Diese zehn Bücher afrikanischer Autor*innen solltest du kennen. Sie erzählen von Heimat, Identität und dem Kampf um Selbstbestimmung. Wer sie liest, lernt mehr über den afrikanischen Kontinent und die globalen Machtstrukturen, die unsere Leben prägen.
Warum afrikanische Autor*innen mehr Aufmerksamkeit bekommen
Mit Abdulrazak Gurnah, der in Sansibar geboren ist, gewann 2021 seit längerem wieder ein Autor aus Subsahara-Afrika den Literaturnobelpreis. Afrikanische Autor*innen stellen ihre eigenen Geschichten in den Mittelpunkt und zeigen so die Vielfalt ihrer Lebensrealitäten auf. Sie zeichnen Afrika als einen Kontinent voller Kreativität, Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft. In Zukunft werde sich durch die Literatur auch das Bild verändern, das die Welt von Afrika hat, schreibt Othuke Ominiabohs, Autor und Gründer des Verlags Masobe Books.[1]
Zehn Bücher aus Afrika, die gesellschaftliche Fragen neu erzählen
Chimamanda Ngozie Adichie: „Die Hälfte der Sonne“ (2006)
Chimamanda Ngozi Adichie lebt heute zwischen den USA und Nigeria und gilt als eine der erfolgreichsten Autor*innen des Kontinents. „Die Hälfte der Sonne“ handelt vom Biafra-Krieg in Nigeria in den 60er Jahren. Auch heute ist es noch wichtig über den Konflikt zu sprechen, denn viele Probleme von damals seien laut Adichie auch heute noch nicht gelöst.[2]

Helon Habila: „Öl auf Wasser“ (2010)
Der Kriminalroman erzählt auf poetische Art von der Suche zweier Journalisten nach der entführten Ehefrau des Chefs einer ausländischen Ölgesellschaft. Auf ihrer Reise ins Nigerdelta sehen sie Umweltzerstörung und die Eskalation von Gewalt.
Abdulrazak Gurnah: „Das verlorene Paradies“ (1994)
„Das verlorene Paradies“ ist das bekannteste Buch des Literaturnobelpreisträgers. Die Leser*innen folgen Yusuf, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Sansibar vom Paradies seiner Kindheit in die Ausbeutung gerät. Gurnahs Werke tragen dazu bei „die von den Kolonialisten verursachten Spaltungen, aber auch die Zerrissenheit der Herzen zwischen der Heimat, aus der die Menschen stammen, und dem Leben im Exil, in das die Menschen gezwungen wurden”, zu verstehen, schreibt der sansibarische Literaturkritiker Ismail Jussa.[3]

Zakes Mda: „Das Herz der Röte“ (2000)
Der Roman gilt als einer der ersten großen Bücher aus dem Post-Apartheid Südafrika. Mda schreibt auf zwei Zeitebenen und thematisiert Identität und Versöhnung.

Tsitsi Dangarembga: „Aufbrechen“ (1988)
„Aufbrechen“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, die in einer patriarchalen und kolonialen Gesellschaft um höhere Bildung kämpft. Dangarembga lebt in Simbabwe und gilt als eine der radikalsten weiblichen Stimmen.

Chinua Achebe: „Alles zerfällt“ (1958)
Der Klassiker der afrikanischen Literatur handelt von den Konflikten eines Dorfes, das mit Kolonialherren konfrontiert wird. Achebe erzählt von Verrat, Leidenschaften und Sehnsüchten.

NoViolet Bulawayo: „Wir brauchen neue Namen“ (2013)
Der coming-of-age Roman folgt einem Mädchen aus Simbabwe in die USA und ihrem Spagat zwischen zwei Welten. Bulawayo stammt selbst aus Simbabwe und lebt heute in den USA.
Mariama Bâ: „Ein so langer Brief“ (1979)
Die senegalesische Autorin und Feministin erzählt die Geschichte einer Frau, die nach 30 Ehejahren von ihrem Mann verlassen wird, weil dieser ein zweites Mal heiraten möchte. Der Roman ist als Brief an eine Freundin geschrieben und durchbricht so die Mauer des Schweigens.
Tendai Huchu: „Der Friseur von Harare“ (2012)
Der Roman spielt in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, und erzählt von dem Friseur Dumisani. Huchu thematisiert Homosexualität, das in Simbabwe und auch anderen afrikanischen Ländern noch immer ein Tabuthema ist.
Taiye Selasi: „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ (2013)
Sechs Menschen, eine Familie, über Weltstädte und Kontinente zerstreut: In Afrika haben sie ihre Wurzeln und überall auf der Welt ihr Leben. Eine Geschichte über Identität, Trauma und Träume.
Globale Ungleichheiten in der Literaturwelt
Wie auch in anderen Bereichen, müssen sich afrikanische Verlage in der Kulturbranche gegen die westliche Hegemonie durchsetzen. So gibt es Widerstand westlicher Verlage, wenn sich afrikanische Kolleg*innen die Buch-Rechte in Afrika sichern wollen. Um diese Bücher trotzdem für ihre Landsleute zugänglich zu machen, müssen afrikanische Verlage oft einen Aufpreis an westliche Verlage zahle, so Ominiabohs.
Gleichzeitig erschweren laut der Autorin Dangarembga wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen den Zugang zum Weltmarkt für Autor*innen aus Subsahara-Afrika. Häufig stellen diese die imperialen Machtstrukturen in Frage, unter denen wir auch heute noch leben. Dass westliche Verlage oftmals die Macht über die Narrative behalten wollen, erschwert es diesen Autor*innen zusätzlich.
Globale Gerechtigkeit, bedeutet auch, dass Menschen ihre eigenen Geschichten erzählen. Dazu muss man ihnen zuhören und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen müssen so verändert werden, dass sie gehört werden.
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[1] https://www.kulturaustausch.de/person-detail/othuke-ominiabohs/
[2] https://www.gemeinsam-mit-afrika.de/zehn-buhttps://www.gemeinsam-mit-afrika.de/zehn-buecher-aus-afrika/echer-aus-afrika/
[3] https://www.dw.com/de/literatur-nobelpreis-wird-afrikas-stimme-lauter/a-59447120