Die Klimakrise verstärkt Extremwetter überall auf der Welt. Besonders betroffen sind Länder, die selbst wenig Verantwortung für den Klimawandel tragen. Hier erfahrt ihr, wie Malawi trotz zunehmender Klimarisiken Bildung ermöglicht. Ein Gastbeitrag der Global Partnership for Education (GPE).
Lernen im Ausnahmezustand
Vor ihrem Klassenzimmer im Bezirk Phalombe wird eine Flagge gehisst. Die Schüler*innen erkennen sofort die Warnung, dass starke Regenfälle bevorstehen. Sie suchen schnell Schutz und evakuieren dann unter Anleitung ihrer Lehrer*innen die Schule. Dabei folgen sie den markierten Routen zu den Sicherheitszonen.
Investitionen in ein klimaresistentes Bildungssystem sind für Malawi von großer Bedeutung und haben nationale Priorität. Sie sichern das Recht auf Bildung, schützen Lernende sowie Infrastruktur und erhalten öffentliche Investitionen.“ Rachel Chimbwete Phiri, Ehemalige Generalsekretärin für Basisbildung, Bildungsministerium

Die Übung ist mehr als nur eine Routine – sie ist eine Lektion fürs Überleben. Außerdem ist sie Teil von MalawisPilotprojekt für neue Standardabläufe für die Sicherheit an Schulen. Diese Verfahren wurden im Rahmen der, von der GPE finanzierten, Initiative „Climate Smart Education Systems“ entwickelt.
Wenn Extremwetter Bildung zerstört
In ganz Malawi beeinträchtigen Überschwemmungen, Wirbelstürme, Dürren, Hitzewellen und andere klimabedingte Ereignisse den Schulunterricht. Sie beschädigen Klassenzimmer, zerstören Unterrichtsmaterialien und zwingen Kinder, zu Hause zu bleiben.
Bildung ist ein Mittel, um Bewusstsein, Wissen und Kompetenz zu schaffen. Klimafragen sollten in Schulen unterrichtet werden, damit Kinder frühzeitig über den Klimawandel lernen und sich für Lösungen einsetzen.“ Chipiliro Thombozi, Stellvertretender Direktor für Bildungsplanung, Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie, Malawi
Fannie, eine 15-jährige Schülerin, erinnert sich daran, wie ein einziger Sturm ihren Schultag veränderte: „Einmal haben heftige Regenfälle die Flüsse überschwemmt. Die Straßen waren nicht mehr nutzbar, und die reißenden Fluten hätten einem das Leben Kosten können. Ich konnte nicht zur Schule kommen.“

Lehrer wie Dinesi Namagowa haben die Auswirkungen immer wieder erlebt: „Wenn Katastrophen eintreten, können die Schüler*innen nicht zur Schule gehen. Klassenzimmer, Toiletten, Bücher und Unterrichtsmaterialien werden oft zerstört.“ Manchmal musste der Unterricht unter Bäumen oder in undichten Zelten stattfinden. Das macht das Lernen unangenehm und schwierig. Diese lokalen Probleme summieren sich zu einer nationalen Krise. Diese verschlingt Ressourcen und verlangsamt die Erholung nach jedem Sturm.
Malawi wurde von zahlreichen Klimakatastrophen heimgesucht. Der Zyklon Freddy im Jahr 2023 hat Schäden in Höhe von etwa 42 Millionen US-Dollar verursacht und unser Bildungssystem befindet sich noch immer in der Erholungsphase.“ Chipiliro Thombozi, Stellvertretender Direktor für Bildungsplanung, Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie, Malawi
Schutz, der wirkt: Schul-Drills und neue Standards
Um Schulen auf künftige Katastrophen vorzubereiten, hat Malawi die neuen Standardabläufe vor der geplanten landesweiten Einführung in fünf Distrikten getestet. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Strategie Malawis zum Katastrophenrisikomanagement. Die Verfahren stellen sicher, dass Kinder und Mitarbeiter wissen, was vor und während Notfällen zu tun ist. Damit werden Schäden reduziert und der Unterricht kann weiterhin stattfinden.

Während der Sicherheitsübung haben wir gelernt, dass wir bei Hochwasser in Gruppen über den Fluss gehen sollten [wenn es sicher ist] und bei Gewitter einen sicheren Unterschlupf suchen sollten.“ Kondwani, 16
Schulen als Evakuierungszentren zu nutzen, hat in Malawi lange Zeit den Schulbetrieb gestört. Die neuen Standardabläufe tragen dazu bei, dass Schulen Orte des Lernens bleiben, sodass der Unterricht nach Katastrophen schnell wieder aufgenommen werden kann.“ Burcu Munyas Ghadially, Leiter Programmentwicklung und Qualität, Save the Children
Warum Länder wie Malawi Unterstützung brauchen
Bei Überschwemmungen suchen die Menschen oft Zuflucht in Grundschulen. Das beeinträchtigt zwangsläufig den Unterricht. Die Entwicklung der Standardabläufe wird mit Unterstützung der Lehrer*innen einen wichtigen Beitrag leisten, Leben zu retten. Außerdem kann so die Bildung der Kinder weitergeführt werden und wir können bei Katastrophenfällen effektiver reagieren.“ Douglas Moffat, Bezirksbeauftragter, Bezirksrat von Phalombe
Die Standardabläufe wurden in Absprache mit Fachministerien, Behörden, Bezirken, Lehrer*innen und Kindern entwickelt. An Pilotschulen werden diese Abläufe durch Evakuierungsübungen getestet. So können die Verfahren verbessert und das Vertrauen der Lernenden sowie der Lehrenden gestärkt werden.

Durch diese Initiative und die Entwicklung von Standardabläufen konnten wir Sicherheitsvorkehrungen in Schulen einführen. Kinder wissen jetzt, wie sie sich bei Katastrophen schützen können. Außerdem werden unsere Bildungssysteme so aufgebaut, dass sie Schocks besser standhalten können. Alles hängt miteinander zusammen – vom Klassenzimmer bis zur Widerstandsfähigkeit des Systems.“ Shanever Chamba, Education Cluster Coordinator, Ministerium für Grund- und Sekundarschulbildung
Ausblick: Bildung widerstandsfähig machen
Die Sicherheitsübungen in Schulen sind Teil einer umfassenderen, nationalen Initiative in Malawi. Diese hilft bei der Anpassung an den Klimawandel und der Integration von Nachhaltigkeit in Bildungspläne, Budgets und Strategien.
Der Prozess hat mit einer Klimarisikoanalyse gestartet, bei der Ministerien und Partner die am stärksten gefährdeten Schulen identifiziert haben. Die Ergebnisse sind in Malawis Klimastrategie für Bildung eingeflossen. Bildung miteinzubeziehen ist ein wichtiger Schritt, um Klimafinanzierungen zu erschließen.

Kein Ministerium kann die Herausforderungen der Klimakrise im Bildungsbereich alleine bewältigen. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für natürliche Ressourcen und Klimawandel und der Abteilung für Katastrophenmanagement besonders wichtig. Wir müssen uns gemeinsam engagieren und koordinieren. Und es hat sich gelohnt: Bildung ist jetzt ein wichtiger Teil des neuen nationalen Anpassungsplans für Malawi.“ Rachel Chimbwete Phiri, Ehemalige Generalsekretärin für Basisbildung, Bildungsministerium

Die Initiative für klimafreundliche Bildungssysteme hat die Grundlage für den Zugang zu Klimafinanzierungen geschaffen. Die Klimarisikoanalyse lieferte Belege und die Klimastrategie wurde aufgesetzt. Nun wird Bildung ein eigenes Kapitel im Nationalen Anpassungsplan erhalten.“ Victoria Geresomo, Direktorin für Bildungsplanung, Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie, Malawi
Zur Klimastrategie gehört es auch, neue Finanzierungsquellen zu identifizieren. Der globale Klimafonds ermöglicht es, die klimafreundlichen Maßnahmen in großem Maßstab umzusetzen.
Die nationalen Klimaschutzmaßnahmen für Bildung wurden außerdem durch Leitlinien für klimaresistente Schulgebäude ergänzt. Zudem wurde der Lehrplan überarbeitet, sodass jetzt auch Klimawandel und Katastrophenvorsorge darin enthalten sind.
Das Malawi Institut für Bildung bildet derzeit Lehrkräfte aus, diese Unterrichtseinheiten anzupassen und durchzuführen. Sie sollen sicherstellen, dass die Schüler*innen praktische Fähigkeiten erwerben, um auf Extremwetter in ihren Gemeinden reagieren zu können. Die sektorenübergreifende Umsetzung wirkt sich bereits positiv auf die Widerstandsfähigkeit der Schüler*innen und ihrer Gemeinden aus.
Lernende sind Motor des Wandels – ihnen Wissen zu vermitteln stärkt die Widerstandsfähigkeit von Schulen, Gemeinden und der Nation.“ Natasha Mbengo, Beauftragte für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau, Abteilung für Katastrophenschutz
Für Schüler wie Kondwani ist diese Veränderung persönlich: „Ich mache mir keine Sorgen mehr über Katastrophen, weil ich weiß, wie ich mich schützen kann.“
Dieser Artikel wurde von ONE übersetzt und stellenweise leicht gekürzt sowie vereinfacht. Das englische Original von Global Partnerships for Education findet ihr hier.