Kenia zählt zu den weltweit führenden Ländern bei erneuerbaren Energien und deckt je nach Quelle 75 bis 90 Prozent seines Energiebedarfs nachhaltig. Der konsequente Ausbau von Geothermie, Wind- und Solarenergie soll nicht nur den Klimawandel bekämpfen, sondern auch wirtschaftliche Entwicklung, Stromzugang und Ernährungssicherheit stärken. Warum Kenias Energiewende international als Vorbild gilt und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.
Warum Kenia beim Thema erneuerbare Energien eine besondere Rolle spielt
Kenia gewinnt bereits heute 80 Prozent seines Energiebedarfes aus erneuerbaren Energien, laut Angaben der Zentralbank Kenia. Die Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) hält hingegen 75 Prozent für realistischer. In Deutschland sind es im Vergleich nur 57 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. Damit ist Kenia nicht nur ein regionaler Vorreiter auf dem afrikanischen Kontinent, sondern weltweit. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie, will das ostafrikanische Land nicht nur die Versorgung verbessern und dem Klimawandel entgegenwirken, sondern auch Arbeitsplätze schaffen. So soll auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung vorangetrieben werden.
Die kenianische Regierung hat ein ambitioniertes Ziel: Sie will bis 2030 den Energiewandel vollenden und 100 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gewinnen. Außerdem möchte sie bis dann alle Haushalte an das Stromnetz anschließen. Bisher haben 75 Prozent der kenianischen Haushalte Zugang zu Strom – das ist im Vergleich mit anderen Ländern auf dem Kontinent ein hoher Wert. Probleme mit der Stromversorgung in Kenia gibt es vor allem im ländlichen Raum. Dies wurde auch durch den starken Ausbau der Energieversorgung in den letzten Jahren erreicht.

Klimawandel in Kenia
Der Klimawandel verstärkt Extremwetter überall auf der Welt – auch in Kenia. Die Volksgruppe der Wailwana aus der kenianischen Provinz Tana River berichtet von starkem Regen, der die Flüsse zum übertreten gebracht hat. Häuser wurden weggespült und das Bewässerungssystem zerstört. Die Wailwana mussten ihre Heimat verlassen und leben jetzt an einem höher gelegenen Ort in Zeltsiedlungen. Doch nicht nur Menschen sind von den Folgen des Klimawandels betroffen. Klimabedingte Dürren sorgen dafür, dass Wasserstellen austrocknen und Wildtiere nichts mehr zu trinken finden. 2022 starben in Kenia über 6.000 Wildtiere, darunter Hunderte Elefanten.
Afrikanische Länder trifft der Klimawandel besonders hart, obwohl sie nur sehr wenig Verantwortung für sein Voranschreiten tragen. Afrika ist für weniger als vier Prozent der globalen CO2 Emissionen verantwortlich, das ist viermal weniger als das flächenmäßig deutlich kleinere Europa. In einigen der ärmsten Staaten Afrikas waren die Folgen von Extremwetterereignissen, wie Dürre oder Starkregen besonders fatal.

Geothermie: Kenias Top-Energiequelle
Erdwärme, auch Geothermie genannt, ist Kenias wichtigste Energiequelle. Mit rund 50 Prozent deckt sie die Hälfte des nationalen Energiebedarfs, so die Zentralbank Kenia[1]. Das Land nutzt seine reichlich vorhandene geothermische Energie im Great Rift Valley, einem vulkanischen Gebiet mit Erdspalten. Die Hitze im Boden wird über Rohre transportiert und von Generatoren in elektrische Energie umgewandelt. Dies geschieht zum Beispiel im Olkaria-Geothermiekraftwerk dessen Anlagen zusammen fast 1000 MW Leistung bereitstellen können.
Doch es gibt auch Kritik am Bau des Geothermiekraftwerks, denn die lokale Bevölkerung der Maasai musste umsiedeln. Insgesamt waren fast 1.200 Menschen betroffen. Die staatliche Energieproduktionsbehörde KenGen hat ihnen zwar neue Dörfer zur Verfügung gestellt, doch die Menschen können sich aufgrund der weiteren Entfernung nicht mehr täglich um ihr Vieh kümmern. Außerdem steht ihnen weniger Land zur Verfügung als zuvor. Die Anwältin Purity Nyaguthii fordert, dass indigene Gemeinschaften von Anfang an, an den Gewinnen der Kraftwerke beteiligt werden.

Erneuerbare Energie: Solar, Wind und Wasser
Die zweitwichtigste Energiequelle Kenias ist Windkraft mit 15 Prozent. Sie wird bei über mehrere Windprojekte ins Netz eingespeist. Für 2026 plant KenGen einen neuen Windpark in Marsabit.
Wasserkraft belegt mit zwölf Prozent Platz drei. Flusskraftwerke nutzen das Wasserpotenzial des Landes, besonders während regenreicher Perioden. Allerdings führten in der Vergangenheit Dürrephasen zu Schwankungen und zeitweiligen Produktionseinbußen.
Solarenergie stellt 4 Prozent des kenianischen Energiehaushalts. In den Solaranlagen werden Sonnenstrahlen in elektrische Energie umgewandelt. Da die Kapazitäten oft schwanken, sollen die Solarfarmen in der Zukunft mit mehr Ladekapazitäten ausgestattet werden.

Rolle von Entwicklungszusammenarbeit
Deutschland und Kenia haben 2022 eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft vereinbart, die 2023 ausgeweitet wurde.Sie umfasst unter anderem den Ausbau von Geothermie, Stromnetzen und die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Ziel ist es, Klimaschutz, Energieversorgung und Ernährungssicherheit zu stärken. Das ist besonders wichtig, da Kenia stark vom Klimawandel betroffen ist.
Wenn aus erneuerbaren Energien grüner Wasserstoff gewonnen wird, kann dieser genutzt werden, um Düngemittel herzustellen. Düngemittel sind zurzeit auf dem Weltmarkt sehr teuer. Deshalb ist es hilfreich, wenn diese im eigenen Land hergestellt und nicht importiert werden müssen. Ein Mangel an Düngemitteln kann zu hohen Ernteeinbußen führen. Indirekt kann erneuerbare Energie und grüner Wasserstoff so also zur Stärkung der Ernährungssicherheit beitragen.
Konkret unterstützt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Kenia zum Beispiel in der Digitalisierung. Insgesamt sollen die Rahmenbedingungen für den Energiewandel gestärkt werden. In den Prozessen arbeitet die GIZ eng mit dem kenianischen Energieministerium zusammen.
Fazit: Was Kenias Energiewende für nachhaltige Entwicklung bedeutet
Kenia zeigt, dass erneuerbare Energien ein zentraler Motor für nachhaltige Entwicklung sein können. Der hohe Anteil sauberer Energie stärkt die Energieversorgung, reduziert Emissionen und schafft neue wirtschaftliche Perspektiven – auch wenn die prozentualen Angaben je nach Quelle leicht schwanken. Gleichzeitig macht das Beispiel deutlich, dass soziale Aspekte wie faire Umsiedlungen und ländlicher Stromzugang entscheidend für eine gerechte Energiewende sind.
Kenia ist auch ein Beispiel für ein Land, das stark unter den Folgen des Klimawandels leidet. Länder im Globalen Süden, besonders in Afrika, tragen prozentual weniger zum Klimawandel bei, sind aber stärker betroffen als viele Länder im Globalen Norden. Diese Ungleichheit verdeutlicht die Verantwortung für Länder im Globalen Norden, die eigene Energiewende voranzutreiben und auch Länder im Globalen Süden dabei zu unterstützen.
[1] Die Zahlen zu den Anteilen der verschiedenen erneuerbaren Energien schwanken je nach Quelle. Dieser Artikel bezieht sich auf die offiziellen Zahlen der Zentralbank Kenia.