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Somaliland: Wer bestimmt Staaten?

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Mit der Anerkennung der Region Somalilands am Horn von Afrika als unabhängigen Staat hat Israel Ende Dezember 2025 eine sehr aktuelle Debatte befeuert: Wer entscheidet eigentlich, was ein Staat ist – das Völkerrecht oder geopolitische Interessen?

Jubel und Protest

Die Reaktionen auf Israels Schritt könnten gegensätzlicher kaum sein. In der somaliländischen Hauptstadt Hargeysa feierten Menschen die Anerkennung als historischen Durchbruch nach Jahrzehnten internationaler Isolation. In Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, hingegen protestierten Bürger*innen gegen das Vorgehen, das die somalische Regierung als Einmischung in innere Angelegenheiten wertet.

Auch international ist die Kritik deutlich: Die Afrikanische Union, China und mehrere arabische Staaten lehnen die Anerkennung ab. Die USA verteidigen Israels Entscheidung.

Stabilität oder Präzedenzfall?

Seit Jahrzehnten warnt die Afrikanische Union davor, separatistische Regionen anzuerkennen. Die Sorge: Ein Präzedenzfall Somaliland könnte andere Abspaltungsbewegungen in Afrika ermutigen und fragile Staaten destabilisieren.

Der Sicherheits- und Geopolitik-Analyst Fidel Amakye Owusu bringt es auf den Punkt: „Afrika will nicht, dass ein Gebiet, das es nicht anerkennt, von einem anderen anerkannt wird.“

Die Hauptstadt Hargeysa. Foto: Abdulkadir Hirabe auf Unsplash

Ein Staat ohne Anerkennung?

Die Bewohner*innen der Region am Horn von Afrika sind überwiegend Somali. Die Teilung ihres Siedlungsgebiets geht auf die Kolonialzeit zurück: Somaliland stand als „British Somaliland“ unter britischem Protektorat, während der Süden Somalias von Italien beherrscht wurde. 1960 vereinigten sich beide Gebiete zum Staat Somalia. Nach dem Zusammenbruch des Regimes des somalischen Diktators Siad Barre erklärte Somaliland 1991 einseitig seine Unabhängigkeit.

Heute leben rund 3,5 Millionen Menschen in Somaliland. Die Region gilt im Vergleich zum restlichen Somalia als relativ stabil. 2024 fanden zuletzt Wahlen statt, gezahlt wird mit dem Somaliland-Schilling, Polizei und Verwaltung funktionieren eigenständig. Dennoch bleibt Somaliland aus Sicht des Völkerrechts Teil Somalias.

Somaliland am Horn von Afrika. Karte: OpenStreet Map.

Geopolitik am Roten Meer

Israel verweist auf das Recht auf Selbstbestimmung und plant wirtschaftliche und technologische Kooperationen. Analyst*innen sehen jedoch vor allem strategische Motive. Somaliland liegt am Golf von Aden, nahe einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.

In der Zeit bringt es die israelische Außenpolitikerin Noa Lazimi auf den Punkt: „Israel braucht so viele Partner wie möglich – und kann nicht warten, bis die perfekte Koalition steht.“

Owusu warnt hingegen, Israels Schritt mache die Lage nicht einfacher, sondern komplexer: „Der jüngste Versuch Israels, Somaliland anzuerkennen, macht die Angelegenheit kompliziert. Er berührt nicht nur die Beziehungen zwischen Somaliland, Somalia und Israel, sondern auch die regionale Politik oder Geopolitik, an der Ägypten, Äthiopien und Somalia beteiligt sind.“

Ein offenes Ende

Der Fall Somaliland zeigt, wie hart Selbstbestimmung, Stabilität und geopolitische Interessen aufeinanderprallen. Ob Israels Anerkennung den Weg zur internationalen Staatlichkeit ebnet – oder Somaliland weiter isoliert –, ist offen. Klar ist nur: Die Frage, wer Staaten bestimmt, bleibt hochpolitisch.

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