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Nachhaltiger Tourismus in Namibia: Zwischen Naturschutz, Entwicklung und kolonialem Erbe

In Namibia bedeutet Tourismus gleichzeitig eine Einnahmequelle, ökologische Belastung und ungleiche Profite. Nachhaltiger Tourismus umfasst unter anderem Klimaschutz und den Einbezug lokaler Gemeinden. Über die Chancen und Probleme von Tourismus für eine gerechte Entwicklung.

Die Bedeutung des Tourismus für nachhaltige Entwicklung

Tourismus kann für viele afrikanische Länder, wie Namibia, eine Chance sein. Er schafft Jobs, bringt Geld in lokale Wirtschaftskreisläufe und kann helfen, Natur und Kultur vor Ort zu bewahren. Wichtig für eine nachhaltige Entwicklung ist, dass die Menschen vor Ort fair an den Einnahmen aus der Tourismusbranche beteiligt werden. Gleichzeitig ist die Branche krisenanfällig, wie die Corona-Pandemie gezeigt hat, und braucht deshalb eine nachhaltige, langfristige Perspektive.[1] 

Namibia Natur
Die Natur in Namibia leidet wegen des Klimawandels unter Extremwetter, wie Dürre, Bild: Getty Images.

In Namibia bestehen über 40 Prozent der Landesfläche aus Nationalparks, Gemeindewäldern oder privaten Naturreservaten und sind so besonders geschützt. Allerdings ist die Finanzierung von Nationalparks in Namibia oft unsicher, denn sie ist oft von internationalen Entwicklungsgeldern oder der Tourismusbranche abhängig.[2] Fallen diese weg bestehen Risiken für die Biodiversität der Wildtiere und Pflanzen in den Parks, die sowieso schon unter den Folgen des Klimawandels – wie beispielsweise Dürre leiden. Nachhaltige Entwicklung bedeutet auch finanzielle Sicherheit und damit Unabhängigkeit von solchen externen Faktoren. Tourismus soll nicht nur Geld bringen, sondern sozial gerecht, umweltfreundlich und respektvoll gegenüber kulturellen Traditionen sein. 

Körcherbäume Namibia Landschaft
Köcherbäume sind Teil von Namibias vielfältiger Landschaft, die viele Tourist*innen anzieht, Bild: Canva.

Tourismus in Namibia: Wirtschaftsfaktor und internationales Aushängeschild

Wüsten, Canyons und eine Küste mit Robben – Namibia hat einiges zu bieten, was auch für Tourist*innen interessant ist. Darunter auch die Namib Wüste, bekannt als die älteste Wüste der Welt und unterschiedliche wilde Tiere. Namibia ist das erste Land weltweit, das den Schutz seiner natürlichen Ressourcen in seiner Verfassung festgeschrieben hat. Dementsprechend wichtig ist der Naturschutz auch im Tourismussektor.

Antilope Namibia
Die Oryxantilope ist das Wappentier Namibias, Bild: nicosmit.

Namibias vielfältige Natur hat 2024 eine Million Tourist*innen ins Land geholt. Damit hat sich die Branche wieder von der Pandemie erholt, als nur halb so viele Menschen das südwestafrikanische Land besuchten. Tourismus ist neben Bergbau und Landwirtschaft einer der wichtigsten Bereiche für die namibische Wirtschaft. Indileni Daniel, Ministerin für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus, hebt die Resilienz der namibischen Tourismusbranche hervor und verweist auf die wachsende Relevanz von Tourismus innerhalb des Landes. Laut UN lag der Anteil der Tourismusbranche am Bruttoinlandsprodukt Namibias 2023 bei 6,9 Prozent.[3]

Namibia liegt im Süden des afrikanischen Kontinents, Bild: Getty Images.

Chancen des Tourismus für Namibias nachhaltige Entwicklung 

Das namibische Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus hat eine eigene Abteilung, um gemeinschaftsbasierte Tourismusprojekte zu entwickeln, fördern und begleiten. Ziel ist es, dass Einnahmen direkt vor Ort bleiben und Arbeitsplätze in ländlichen Regionen entstehen. Konkret bedeutet das, dass Gemeinden gefördert werden eigene Campsites, Gästehäuser, Kulturangebote oder Lodges betreiben können. Gleichzeitig werden Gemeinden beraten und geschult, um Partnerschaften mit privaten Investor*innen auf Augenhöhe einzugehen. Community-Based Tourism ist damit ein zentraler Baustein, um Naturschutz, wirtschaftliche Entwicklung und lokale Selbstbestimmung in Namibia miteinander zu verbinden.[4]

Namib Wüste in Namibia
Die Namib Wüste in Namibia gilt als die älteste Wüste der Welt, Bild: Getty Images.

Ökologische und soziale Schattenseiten des Tourismus in Namibia

Doch der Tourismus in Namibia bringt auch einige Probleme und Risiken mit sich – sowohl für die Natur als auch für die wirtschaftliche Situation der Menschen vor Ort. Denn Tourist*innen tragen dazu bei, dass die Preise für Immobilien und Land, aber auch für Lebensmittel und Dienstleistungen ansteigen. Das Leben wird so für die Menschen vor Ort teurer. So gehört die namibische Hauptstadt Windhoek bereits zu den teuersten Städten Afrikas.[5]

Tourismus verbraucht Ressourcen, produziert Abfall und hat so negative Auswirkungen auf die Natur und Biodiversität. In der Namib Wüste zerstören Quadfahrer*innen den natürlichen Lebensraum. Zwischen den Dünen bedecken Flechten den Boden, doch nicht dort, wo die Quads gefahren sind. Hier wird die Zerstörung eines wichtigen Organismus konkret sichtbar. Die Deklaration als Nationalpark soll dabei helfen gegen die Quadfahrer*innen vorzugehen.[6] Darüber hinaus gefährden der Bau von Infrastruktur, Verkehr und touristische Aktivitäten selbst die ökologische Vielfalt Namibias.

Koloniale Kontinuitäten in Namibia

30 Jahre hatte Deutschland Namibia Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kolonisiert und dabei den Völkermord an den Herero und Nama begangen. Auch Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit sind koloniale Kontinuitäten im namibischen Tourismussektor sichtbar. Viele große Lodges, Farmen und Safariunternehmen befinden sich weiterhin im Besitz weißer Namibier*innen oder internationaler Investor*innen – ein Erbe der deutschen Kolonialherrschaft und südafrikanischen Apartheid. 

Landverteilung und Eigentumsstrukturen sind bis heute ungleich, was sich darauf auswirkt, wer vom Tourismus profitiert. Gleichzeitig werden koloniale Narrative – etwa die Darstellung Namibias als „unberührte Wildnis“ – in der Vermarktung häufig reproduziert, während die Geschichte von Enteignung und Gewalt in den Hintergrund tritt. Auch sogenannte „kulturelle Erlebnisse“ können problematisch sein, wenn sie Gemeinschaften exotisieren oder historische Machtverhältnisse ausblenden. Nachhaltiger Tourismus in Namibia muss deshalb nicht nur ökologisch, sondern auch historisch und machtpolitisch gerecht gestaltet werden.

koloniale Häuser, Swakopmund Namibia
Koloniale Häuser in Swakopmund Namibia, Bild: Canva.

Township-Tourismus zwischen Selbstbestimmung und Vermarktung?

Township-Tourismus bedeutet, dass Reisegruppen in ärmere Stadtteile fahren, um dort das Alltagsleben und die Geschichte zu sehen. In der namibischen Stadt Windhoek führt eine solche Tour nach Katutura. Der Guide Gregory Geiriseb kommt von dort und möchte durch die Touren vermitteln, dass Namibia mehr ist als nur Wildtiere und Landschaften. Dabei will er auch koloniale Spuren und den deutschen Völkermord thematisieren. 

Township-Tourismus ist umstritten, weil einige Anbieter eher armuts-orientierte Darstellungen produzieren und Menschen zu touristischen „Objekten“ machen. Kritiker*innen warnen davor, dass ohne echte Beteiligung der Communities Stereotype verstärkt und Einkommensmöglichkeiten ungleich verteilt bleiben. Befürworter*innen argumentieren, dass solche Touren Sensibilisierung und Perspektivwechsel fördern und lokale Verkäufer*innen oder Projekte am Rande davon profitieren können. [7]

Wege zu gerechterem, nachhaltigem Tourismus

Der Anstieg von Tourismus bedeutet nicht automatisch, dass alle davon profitieren. Noch immer sind Besitzstrukturen in Namibia ungleich verteilt und damit auch, wer am Tourismus verdient. Abhilfe soll die Landreform schaffen im Zuge derer Farmland an Schwarze Einwohner*innen gegeben wird. 

Wüste und Ozean Namibia und Jeep

Wichtig für einen nachhaltigen Tourismus ist es, dass die Wertschöpfung unter Einbezug der Menschen vor Ort erfolgt. Hier stehen auch internationale Tourismusunternehmen in der Verantwortung. Damit die Menschen vor Ort profitieren, braucht die Tourismusbranche eine staatliche Regulierung und dieser Prozess sollte transparent sein. Gleichzeitig müssen auch die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt mitgedacht werden. Werden all diese Punkte einbezogen, bietet Tourismus viele Chancen für eine nachhaltige Entwicklung.

Wenn du mehr über nachhaltige Entwicklung lernen, möchtest erfährst du hier, was die Kaffeesteuer mit der Bekämpfung von Armut zu tun hat.


[1] https://www.bmz.de/de/themen/tourismus?

[2] https://www.bmz.de/de/laender/namibia/kernthema-schutz-unserer-natuerlichen-lebensgrundlagen-11780

[3] https://neweralive.na/namibia-receives-1-2-million-tourists/

[4] https://www.meft.gov.na/services/community-based-tourism/258/

[5] https://researchleap.com/the-impact-of-tourism-development-on-the-local-communities-in-namibia/

[6] https://ga.de/freizeit/reise/einmalig-aber-bedroht-die-wuesten-namibias_aid-40881345#0

[7] https://www.fluter.de/township-tourismus-namibia