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Polio: Fünf Fragen, fünf Antworten

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Polio? War das nicht die Krankheit, gegen die schon unsere Großeltern geimpft wurden? Stimmt. Verschwunden ist sie deshalb aber noch nicht.

Die Welt hat im Kampf gegen Kinderlähmung enorme Fortschritte gemacht. Trotzdem braucht es weiterhin Impfkampagnen. Warum eigentlich? Was hat Abwasser damit zu tun? Und welche Rolle spielt Deutschland? Fünf Fragen, fünf Antworten.

1. Was ist Polio?

Der Name; Kinderlähmung; ist etwas irreführend. Denn die Krankheit betrifft vor allem kleine Kinder, kann aber auch ungeimpfte Erwachsene treffen.

Polio, medizinisch Poliomyelitis, genannt, wird durch ein Virus ausgelöst. Es verbreitet sich vor allem über die Ausscheidungen infizierter Menschen, etwa durch verschmutztes Wasser oder Lebensmittel. Dabei kann es die Nerven schädigen und zu bleibenden Lähmungen führen.

Eine Heilung gibt es bislang nicht. Die Polio-Impfung kann jedoch vor der Krankheit schützen. Deshalb sind Impfungen das wichtigste Mittel gegen Polio.

2. Wie weit sind wir mit der Polio-Ausrottung?

Fast am Ziel. Allerdings macht dieses kleine Wort einen großen Unterschied.

Seit 1988 ist die Zahl der Erkrankungen durch Wildpolioviren um 99,9 Prozent gesunken. Dazu trägt die Global Polio Eradication Initiative, kurz GPEI, bei. In dieser Partnerschaft arbeiten sechs Organisationen zusammen, um Polio weltweit auszurotten: die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), Rotary International, die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die Gates Foundation und die Impfallianz Gavi. Im Rahmen dieser Partnerschaft werden Impfkampagnen, Laborinfrastruktur und die Überwachung des Virus geplant und koordiniert.

In Afghanistan und Pakistan verbreitet sich das Wildpoliovirus jedoch weiterhin. Deshalb kann es auch in anderen Ländern neue Ausbrüche geben.

„Fast ausgerottet“ ist ein großer Erfolg, aber noch kein Abschluss. Gerade die letzten Kinder zu erreichen, ist schwierig. Denn Krieg, Flucht und fehlende Gesundheitsangebote erschweren die Arbeit der Impfteams.

3. Was verrät das Abwasser in Deutschland?

Polio erscheint vielen Menschen hierzulande wie eine Krankheit der Vergangenheit. Doch im Oktober 2025 fand man Wildpolioviren im Hamburger Abwasser. Im Zusammenhang mit diesem Fund wurden keine Erkrankungsfälle gemeldet. Das Robert Koch-Institut schätzte das Risiko für die Bevölkerung wegen der hohen Impfquoten als sehr gering ein.

Trotzdem zeigt der Fund: Solange Polioviren weltweit zirkulieren, können sie auch nach Deutschland gelangen.

Zugleich geht der Anteil geimpfter Kinder in vielen EU-Ländern zurück. Das zeigt eine 2026 veröffentlichte Studie. Auch in Deutschland sank die Polio-Impfquote leicht. Dadurch können Lücken im Impfschutz entstehen.

Deshalb bleiben Impfungen und die Suche nach dem Virus wichtig. Deutschland unterstützt zudem den Kampf gegen Polio in anderen Ländern. So hilft es, Ausbrüche früh zu stoppen und die weitere Ausbreitung zu verhindern.

4. Warum erreicht die Impfung nicht jedes Kind?

Weil ein Impfstoff allein noch nicht reicht. Manche Familien leben weit von der nächsten Gesundheitsstation entfernt. Andere können wegen Krieg oder Flucht keine regelmäßigen Impfangebote nutzen.

Deshalb besuchen Impfteams Familien zu Hause oder fahren in abgelegene Regionen. In der Demokratischen Republik Kongo helfen dabei digitale Karten. Sie zeigen, welche Wege die Teams nehmen können und welche Gebiete noch fehlen.

In Somalia erhielten durch mobile Gesundheitsangebote seit 2023 rund 140.000 zuvor ungeimpfte Kinder erstmals eine Impfung.

Außerdem geht es oft um mehr als Polio: In Madagaskar wurden 2024 im Rahmen verstärkter Routineimpfungen fast 720.000 Dosen eines Fünffachimpfstoffs an Kinder unter fünf Jahren verabreicht. Dieser schützt gleich vor fünf Krankheiten, darunter Tetanus und Keuchhusten. Die Maßnahmen wurden 2025 fortgesetzt und mit weiteren Kinderimpfungen verbunden. So kann ein Besuch gleich vor mehreren Krankheiten schützen.

Eine handgezeichnete Karte des Stadtteils Laini Saba in Kibra, Nairobi, auf der Haushalte, Schulen, Kirchen und Routen für die Gemeindearbeit eingezeichnet sind. © ONE I Mwangi Kirubi
Diese handgezeichnete Karte von Laini Saba in Kibra, Nairobi, zeigt Haushalte, Schulen, Kirchen und Wege für die Arbeit der Gesundheitsteams. © ONE | Mwangi Kirubi

5. Warum weiterhin Geld investieren, wenn es nur noch wenige Fälle gibt?

Die bisherigen Investitionen wirken. Die niedrigen Fallzahlen bedeuten jedoch nicht, dass die Arbeit erledigt ist.

Solange Polio nicht ausgerottet ist, braucht es weiterhin Impfkampagnen, Labore und ein umfassendes System bei neuen Ausbrüchen. Eine erfolgreiche Ausrottung könnte diese Kosten langfristig deutlich senken.

Deshalb vergleicht unser neuer Bericht “Deutschlands Polio-Investition Sichern” zwei Wege: Polio weltweit auszurotten oder das Virus dauerhaft in Schach zu halten. Die Modellrechnung ergibt: Bis 2050 könnten durch die Polio-Ausrottung weltweit rund 24,2 Milliarden Euro an Kosten vermieden werden.

Auch Deutschland kann dazu beitragen, die Ausrottung zu erreichen. Für 2026 beträgt der deutsche GPEI-Beitrag 23,2 Millionen Euro. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind dagegen nur noch 16,2 Millionen Euro vorgesehen. Um die Ausrottung von Polio endgültig zu erreichen, fordert ONE einen verlässlichen deutschen Beitrag von jährlich 30 Millionen Euro.

Die bisherigen Fortschritte zeigen, was Länder gemeinsam erreichen können. Für die letzten Schritte braucht es deshalb politischen Willen und verlässliche Finanzierung. Das Ziel: Polio weltweit ausrotten.

Setz dich mit uns für die Gesundheit von Kindern und ihren Müttern weltweit ein und unterzeichne unsere Petition.