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Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) – Das unterschätzte Fundament der Mutter-Kind-Gesundheit

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Wer entscheidet, ob, wann und wie oft eine Frau schwanger wird? Für Millionen Frauen weltweit lautet die Antwort: nicht sie selbst. Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) sind kein Randthema der Mutter-Kind-Gesundheit – sie sind ihr Fundament.

Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt zählen weiterhin zu den häufigsten und zugleich am leichtesten vermeidbaren Ursachen für Müttersterblichkeit. Weltweit stirbt immer noch alle 2 Minuten eine Frau daran.

Was ist SRGR eigentlich?

SRGR steht für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte. Gemeint ist damit alles, was Menschen brauchen, um selbstbestimmt über ihren Körper und ihre Familienplanung zu entscheiden: Zugang zu Verhütung, Hilfe bei Kinderwunsch, gute Versorgung während Schwangerschaft und Geburt, Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und vor Gewalt sowie Aufklärung über sichere, gesunde Beziehungen.

Kurz gesagt: SRGR bedeutet, ein sicheres und selbstbestimmtes Sexual- und Familienleben führen zu können. Gesund schwanger zu werden, sicher zu gebären, und selbst zu entscheiden, ob, wann und wie oft man Kinder bekommt. Deshalb ist SRGR eine Grundvoraussetzung für gesunde Mütter, gesunde Kinder und funktionierende Gesundheitssysteme.

In vielen Teilen der Welt ist der Zugang zu SRGR jedoch stark eingeschränkt. Besonders betroffen sind Regionen in Subsahara-Afrika und fragile, konfliktbetroffene Länder, wo Armut, Konflikt und geschwächte Gesundheitssysteme zusammenkommen. Wo diese Rechte fehlen oder nicht umgesetzt werden, steigt das Risiko für Frauen und Kinder gleichermaßen: durch zu junge, zu häufige oder zu riskante Schwangerschaften und durch fehlende Vorsorge.

👉 Mehr Hintergründe und Zahlen findest du in unserem Bericht #WhoCares? Ein Kipppunkt für die Mutter-Kind-Gesundheit.

Tunesiens Vorreiterrolle bei reproduktiven Rechten

Dass langjährige Investitionen in SRGR sich positiv auszahlen, zeigt Tunesien. Bereits in den frühen 1960er-Jahren startete das Land als erstes auf dem afrikanischen Kontinent ein freiwilliges nationales Familienplanungsprogramm. Das Recht auf Verhütungsmittel ist seit 1961 gesetzlich verankert, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch seit 1973. Im selben Jahr entstand ein staatliches Amt für Familienplanung mit kostenlosem Zugang zu Verhütung, Abbrüchen und Beratung für alle Frauen.

Es folgten ein landesweites Schwangerschaftsvorsorgeprogramm sowie eine nationale Strategie zur Senkung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit. Der Effekt: Weil bessere Familienplanung die Zahl der Risikoschwangerschaften senkt, kann das vorhandene Fachpersonal einen größeren Anteil aller Geburten sicher betreuen. Der Anteil der Geburten mit Fachpersonal stieg zwischen 1990 und 2013 von 76 auf 98 Prozent, die Müttersterblichkeit sank zwischen 2000 und 2023 um 73 Prozent.

Heute hat Tunesien eine der niedrigsten Müttersterblichkeitsraten des Kontinents und gehört zu den wenigen afrikanischen Ländern, die die globalen SDG-Ziele zur Müttersterblichkeit bereits erreicht haben.

SRGR: wirksam aber unterfinanziert

Trotz ihrer Wirkung gehört SRGR zu den am stärksten vernachlässigten Bereichen der globalen Gesundheitsfinanzierung. Nur 6 Prozent aller weltweiten öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) fließen an SRGR-Projekte im Jahr 2024. Seit dem Rückzug der USA, die bis dahin größte Geberin in diesem Bereich waren, hat sich die Lage weiter verschärft.

Auch Deutschland hat seinen Beitrag in den letzten Jahre zurückgefahren. Die Mittel für UNFPA, den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und zentralen Akteur für Familienplanung und Müttergesundheit, wurden zwischen 2024 und 2026 um 33 Prozent gekürzt. UNFPA unterstützt in über 150 Ländern den Zugang zu Verhütung, Schwangerschaftsvorsorge und geschulten Hebammen. Kürzungen hier treffen direkt die Frauen, die am wenigsten Alternativen haben.

Deshalb fordern wir von der Bundesregierung und dem deutschen Bundestag:

  • Verlässliche Finanzierung für UNFPA: Die Kürzungen der letzten Jahre müssen zurückgenommen werden, damit Familienplanung, Schwangerschaftsvorsorge und Hebammenausbildung weltweit gesichert bleiben.
  • SRGR als festen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit: Der Anteil von SRGR an der deutschen ODA darf nicht weiter sinken, sondern muss dem tatsächlichen Bedarf entsprechen.
  • Unterstützung lokaler Gesundheitsstrukturen: Programme wie in Tunesien zeigen, dass langfristige, gut ausgestattete nationale Familienplanungssysteme wirken – Deutschland sollte solche Ansätze gezielt fördern.

✍ Unterschreibe jetzt unsere #WhoCares Petition und fordere Bundesregierung und Bundestag auf, sich für die Gesundheit von Müttern und Kindern weltweit einzusetzen.