1. Startseite
  2. Neuigkeiten
  3. Verlieren wir den Kampf gegen HIV/Aids?

Verlieren wir den Kampf gegen HIV/Aids?

Aktuelles

Der weltweite Kampf gegen HIV/Aids ist eine der größten Erfolgsgeschichten der globalen Gesundheit. Millionen Menschenleben wurden gerettet. Immer mehr Menschen erhalten lebenswichtige Medikamente und immer mehr Kinder kommen ohne HIV zur Welt.

Jetzt drohen weltweite Kürzungen bei HIV-Programmen, diese Fortschritte zunichtezumachen. Im Juli 2026 hat die Welt-Aids-Konferenz in Rio deutlich gemacht: Die Mittel und das Wissen, um Aids zu beenden, sind da. Was jetzt fehlt, ist der politische Wille, sie konsequent einzusetzen.

Fortschritte, die Leben verändern

Seit 2010 ist die Zahl der jährlichen aidsbedingten Todesfälle deutlich gesunken. Auch die Zahl der HIV-Neuinfektionen geht zurück. Millionen Menschen können heute dank antiretroviraler Medikamente ein langes und gesundes Leben führen.1

Und es gab eine medizinische Revolution: Mit Lenacapavir gibt es jetzt eine Medikament, das präventiv wirkt (die sogenannte PrEP) aber nicht täglich eingenommen werden muss.

  • Lenacapavir: Langwirksame HIV-Prävention als Spritze, die nur alle sechs Monate verabreicht wird. Zum Beispiel in Südafrika, Eswatini und Sambia wird Lenacapavir bereits eingesetzt. Next Step: Günstige Generika entwickeln, um das Medikament weltweit zugänglich zu machen.
  • Cabotegravir (CAB-LA): Ebenfalls eine neue, langwirksame, injizierbare PrEP. Sie schützt zwei Monate vor einer HIV-Infektion.
  • Alimatravir: Ein noch in der Entwicklung befindliches HIV-Präventionsmittel von Merck, das einmal im Monat als Tablette eingenommen werden soll. Die klinischen Studien laufen noch.
Jugendbotschafterin Yasmin in Berlin.

Diese Medikamente verhindern außerdem, dass HIV während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit von der Mutter auf ihr Kind übertragen wird. Was das konkret bedeutet, weiß ONE-Jugendbotschafterin Yasmin Kahumuza aus eigener Erfahrung:

Meine Mutter lebt mit HIV. Ich bin gesund, weil sie die richtigen Medikamente bekommen hat. Das sollte für jedes Kind auf der Welt möglich sein: ohne HIV ins Leben zu starten.

Yasmins Geschichte zeigt: Investitionen in Medikamente, Gesundheitszentren und gut ausgebildetes Personal verändern nicht nur Statistiken. Sie verändern Familien und ermöglichen Kindern einen gesunden Start ins Leben.

Kürzungen setzen Erfolge aufs Spiel

Ausgerechnet jetzt werden weltweit Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und Gesundheitsprogramme gekürzt.

Yasmin warnt:

Die weltweiten Kürzungen bei HIV-Programmen setzen genau diesen Erfolg aufs Spiel. Besonders hart trifft es Schwangere, Mütter und Kinder in afrikanischen Ländern.

Eine Studie der Stiftung amfAR hat die Folgen der Kürzungen von US-amerikanischen Geldern auf HIV-Programme und Gesundheitsversorgung vor Ort untersucht. Die Studie wurde vor der Welt-Aids-Konferenz veröffentlicht.2 Befragt wurden 166 Partnerorganisationen in 46 Ländern.

  • 77 Prozent waren von gestrichener Förderung oder verspäteten Zahlungen betroffen.
  • Mindestens 1.700 Einrichtungen mussten schließen.
  • Mehr als 16.000 Vollzeitstellen gingen verloren.

Dabei sind vor allem afrikanische Ländern betroffen. Häufig sind ihre Gesundheitsprogramme von internationaler Unterstützung abhängig. Auch tragen Frauen und Mädchen ein besonders hohes Risiko. Ungleichheit, geschlechtsspezifische Gewalt, fehlende Bildung und ein eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsversorgung erhöhen die Gefahr einer HIV-Infektion.

Jugendbotschafterin Romance in Köln.

Was jetzt zu tun ist

Eine zentrale Rolle spielt der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 hat er dazu beigetragen, rund 70 Millionen Menschenleben zu retten. Er finanziert Medikamente, Tests, Präventionsprogramme und den Aufbau stabiler Gesundheitssysteme.

Für die kommenden drei Jahre ist der deutsche Beitrag jedoch von 1,3 Milliarden auf eine Milliarde Euro gesunken. ONE fordert Bundesregierung und Bundestag auf, diesen Beitrag wieder auf mindestens 1,3 Milliarden Euro zu erhöhen.

Gleichzeitig müssen Gesundheitsprogramme vor Ort und von betroffenen Communities getragene Organisationen verlässlich gestärkt werden.

Yasmin bringt die notwendige politische Entscheidung auf den Punkt:

Deutschland muss helfen, diese Lücke zu schließen. Die Bundesregierung darf nicht weiter bei der Entwicklungszusammenarbeit kürzen. Sie muss mehr Geld für den Globalen Fonds und für Gesundheitsprogramme vor Ort bereitstellen.

Die Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe treffen die Falschen. Fordere mit uns die Bundesregierung und den Bundestag auf, die Kürzungen zu stoppen und stattdessen in Gesundheit, Bildung, Ernährungssicherheit, Menschenrechte und Gleichberechtigung zu investieren.

Unterschreibe jetzt die Petition und setze ein Zeichen für Solidarität und eine Zukunft, in der alle Menschen gesund und selbstbestimmt leben können.

  1. https://www.unaids.org/sites/default/files/media_asset/UNAIDS_FactSheet_en.pdf ↩︎
  2. https://www.deutschlandfunk.de/studie-warnt-vor-rueckgang-von-hiv-behandlungen-bei-kindern-wegen-rueckzug-der-us-hilfsprogramme-104.html ↩︎