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Der G7 Gipfel in Évian: Viele Worte, wenig Taten

Vom 15. bis 17. Juni fand der G7-Gipfel im französischen Évian statt. Die Herausforderungen sind groß: der Krieg im Nahen Osten und seine Folgen für die Weltwirtschaft, die Ebola-Epidemie in Zentralafrika, wachsende Staatsschulden in vielen afrikanischen Staaten sowie die Frage, wie die G7 ihre Beziehungen zu Afrika neu gestalten wollen. Immerhin fanden viele dieser Themen Eingang in die Debatten des Gipfels. Bei konkreten Maßnahmen bleibt die Bilanz jedoch enttäuschend.

Ebola: Globale Gesundheit braucht mehr als Erklärungen

Zu Beginn des Gipfels schien die Ebola-Epidemie in Zentralafrika auf der Agenda kaum eine Rolle zu spielen. Erst später erkannten die G7-Staaten den Ausbruch offiziell als globale Bedrohung an und riefen zu einer gemeinsamen Reaktion auf.

Das ist ein wichtiger Schritt. Doch es wird nicht reichen, um die Epidemie zu stoppen. Was weiterhin fehlt, sind zusätzliche Investitionen in globale Gesundheitssicherheit und in jene Institutionen, die bei der Bekämpfung von Ausbrüchen eine zentrale Rolle spielen: darunter Africa CDC, Gavi, GPEI und der Globale Fonds.

Gleichzeitig kürzen viele G7-Staaten ihre Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Das passt nicht zusammen. Denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Krankheiten nicht an Grenzen Halt machen. Wer heute in starke Gesundheitssysteme investiert, hilft nicht nur den betroffenen Ländern, sondern schützt letztlich auch die eigene Bevölkerung vor den Folgen künftiger Gesundheitskrisen.

Afrika trägt die Folgen globaler Krisen

Der Krieg im Nahen Osten und die zeitweise Schließung der Straße von Hormus haben die Energiepreise weltweit steigen lassen. Besonders hart trifft das viele afrikanische Länder, die bereits mit hohen Schulden, steigenden Lebensmittelpreisen und wirtschaftlichen Unsicherheiten kämpfen.

Die G7 erkannten die Risiken für die Weltwirtschaft ausdrücklich an und betonten die Bedeutung stabiler Energie- und Lieferketten.

Was jedoch fehlt, sind konkrete Maßnahmen für die Länder, die von diesen Schocks besonders betroffen sind. Notfallfinanzierungen, eine vorübergehende Aussetzung von Schuldendiensten oder gezielte Unterstützung für besonders gefährdete Volkswirtschaften wurden nicht beschlossen.

Dabei drohen Millionen Menschen zusätzlich in Armut und Hunger abzurutschen, aufgrund globaler Krisen, die sie nicht verursacht haben.

Partnerschaft mit Afrika: Die G7 müssen mehr liefern

Ein zentrales Thema des Gipfels war die Frage, wie die internationale Zusammenarbeit mit Afrika und anderen Ländern des Globalen Südens künftig aussehen soll.

In Évian war oft von „mutually beneficial partnerships“ die Rede. Die G7 wollen weg vom klassischen Geber-Empfänger-Denken und stattdessen auf Partnerschaften setzen, die wirtschaftliche Entwicklung fördern und beiden Seiten Vorteile bringen.

Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Wie wollen die G7 diese Partnerschaften konkret ausgestalten?

Afrikanische Staaten haben in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht, dass Investitionen, Infrastruktur, Industriearbeitsplätze und Zugang zu globalen Märkten brauchen. Sie wollen stärker an der Wertschöpfung beteiligt werden, statt lediglich Rohstoffe zu exportieren.

Gerade hier hätten die G7 die Chance gehabt, neue und konkrete Angebote vorzulegen. Diese Chance haben sie weitgehend ungenutzt gelassen.

Kritische Rohstoffe: Ohne Afrika geht es nicht

Besonders sichtbar wurde dieser Widerspruch bei den Diskussionen über kritische Rohstoffe.

Die G7 wollen ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduzieren und ihre Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen absichern. Dazu verabschiedeten sie eine umfassende Erklärung zur Diversifizierung von Lieferketten und zum Ausbau eigener Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten.

Dabei spielt Afrika eine Schlüsselrolle. Der Kontinent verfügt über einen erheblichen Anteil der weltweiten Vorkommen kritischer Rohstoffe, die für Batterien, erneuerbare Energien und digitale Technologien benötigt werden.

Afrikanische Staaten wollen nicht länger nur Rohstofflieferanten sein. Sie wollen die Weiterverarbeitung vor Ort ausbauen, Industrien entwickeln und hochwertige Arbeitsplätze schaffen.

Wenn die G7 ihre Abhängigkeit von China reduzieren wollen, müssen sie Afrika als wirtschaftlichen Partner behandeln, nicht nur als Lieferanten.

Die Kürzungen der G7 gehen in die falsche Richtung

Besonders problematisch ist, dass die politischen Ambitionen der G7 zunehmend mit einer gegenläufigen Finanzpolitik zusammentreffen.

Ein neuer ONE-Bericht zeigt, dass die durchschnittlichen Entwicklungsinvestitionen der G7-Staaten in Afrika zwischen 2021 und 2024 von 38 auf 29 US-Dollar pro Person gesunken sind. Berücksichtigt man das Bevölkerungswachstum, beträgt der Rückgang sogar mehr als 25 Prozent pro Kopf.

Das sendet das falsche Signal zur falschen Zeit.

Während Krisen zunehmen, Konflikte eskalieren und Gesundheitsrisiken wachsen, ziehen sich viele G7-Staaten finanziell zurück. Damit gefährden sie nicht nur Entwicklungserfolge, sondern auch ihre eigenen strategischen Interessen.

Fazit: Die Herausforderungen sind erkannt, jetzt müssen Taten folgen

Der G7-Gipfel in Évian hat gezeigt, dass die Industriestaaten die zentralen Herausforderungen unserer Zeit durchaus verstehen. Gesundheitskrisen werden als Risiko erkannt, ebenso die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Konflikte. Auch über die strategische Bedeutung Afrikas für die Weltwirtschaft und resilientere Lieferketten besteht kein Zweifel.

Doch Erkenntnis allein reicht nicht aus.

Wenn die G7 relevant bleiben wollen, müssen sie ihren Ankündigungen konkrete Maßnahmen folgen lassen: mehr Investitionen in globale Gesundheit, Unterstützung für Länder, die von wirtschaftlichen Schocks getroffen werden, und echte Partnerschaften mit Afrika, die auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Nutzen beruhen.

In Évian gab es viele richtige Worte. Nun müssen ihnen endlich die entsprechenden Taten folgen.

Werde selbst aktiv und fordere die Politik auf, jetzt zu handeln!

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