{"id":167156,"date":"2020-09-17T06:36:50","date_gmt":"2020-09-17T06:36:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.one.org\/de\/covid-19-im-landlichen-afrika\/"},"modified":"2023-09-12T04:01:50","modified_gmt":"2023-09-12T04:01:50","slug":"covid-19-im-laendlichen-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.one.org\/de\/neuigkeiten\/covid-19-im-laendlichen-afrika\/","title":{"rendered":"Covid-19 im l\u00e4ndlichen Afrika"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer sch&uuml;tzt diejenigen, die andere sch&uuml;tzen?<\/strong><\/p>\n<p>Jedes Mal, wenn sich Evaline Owuor von ihren Kindern verabschiedet und auf den Weg zur Arbeit macht, geht sie ein Risiko ein. Sie ist Gesundheitshelferin im kenianischen Homa Bay County. In ihrer Gemeinde hat sie mitgeholfen, viele Menschenleben vor Malaria zu sch&uuml;tzen. Dann kam Covid-19 und Evaline meldete sie sich sofort, um zu helfen.<\/p>\n<p>Pers&ouml;nliche Schutzausr&uuml;stung wie Masken und Handschuhe sind in vielen afrikanischen L&auml;ndern nur begrenzt verf&uuml;gbar. Die Sorge, sich durch ihre Arbeit anzustecken und das neue Virus vielleicht an ihre Familie weiterzugeben, begleitet Evaline t&auml;glich. Aber sie wei&szlig;, dass sie gebraucht wird, um ihre Gemeinde zu sch&uuml;tzen. &bdquo;Jetzt, wo das neue Virus da ist, mache ich zwei Jobs&ldquo;, sagt sie w&auml;hrend sie ihre Maske zurechtr&uuml;ckt. &bdquo;Zus&auml;tzlich zu Malaria muss ich meinen Leuten helfen, der neuen Pandemie zu entgehen.&ldquo;<\/p>\n<h3>Covid-19 trifft auf andere Epidemien<\/h3>\n<p>Covid-19 verbreitet sich in Afrika immer schneller und stellt Gesundheitssysteme auf die Belastungsprobe: Zum einen m&uuml;ssen Menschen vor dem neuen Virus gesch&uuml;tzt werden. Gleichzeitig gilt es, die Erfolge in der Eind&auml;mmung anderer Infektionskrankheiten zu erhalten.<\/p>\n<p>J&uuml;ngste Modellstudien von <a href=\"https:\/\/www.unaids.org\/en\">UNAIDS<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.who.int\/\">WHO<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.stoptb.org\/\">Stop TB Partnership<\/a> zeigen, dass Covid-19 bedingte Unterbrechungen von HIV-, Tuberkulose- und Malariaprogrammen in nur 12 Monaten fast zu einer Verdoppelung der Todesf&auml;lle aufgrund dieser Krankheiten f&uuml;hren k&ouml;nnten. Vor Ort ist dies bereits sichtbar: Eine alle zwei Wochen durchgef&uuml;hrte Umfrage des <a href=\"http:\/\/globalfund.org\/\">Globalen Fonds<\/a> in 106 L&auml;ndern weltweit zeigt, dass Gesundheitsdienste f&uuml;r HIV, Tuberkulose und Malaria vielerorts nur mit gro&szlig;em zus&auml;tzlichen Aufwand aufrecht erhalten werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<h3>Teil der Gemeinden: Lokale Gesundheitshelfer*innen<\/h3>\n<p>Joan Got ist leitende Krankenschwester in der Gesundheitseinrichtung in Evalines Heimat. Sie berichtet, dass die Zahl der Menschen, die zu ihr kommen, drastisch zur&uuml;ckgegangen sei. Covid-19, sagt sie, habe die Gesundheitseinrichtung mit einem Stigma versehen und allein deshalb h&auml;tten viele Menschen Angst zu kommen. Mit wachsendem Misstrauen gegen&uuml;ber formellen Gesundheitseinrichtungen, steigt in l&auml;ndlichen Gemeinden die Bedeutung angelernter, freiwilliger Gesundheitshelfer*innen in den Gemeinden. Das Vertrauen in sie ist &uuml;ber Jahre gewachsen. Vertrauen, das entscheidend ist, um Menschen mit lebensrettenden Tests, Pr&auml;vention und Behandlung zu erreichen.<\/p>\n<p>Seit Covid-19 vertrauen die Menschen ihre Gesundheit noch mehr als zuvor Gesundheitshelfer*innen aus ihrer Gemeinde an. Ein Trend, der auch aus anderen Regionen Afrikas bekannt ist: Gesundheitsfachkr&auml;fte aus Ghana und Gambia, Nigeria und Mali, Sierra Leone und Senegal berichten von derselben Herausforderung. &nbsp;Die Pandemie hat die wichtige Rolle, die lokalen Helfer*innen f&uuml;r die Gesundheit im l&auml;ndlichen Afrika spielen, noch st&auml;rker in den Blick ger&uuml;ckt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Es sind engagierte Menschen wie Evaline, die im Laufe der Jahre die Eind&auml;mmung t&ouml;dlicher Bedrohungen wie Malaria, HIV und Tuberkulose angef&uuml;hrt haben.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Etwa 1 Millionen solcher Gesundheitshelfer*innen auf Gemeindeebene gibt es in den L&auml;ndern, mit denen der Globale Fonds in Afrika zusammenarbeitet. Meist sind es Freiwillige, die ein kleines Gehalt bekommen, um Gemeindemitglieder vor Krankheiten zu sch&uuml;tzen. Ihr Einsatz rettet Leben und st&auml;rkt die Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Nun, da sie unmittelbar mit Covid-19 konfrontiert sind, ist ihr eigener Gesundheitsschutz wichtiger denn je. Nur wenn sie gesch&uuml;tzt sind, k&ouml;nnen sie andere sch&uuml;tzen &ndash; und einen katastrophalen R&uuml;ckschlag in der Bek&auml;mpfung von HIV, TB und Malaria verhindern.<\/p>\n<div id=\"attachment_153225\" style=\"width: 603px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-153225\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-153225 size-large\" src=\"https:\/\/cdn.one.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/16164141\/Evaline_healthworker_Kenya_GFATM-640x427.jpg\" alt=\"\" width=\"593\" height=\"396\"><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-153225\" class=\"wp-caption-text\">Gesundheitshelfer*innen wie Evaline sind oft angelernt und bekommen f&uuml;r ihr Engagement ein kleines Gehalt. Ihr Einsatz rettet Leben &ndash; vor HIV, TBund Malaria und jetzt auch vor Covid-19. &copy; Amref Health Africa \/ Kennedy Musyoka<\/p>\n<\/div>\n<h3>Vertrauen und soziales Kapital<\/h3>\n<p>Lange wurden Gemeindegesundheitshelfer*innen wie Evaline durch das formelle, staatliche Gesundheitssystem nicht akzeptiert. So wurde ihnen beispielsweise h&auml;ufig nicht zugetraut, Diagnoseschnelltests richtig durchzuf&uuml;hren. Aber mit der Zeit wurden solche Vorurteile abgebaut. Mit Unterst&uuml;tzung von Amref Health Africa zum Beispiel haben seit 2016 lokale Helfer*innen in Kenia 1,4 Millionen Menschen bei Hausbesuchen auf Malaria getestet, 800.000 F&auml;lle behandelt und Malaria-Pr&auml;vention unterst&uuml;tzt. Hierdurch ist Malaria in Regionen wie Westkenia inzwischen auf dem R&uuml;ckzug.<\/p>\n<p>Heute profitieren Millionen Menschen von dem Vertrauen und dem sozialen Kapital, das um die Gesundheitshelfer*innen in ihren Gemeinden entstanden ist. Afrikanische Regierungen bem&uuml;hen sich inzwischen darum, die lokalen Helfer*innen in die Eind&auml;mmung der neuen Pandemie in l&auml;ndlichen Gemeinden einzubinden. Ein neuer <a href=\"https:\/\/au.int\/en\/aucovid19responsefund\">Covid-19-Reaktionsfonds<\/a> der Afrikanischen Union zielt unter anderem darauf ab, eine Million Gemeindearbeiter*innen und -gesundheitshelfer*innen zur Nachverfolgung von Kontaktpersonen auf dem ganzen Kontinent zu unterst&uuml;tzen. In S&uuml;dafrika sind 30.000 Helfer*innen von T&uuml;r zu T&uuml;r gegangen, um Corona-F&auml;lle zu identifizieren &ndash; noch bevor die Betroffenen Gesundheitseinrichtungen aufsuchen. In Kenia wurden angesichts steigender Fallzahlen und mangelnder Krankhauskapazit&auml;ten mehr als 63.000&nbsp;lokale Gesundheitshelfer*innen aufgerufen, die h&auml;usliche Isolation und Pflegema&szlig;nahmen vor Ort zu unterst&uuml;tzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_153224\" style=\"width: 603px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-153224\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-153224 size-large\" src=\"https:\/\/cdn.one.org\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/16164108\/blog-hero-2020-06-09_Kenya-640x284.jpg\" alt=\"\" width=\"593\" height=\"263\"><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-153224\" class=\"wp-caption-text\">Vor allem in l&auml;ndlichen Gegenden spielen lokale Gesundheitshelfer*innen eine zentrale Rolle f&uuml;r die Eind&auml;mmung von Krankheiten und die Gesundheit der Menschen. &copy; Amref Health Africa \/ Kennedy Musyoka<\/p>\n<\/div>\n<h3>Dringend gebraucht: Schutzausr&uuml;stung<\/h3>\n<p>Doch &uuml;berall ist die Sorge gro&szlig;, dass die Infektionszahlen weiter steigen. Es fehlt an spezifischen Trainings, der Mangel an Schutzausr&uuml;stung ist katastrophal. Gesundheitshelfer*innen sind damit einem erh&ouml;hten Risiko ausgesetzt, sich zu infizieren und die Krankheit unbewusst auf andere zu &uuml;bertragen.<\/p>\n<p>Evaline und ihre Kolleg*innen sind sich einig: Sie brauchen <em>jetzt<\/em> mehr Schutzausr&uuml;stung &ndash; bevor sich die Krankheit sprunghaft ausbreitet und sich das Ansteckungsrisiko f&uuml;r sie selbst, ihre Familien und die Gemeinde noch erh&ouml;ht. &bdquo;Wenn wir uns sch&uuml;tzen k&ouml;nnen, k&ouml;nnen wir diese Pandemie besiegen. Leider m&uuml;ssen wir mit wenig auskommen.&ldquo;<\/p>\n<p><em>Mit der Bereitstellung pers&ouml;nlicher Schutzausr&uuml;stung tr&auml;gt der Globale Fonds dazu bei, Gesundheitskr&auml;fte und Helfer*innen, die sich an &bdquo;vorderster Front&ldquo; engagieren, zu sch&uuml;tzen. Das Ziel ist es<\/em><a href=\"https:\/\/www.theglobalfund.org\/media\/9819\/covid19_mitigatingimpact_report_en.pdf?u=637293077390000000\"><em> mehr zu investieren<\/em><\/a><em> und damit alle diejenigen vor Covid-19 zu sch&uuml;tzen, die, wie Evaline, Menschenleben retten.<\/em><\/p>\n<p>Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von dem <a href=\"http:\/\/globalfund.org\/\">Globalen Fonds<\/a> zur Bek&auml;mpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.<\/p>\n<div class=\"buffer\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sch&uuml;tzt diejenigen, die andere sch&uuml;tzen? Jedes Mal, wenn sich Evaline Owuor von ihren Kindern verabschiedet und auf den Weg zur Arbeit macht, geht sie ein Risiko ein. Sie ist Gesundheitshelferin im kenianischen Homa Bay County. In ihrer Gemeinde hat sie mitgeholfen, viele Menschenleben vor Malaria zu sch&uuml;tzen. 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