Bericht: ODA-Kürzungen führen zu 5,4 Millionen zusätzlichen Kindstoden bis 2030
Berlin, 19. Mai 2026. Jedes Jahr sterben 4,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Durch die globalen Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) droht diese Zahl wieder anzusteigen – zum ersten Mal nach Jahrzehnten des Fortschritts. In einer neuen Studie hat die Entwicklungsorganisation ONE errechnet, dass diese Kürzungen zur Folge haben können, dass bis 2030 weitere 5,4 Millionen Kinder sterben werden. Die Studie zeigt auch, dass ein Kind in Subsahara-Afrika ein 14-mal so hohes Risiko hat, vor seinem fünften Geburtstag zu sterben, als ein Kind in Europa oder Nordamerika.
ONEs Bericht „The Hope Report 2026: A Chance For Every Child” warnt, dass die weltweite Kindersterblichkeit erstmals seit Jahrzehnten wieder ansteigen könnte – als direkte Folge der Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit durch Geber weltweit. ONE hebt dabei klar hervor, dass die Todesfälle nicht auf einen Mangel an medizinischen Lösungen zurückzuführen sind, sondern auf einen Mangel an politischem Willen. Länder wie Niger, Nigeria, Somalia, Tschad und der Südsudan gelten als die Orte, an denen die Gefahr für Kinder besonders hoch ist, ihr fünftes Lebensjahr nicht zu erreichen.
Lisa Ditlmann, Deutschland-Direktorin von ONE, sagt: „Jedes Jahr sterben knapp fünf Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Dies könnte ohne Weiteres verhindert werden, denn die Krankheiten, an denen sie sterben, sind meistens vermeidbar und können behandelt werden. Deutschland gehört zu den Ländern, die ihre Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit massiv zurückfahren. Aktuell plant die Bundesregierung die fünfte Kürzungswelle in Folge. Diese Kürzungen entlasten den Haushalt nicht substanziell, führen jedoch zu tragischen Ergebnissen. Keine Mutter und kein Vater sollte jemals das eigene Kind begraben müssen. Wenn man ein Kind retten kann, dann muss man es tun.”
ONE betont, dass eine Ursache für die Trendumkehr ist, dass die Gesundheitssysteme vor Ort unterfinanziert sind. Der Mangel an Gesundheitseinrichtungen und medizinischem Fachpersonal erschwert die Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen, wie aktuell beim Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda zu beobachten ist. Zudem stehen der ohnehin chronisch unterfinanzierten Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Austritt der USA signifikant weniger Mittel zur Verfügung. Darüber hinaus machen sich nun auch die Kürzungen bei erfolgreichen internationalen Gesundheitsinitiativen wie der Impfallianz Gavi, dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, der Anti-Polio-Initiative GPEI oder dem Pandemic Fund bemerkbar.
Informationen für Journalist*innen:
- Den ganzen Bericht finden Sie hier: https://bit.ly/HopeReport2026
- Noch 2022 standen dem Entwicklungsministerium (BMZ) 13,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Für 2027 plant die Bundesregierung für das BMZ aktuell mit weniger als 9,5 Milliarden Euro – ein Minus von über 30 Prozent.
ONE ist eine globale überparteiliche Organisation, die sich für wirtschaftliche Chancen und ein starkes Gesundheitswesen in Afrika einsetzt. Dafür fordern wir die nötigen Investitionen. Seit 2004 hat ONE dazu beigetragen, neue Investitionen in Höhe von mehr als 1 Billion US-Dollar zu sichern, um eine sicherere und wohlhabendere Welt zu schaffen. Unsere Arbeit stützt sich auf belastbare Daten und umfasst Aktivismus an der Basis, politische Bildung und politisches Engagement sowie strategische Partnerschaften, um die Politik zu überzeugen. Mehr auf www.one.org.
Pressekontakt:
Scherwin Saedi: 0152 / 03 77 14 29, [email protected]
Pia Schwaiger: 0151 / 420 514 17, [email protected]