorgung, Ernährungsunterstützung und die integrierte Behandlung von Kinderkrankheiten.
Investitionen in Mutter-Kind-Gesundheit sind eine der wirkungsvollsten Entwicklungsinvestitionen überhaupt. Jeder investierte Dollar in die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen bringt 87 Dollar an gesellschaftlichem Nutzen zurück. Diese Investitionen tragen auch zur Gleichstellung bei, indem sie den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen verbessern, geburtshilfliche Gewalt bekämpfen und Familienplanung ermöglichen.
Doch seit 2016 stagniert der Fortschritt – Mittelkürzungen in vielen Teilen der Welt wirken sich gravierend auf die medizinische Grundversorgung aus und führen dazu, dass wichtige Leistungen im Bereich der Mutter-Kind Gesundheit eingeschränkt werden. ONEs Bericht „The Hope Report 2026: A Chance For Every Child” warnt, dass dadurch die weltweite Kindersterblichkeit erstmals seit Jahrzehnten wieder anzusteigen droht und bis 2030 weitere 5,4 Millionen Kinder sterben könnten.
👉 Alle Hintergründe, Zahlen und Fallbeispiele findest du in unserem Bericht #WhoCares? Ein Kipppunkt für die Mutter-Kind-Gesundheit.
Welche Rolle spielt Deutschland dabei?
Globale Gesundheit – darunter Mutter-Kind-Gesundheit – ist eine globale Verantwortung mit globalen Auswirkungen. Polio, auch als Kinderlähmung bekannt, zeigt das besonders deutlich. Die Krankheit trifft fast nur kleine Kinder und kann zu dauerhaften Lähmungen führen. Anfang Oktober 2025 wurde das Polio-Wildvirus in einer Abwasserprobe in Hamburg gefunden – zum ersten Mal seit Jahrzehnten in Deutschland. Dank hoher Impfquoten war das Risiko für die Menschen hier gering. Trotzdem zeigt der Fund etwas Wichtiges: Starke Gesundheitssysteme, egal wo auf der Welt, schützen am Ende auch uns.
Deutschland zählt zu den wichtigsten internationalen Gebern für globale Gesundheit – über Institutionen wie UNFPA, Gavi, GPEI, den Globalen Fonds und die Global Financing Facility der Weltbank. Doch seine Beiträge zu diesen Fonds wurden in den letzten Jahren massiv gekürzt – bei UNFPA, GPEI und Gavi jeweils um etwa ein Drittel – mit gravierenen Auswirkungen. Auch der BMZ-Etat, aus dem neben diesen Fonds weitere wirksame Programme im Bereich globale Gesundheit finanziert werden, wurde zwischen 2022 und 2026 um 28 Prozent gekürzt. Ab 2027 sind weitere Kürzungen vorgesehen.
Die Bundesregierung kann dafür sorgen, dass jahrzehntelange Erfolge im Schutz von Müttern und Kindern geschützt anstatt zurückgedreht werden.

Deshalb fordern wir von der Bundesregierung und dem deutschen Bundestag:
- Verlässliche und faire Finanzierung für die zentralen globalen Gesundheitsfonds: UNFPA, der Globale Fonds, Gavi, GPEI und Instrumente der Weltbank wie der GFF und IDA. Denn jede Kürzung kostet nachweislich Leben.
- Investition in Gesundheitssysteme: Mittel sollen gezielt in Gesundheitspersonal, Infrastruktur und Lieferketten fließen – denn ohne funktionierende Gesundheitssysteme können selbst die besten Programme nicht wirken.
- Stärkung lokaler, frauengeführter Organisationen: Direkte, langfristige Finanzierung für Organisationen vor Ort, die wissen, was gebraucht wird, und Vertrauen in schwer erreichbaren Gemeinschaften aufbauen.
- Politische Führung zeigen: Deutschland soll sich aktiv für eine bessere Koordination zwischen den großen Gesundheitsfonds einsetzen und in internationalen Foren für den Schutz von Mutter-Kind-Gesundheit eintreten – nicht nur finanziell, sondern auch diplomatisch.