Die weltweite Ausrottung von Polio ist eine Investition in die Gesundheitssicherheit Deutschlands. Gleichzeitig ist die Ausrottung langfristig kostengünstiger als eine dauerhafte Kontrolle des Virus. In unserem neuen Bericht „Deutschlands Polio-Investition sichern“ zeigen wir auf, warum Deutschland seine finanzielle Unterstützung für die Globale Initiative zur Ausrottung von Polio (GPEI) verlässlich fortsetzen sollte.
Seit der Gründung der GPEI im Jahr 1988 ist die Zahl der Poliofälle weltweit um mehr als 99 Prozent zurückgegangen. Damals erkrankten jährlich rund 350.000 Menschen. Möglich wurde dieser Fortschritt durch Impfprogramme, die an die regionalen Bedürfnisse angepasst werden, beispielsweise in abgelegenen Gebieten oder mithilfe mobiler Einrichtungen in Krisengebieten. Das Ziel besteht darin, insbesondere Kinder zu erreichen, die keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben.
Doch die Ausrottung ist noch nicht gesichert. Das Wildpoliovirus zirkuliert weiterhin endemisch in Afghanistan und Pakistan; zugleich kommt es in West- und Zentralafrika sowie im Gazastreifen zu Ausbrüchen zirkulierender impfstoffabgeleiteter Polioviren. Konflikte, Vertreibung und fehlender Zugang zur Gesundheitsversorgung erschweren es, alle Kinder mit Impfungen zu erreichen.
Um die verbleibenden Ausbrüche frühzeitig zu erkennen, braucht es neben Impfprogrammen eine verlässliche Überwachung. Dazu trägt das weltweite Labornetz der GPEI, das Krankheitserreger frühzeitig erkennt und analysiert, bei. Aktuell besteht es aus 146 Laboren in 92 Ländern. In den Laboren können nicht nur Polioviren, sondern auch Masern-, Röteln- und sogar Ebola- oder SARS-CoV-2-Viren identifiziert werden.
Eine funktionierende globale Gesundheitsinfrastruktur liegt auch im deutschen Interesse. Das wurde 2025 deutlich, als Wildpolioviren im Hamburger Abwasser entdeckt wurden. Solange Polioviren weltweit zirkulieren, können sie nach Deutschland und Europa eingeschleppt werden. Eine frühzeitige Erkennung und schnelle Eindämmung von Ausbrüchen schützen deshalb auch die Menschen in Deutschland.
Aus unserem Bericht geht hervor, dass jeder zusätzlich in die GPEI investierte deutsche Euro rund 15 Euro an weltweit vermiedenen Polio-Kosten entspricht.
Nach unserer Modellrechnung würde eine erfolgreiche Ausrottung von Polio weltweit bis 2050 rund 24,2 Milliarden Euro gegenüber einer dauerhaften Kontrolle sparen. Davon rechnen wir Deutschland entsprechend seinem bisherigen Finanzierungsanteil von 6,95 Prozent rund 1,7 Milliarden Euro zu. Verglichen mit den vorgesehenen bzw. geforderten deutschen Beiträgen von 113,2 Millionen Euro für die Jahre 2026 bis 2029 ergibt sich somit eine Vermeidung von Kosten in Höhe von rund 15 Euro pro investiertem Euro.
Für die Umsetzung der globalen Polio-Strategie bis 2029 fehlen der GPEI noch rund 373 Millionen Euro. ONE fordert deshalb einen verlässlichen deutschen Beitrag von 30 Millionen Euro jährlich für die Jahre 2027 bis 2029. Damit kann Deutschland dazu beitragen, ein verlässlicher Partner bei der Ausrottung von Polio zu sein.