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Gleiche wirtschaftliche Chancen für Frauen stärken Wachstum und Stabilität

Was haben globale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und gerechtes Wachstum gemeinsam?
Sie alle hängen davon ab, ob Frauen weltweit die gleichen wirtschaftlichen Chancen haben wie Männer. Unsere neue Analyse, “Gleiche Chancen: ein Motor für Wachstum, eine Säule der Stabilität“, zeigt: wirtschaftliche Teilhabe von Frauen ist eines der größten ungenutzten Potenziale unserer Zeit – mit enormen Kosten für Gesellschaften weltweit. Und mit ebenso enormen Chancen, wenn wir endlich handeln.

Wirtschaftliche Ungleichheit bremst Wachstum – Gleichstellung setzt enormes Potenzial frei

Frauen werden weltweit systematisch daran gehindert, ihr wirtschaftliches Potenzial voll zu entfalten. Sie verdienen im Durchschnitt nur 77 Prozent so viel wie Männer, haben schlechteren Zugang zu Land, Kapital und Krediten und sind überproportional in informeller, unsicherer und unbezahlter Arbeit tätig.

Diese Ungleichheit ist eine strukturelle Wachstumsbremse. Wenn Frauen vom Zugang zu Arbeit, Unternehmertum und Vermögenswerten ausgeschlossen sind, bleiben ganze Volkswirtschaften unter ihren Möglichkeiten. Die Kosten sind enorm:

  • Würden geschlechtsspezifische Lücken in Arbeitsmärkten und im Unternehmertum geschlossen, könnte das globale Bruttoinlandsprodukt um über 20 Prozent steigen.
  • Das Schließen der Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern über den Lebensverlauf hinweg könnte der Weltwirtschaft zusätzliche 172 Billionen US-Dollar einbringen – nahezu das Doppelte der heutigen globalen Wirtschaftsleistung.
  • In Afrika könnte vollständige Geschlechtergleichstellung bis 2043 rund eine Billion US-Dollar zusätzliches Wachstum ermöglichen – mehr als der gegenwärtige externe Schuldenstand aller afrikanischen Länder zusammen. Zudem könnte es bis zu 80 Millionen Menschen aus extremer Armut führen – das entspricht etwa der Gesamtbevölkerung Deutschlands

Gleichzeitig investieren Frauen, wenn sie über Einkommen und Ressourcen verfügen, nachweislich stärker in Bildung, Gesundheit und Ernährung ihrer Familien. Das stärkt nicht nur individuelles Wohlergehen, sondern schafft die Grundlage für langfristiges, inklusives Wachstum.

Gleichstellung schafft Stabilität – wie Entwicklungszusammenarbeit wirkt

Wo wirtschaftliche Perspektiven fehlen, steigen Armut, Instabilität und Konfliktrisiken. Studien zeigen: Niedriges Einkommen und langsames Wachstum gehören zu den verlässlichsten Frühindikatoren für gewaltsame Konflikte. Wenn Lebensgrundlagen wegbrechen, nehmen soziale Spannungen zu und das Risiko von Gewalt steigt.

Genau hier setzt Entwicklungszusammenarbeit an. Insbesondere Investitionen in die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen wirken präventiv – weil sie an den strukturellen Ursachen von Instabilität ansetzen:

  • Sie stabilisieren Einkommen und reduzieren wirtschaftliche Schocks.
  • Sie erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Haushalten gegenüber Krisen, Preissteigerungen und Klimarisiken.
  • Sie stärken sozialen Zusammenhalt und politische Teilhabe auf lokaler Ebene.

Ein Beispiel ist die Sonderinitiative Invest for Jobs des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In Ghana schafft sie gezielt wirtschaftliche Chancen für Frauen – von Bienenzucht bis zur Shea-Butter-Wertschöpfung – und baut unternehmerische und organisatorische Kapazitäten auf. Die daraus entstehenden zusätzlichen Einkommensquellen erhöhen die Resilienz von Haushalten gegenüber volatilen Agrarmärkten und Extremwetterereignissen.

Gleichstellung wirkt damit wie ein Stabilisator – für Haushalte, Gemeinschaften und ganze Gesellschaften.

Frauen im Markt
Schulungen helfen Frauen, Kooperativen zu führen und gemeinsam erfolgreich zu wirtschaften. Bild: fietzfotos.

Unsere Forderungen

Gleiche wirtschaftliche Chancen für Frauen sind ein strategischer Hebel für Stabilität, Sicherheit und Wachstum. Entwicklungszusammenarbeit ist dabei eines der wirksamsten Instrumente, die Deutschland zur Verfügung stehen. Damit dieses Potenzial genutzt wird, braucht es jetzt klare politische Entscheidungen:

1. Entwicklungszusammenarbeit verlässlich finanzieren
Deutschland muss einen verbindlichen und transparenten Pfad zur dauerhaften Erreichung des internationalen 0,7-Prozent-Ziels für öffentliche Entwicklungsleistungen festlegen. Wer an Entwicklungszusammenarbeit spart, spart an Stabilität.

2. Geschlechtergleichstellung gezielt priorisieren
Mindestens 20 Prozent der deutschen öffentlichen Entwicklungsleistungen (ODA) sollten für Projekte eingesetzt werden, bei denen Geschlechtergleichstellung das Hauptziel ist. Ohne gezielte Mittel bleibt Gleichstellung ein rhetorisches Ziel statt ein wirksames Instrument für Wachstum und Krisenprävention.

3. Frauengeführte Organisationen direkt stärken
Frauengeführte Organisationen vor Ort kennen die strukturellen Hürden und Hebel am besten. Ihre Finanzierung muss direkter, langfristiger und flexibler werden, insbesondere in fragilen und von Krisen betroffenen Kontexten.

4. Wirkung messbar machen
Es braucht klare, messbare Ziele für die Finanzierung von Geschlechtergerechtigkeit und frauengeführten Organisationen sowie eine regelmäßige, öffentliche Berichterstattung. Denn: Was nicht gemessen wird, wird nicht priorisiert.

👉 Mehr Hintergründe, Zahlen und Beispiele findest du in unserem Bericht
Gleiche Chancen: ein Motor für Wachstum, eine Säule der Stabilität.

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