Dieser Beitrag ist Teil der Blogreihe zur 8. Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Seit dem 18. August 2025 veröffentlichen zivilgesellschaftliche Organisationen wöchentlich Beiträge zu globaler Gesundheitsfinanzierung, Chancengleichheit und der Rolle des Globalen Fonds.
Malaria gehört zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Besonders betroffen ist Afrika: Mehr als 90 Prozent aller Infektionen und Todesfälle entfallen auf den Kontinent. Zwar konnte die Sterblichkeit in den letzten zwanzig Jahren durch internationale Programme halbiert werden – doch die Bilanz bleibt erschütternd. Noch immer stirbt im Durchschnitt jede Minute ein Kind an Malaria. Rückgrat der internationalen Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit ist der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Nun steht die Finanzierung auf der Kippe.
Sinkende Entwicklungsausgaben: Der Globale Fonds unter Druck
Seit seiner Gründung 2002 hat der Globale Fonds fast zwei Drittel der internationalen Malariafinanzierung übernommen, über 65 Millionen Leben gerettet und mehr als 19,5 Milliarden US-Dollar in Malaria-Programme investiert. Jetzt steht die achte Wiederauffüllung an. Für den Zeitraum 2026 bis 2028 werden 18 Milliarden US-Dollar benötigt. Nur so lassen sich bestehende Programme sichern und neue Instrumente wie Impfstoffe, moderne Moskitonetze oder Antikörpertherapien in großem Maßstab einsetzen.
Doch sinkende Entwicklungsausgaben der Geberländer lassen Zweifel aufkommen, ob diese Summe zusammenkommt. Auch Deutschland will kürzen: Während für die Jahre 2023 bis 2025 noch 1,3 Milliarden Euro zugesagt waren, sind ab 2026 nur noch 900 Millionen Euro eingeplant – ein Minus von etwa 31 Prozent. Die Folgen wären dramatisch: Ohne zusätzliche Mittel droht bis 2030 ein Wiederaufflammen der Krankheit, das Hunderttausende zusätzliche Kinderleben kosten könnte – und das Prinzip gesundheitlicher Chancengleichheit weiter untergraben würde.
Die Klimakrise als Brandbeschleuniger
Neue Medikamentenresistenzen, fragile Gesundheitssysteme und der Klimawandel verschärfen die Lage. Extreme Wetterereignisse begünstigen die Verbreitung der Krankheit. Pakistan etwa meldete nach den Fluten 2022 einen Sprung von 400.000 auf 4,2 Millionen Malariafälle im Jahr 2023. Studien prognostizieren, dass Wetterextreme bis 2050 jährlich bis zu 550.000 zusätzliche Todesopfer verursachen könnten.
Ungleiche Lasten für Frauen
Malaria trifft Frauen besonders hart, vor allem in der Schwangerschaft. Allein in 33 Ländern der WHO-Afrika-Region mit mittlerem bis hohem Übertragungsrisiko erkrankten rund 12,4 Millionen Schwangere, also ein Drittel aller werdenden Mütter, an Malaria. Eine Infektion kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein: Sie erhöht das Risiko für Blutarmut, Wachstumsstörungen und schwere Krankheitsverläufe. Die Folgen reichen oft weit über die Geburt hinaus – sie wirken generationenübergreifend und verfestigen Kreisläufe von Krankheit und Armut.
Krystal Birungi/Uganda: “Health equity, for me, means no preventable death of pregnant women and children under five due to malaria. When I was growing up, one in three children didn’t make it to the age of five because of malaria. That was before the Global Fund. We need a fully funded Global Fund to make sure these unnecessary deaths end.”
Die ökonomische Dimension
Malaria ist nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein ökonomisches Problem. Jahr für Jahr gehen in Afrika rund eine halbe Milliarde Arbeitstage durch Erkrankungen verloren. Gleichzeitig zeigt eine Analyse von Oxford Economics Africa: Eine Reduktion der Malariafälle um 90 Prozent bis 2030 würde das Bruttoinlandsprodukt endemischer Länder um 142,7 Milliarden US-Dollar steigern. Auch international wären die Effekte spürbar – durch zusätzlichen Handel im Wert von 80,7 Milliarden US-Dollar und Exportgewinne von knapp vier Milliarden für die G7.
Die Rechnung ist eindeutig: Jeder Dollar, der in den Globalen Fonds fließt, bringt 19 Dollar an gesundheitlichen und wirtschaftlichen Erträgen zurück. Eine volle Wiederauffüllung könnte zwischen 2027 und 2029 einen Gesamtnutzen von 323 Milliarden US-Dollar schaffen – und Milliardenkosten im Gesundheitssystem vermeiden.
Investition in Sicherheit
Doch es geht um mehr. Investitionen in Malaria stärken Gesundheitssysteme, verbessern Diagnostik, Lieferketten und Frühwarnsysteme. Schon heute fließt ein Drittel der Mittel in die Stärkung von Gesundheitssystemen. Sollte die Wiederauffüllung gelingen, würden allein sechs Milliarden US-Dollar in den weiteren Ausbau resilienter Strukturen investiert – ein großer Gewinn für die Pandemievorsorge weltweit.
Hoffnung durch Innovation
Trotz aller Bedrohungen gibt es Grund zur Zuversicht. Noch nie standen so viele Instrumente im Kampf gegen Malaria bereit: erste Impfstoffe, gentechnisch veränderte Mücken, langwirksame Injektionen, neue Medikamente. Forschende weltweit arbeiten an Lösungen, die das Ende der Krankheit möglich machen. Nach Berechnungen des Imperial College London könnten in den kommenden 15 Jahren 13,2 Millionen Leben gerettet werden – zehn Millionen davon Kinder unter fünf Jahren.
Ein Jahr der Entscheidung
2025 wird zum Wendepunkt. Gelingt die Wiederauffüllung des Globalen Fonds, lässt sich der Kurs auf eine malariafreie Zukunft setzen. Gelingt sie nicht, droht ein Rückschlag mit katastrophalen Folgen – für Millionen Menschen und für die globale Sicherheit.
Die Frage ist nicht, ob die Welt Malaria besiegen kann. Sondern ob sie es will.
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