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Sudan: Kinder im TikTok Feed

Millionen Menschen sehen derzeit auf TikTok die Videos eines etwa elfjährigen Jungen in Uniform. Er sitzt auf einem Militärfahrzeug und lächelt in die Kamera.

Kindersoldaten als Influencer

Im Sudan verbreiten sich aktuell Videos von Kindersoldaten millionenfach in den sozialen Medien. Die Kinder posieren mit Waffen, filmen sich selbst in Kriegsgebieten oder feiern militärische Erfolge. Die investigative Plattform Bellingcat konnte die Echtheit der Aufnahmen bestätigen und ein ganzes Netzwerk solcher Accounts nachweisen.

Der Journalist Cammon Mohammed sagt zu den Videos: „Fotos ihrer jungen Kämpfer im Internet zu posten, ist für die RSF eine Siegerpose“, sagt er. Die paramilitärischen RSF-Milizen sind eine der Konfliktparteien im sudanesischen Bürgerkrieg und kämpfen gegen die Armee.

Mohammed berichtet auch von eigenen Erfahrungen: Zu Beginn des Krieges 2023 wurde er in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, wo er damals lebte, von jungen RSF-Kämpfern festgehalten.

Naba neben ihremVater Aboubakar Azien Ahmat in einem Geflüchtetencamp im Tschad. Sie musste vor dem Krieg fliehen. © UNHCR, 2024

Mehr als ein Social-Media-Problem

Der Einsatz von Kindersoldaten ist weltweit verboten und wird klar verurteilt. Nach internationalem Recht gilt es als Kriegsverbrechen, Kinder unter 15 Jahren als Kämpfer einzusetzen. Trotzdem wurden zwischen 2020 und 2025 in Afrika rund 21.000 Kinder von bewaffneten Gruppen rekrutiert.

Das Kinderhilfswerk UNICEF dokumentierte weltweit zwischen 2005 und 2022 etwa 105.000 bestätigte Fälle, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt wurden.

„Die Rekrutierung von unter 18-Jährigen ist eine schwerwiegende Verletzung von Kinderrechten“, sagt Sheldon Yett, Unicef-Repräsentant im Sudan.

Dr. Mogahed behandelt ein Kind in einer Klinik der Hilfsorganisation IRC. © IRC, 2024

Kindersoldaten gibt es im Sudan seit Jahrzehnten. Neu ist jedoch, dass sie sich selbst inszenieren und damit ein Millionenpublikum erreichen. Die Inhalte wirken wie Propaganda und könnten andere Kinder dazu verleiten, selbst Teil des Krieges zu werden.

Der Krieg im Sudan dauert seit drei Jahren und gilt als größte humanitäre Krise weltweit. Über 17 Millionen Kinder sind von Gewalt betroffen – das sind mehr Kinder, als in Deutschland leben. Sie wachsen nicht mit Schule, Spielen oder Freund*innenschaften auf, sondern im Krieg.

Der Krieg im Sudan betrifft Millionen Kinder – und bekommt trotzdem viel zu wenig Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Unicef Deutschland fordern wir die Bundesregierung auf, zu handeln: für den Schutz von Kindern, mehr humanitäre Hilfe und ein Ende der Gewalt. Unterschreibe hier unsere Petition.