Gesundheit

Gesellschaftliche und kulturelle Schranken überwinden – mit gesellschaftlichen und kulturellen Lösungen

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Dies ist ein Gastbeitrag von Anuradha Gupta, der stellvertretenden Geschäftsführerin der Impfallianz Gavi. Der Original-Beitrag erschien auf LinkedIn.

Gesellschaftliche und kulturelle Schranken in der globalen Gesundheit

Als Theresa, eine junge Mutter aus Malawi, ihren Sohn impfen ließ, wusste sie nicht viel über die Impfungen. Sie hätte nicht sagen können, weshalb sie wichtig waren oder vor welchen tödlichen Krankheiten sie ihren Sohn schützen würden. Sie erinnert sich jedoch lebhaft daran, wie herablassend das Krankenhauspersonal sie – die 17jährige Mutter – behandelte. Daher entschied Theresa irgendwann, ihren Sohn nicht mehr zu den Impfterminen zu bringen. Sie war zu dem Schluss gelangt, dass er sicher die wichtigsten Impfungen erhalten hatte und hätte auch nicht den Mut gehabt, genauer nachzufragen.

Mutter, Sängerin, Aktivistin: Theresa (links) mit ihren Bandkollegen von Zathu auf einer Gavi-Konferenz im Dezember 2018. Foto: Oscar Seykens

Ihre Geschichte ähnelt der vieler anderer Mütter im ganzen Land, die oft weder lesen noch schreiben können und darauf angewiesen sind, dass Gesundheitsfachkräfte sie über Sinn und Nutzen von Impfungen aufklären. In Malawi wird von Mädchen in der Regel erwartet, dass sie sich still und zurückhaltend verhalten. In vielen Fällen hält dies junge Frauen davon ab, sich proaktiv über Impfmöglichkeiten für ihre Kinder zu informieren. Und Theresa ist davon überzeugt, dass die Folgen noch weitreichender sind: Sie glaubt, dass die Stigmatisierung, die junge Frauen erleben, wenn sie Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen möchten, wesentlich zur hohen Anzahl von HIV-Infektionen und Teenagerschwangerschaften beiträgt und die Gesundheit und das Wohlbefinden dieser Frauen auf vielfältige Weise beeinträchtigt.

Ein neues Impfprogram gegen Gebärmutterhalskrebs in Malawi

Ich musste deshalb sofort an das Gespräch mit Theresa denken, als Anfang des Jahres in Malawi die HPV-Impfung in das nationale Impfprogramm eingeführt wurde. Die Impfung schützt Frauen vor Humanen Papillomviren (HPV), die fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verursachen. Für Malawi war die Einführung der Impfung ein wichtiger Schritt, denn Gebärmutterhalskrebs ist dort die häufigste Krebserkrankung bei Frauen: 2018 starben jeden Tag acht Frauen an dieser Krankheit.

Ziel des Programms ist es, alle Mädchen im Alter von neun Jahren zu impfen. Allerdings ist diese Altersgruppe oft schwer zu erreichen, denn in Malawi schließen weniger als 80 Prozent der Mädchen die Grundschule ab. Wenn das Impfprogramm wirklich etwas bewegen soll, müssen zugleich auch die Herausforderungen und Hürden angegangen werden, die verhindern, dass Mädchen von den wichtigen Gesundheitsmaßnahmen wie den Impfungen erfahren und sie in Anspruch nehmen.

Gesellschaftliche und kulturelle Lösungen im Kampf für globale Gesundheit

Und hier kommt Theresa wieder ins Spiel: Sie gehört zur sechsköpfigen Zathu Band, die von unserem Partner Girl Effect gegründet wurde, um gesellschaftliche und kulturelle Barrieren abzubauen. Die Band soll Gespräche zu Themen anregen, die junge Menschen wirklich beschäftigen: von Stereotypen über Selbstverwirklichung bis hin zu Beziehungsfragen und sexueller Gesundheit.

Die Band nähert sich diesen teils heiklen Themen über Musik und Geschichten. Millionen junger Malawier*innen schalten jede Woche ein, wenn die Band im Radio auf Sendung geht. In einem Land, wo Gebärmutterhalskrebs besonders häufig auftritt und viele junge Frauen daran sterben, ist die Zathu Band der ideale Kommunikationskanal, um über die HPV-Impfung zu informieren. Aber die Band will noch mehr: sie möchte verändern, wie junge Frauen in ihrem Umfeld gesehen werden und wie mit ihnen umgegangen wird.

Mutter, Sängerin, Aktivistin: Theresa (2.v.l.) mit ihren Bandkollegen von Zathu. Gemeinsam machen sie sich für die Gesundheit von Mädchen in Malawi stark. Foto: Oscar Seykens

Mit jahrhundertealten gesellschaftlichen und kulturellen Normen zu brechen und sie neu zu gestalten, scheint auf den ersten Blick eine komplexe oder sogar fast unmögliche Aufgabe zu sein. Aber tatsächlich hat Girl Effect schon erstaunlich viel erreicht. Im Jahr 2017 gaben 96 Prozent der Hörer*innen an, Zathu habe ihnen vermittelt, dass Mädchen und Jungen gleich behandelt werden sollten. 91 Prozent sagten, sie fühlten sich nun besser in der Lage, eigenständige Entscheidungen für ihr Leben treffen.

Wir hoffen, dass die Initiative von Girl Effect und Zathu dazu beiträgt, dass sich viele Mädchen in Malawi für die neue Impfmöglichkeit interessieren und sie wahrnehmen – und dass hierdurch die erschreckend hohe Zahl vermeidbarer Todesfälle aufgrund von Gebärmutterhalskrebs sinkt. Uns ist es wichtig, in der Arbeit mit jungen Frauen neue Wege zu gehen: Sie sollen nicht nur Empfängerinnen von Leistungen sein, sondern selbst als Protagonistinnen, den Wandel in ihre Gemeinden aktiv vorantreiben. Nur dann werden langfristige, nachhaltige Veränderungen möglich sein.

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