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Hoffnung trotz Rückschlag auf der UN-Frauenrechtskommission

Aktuelles

Im März war ONE bei der 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission (Commission on the Status of Women, CSW) in New York als Teil der deutschen Regierungsdelegation.

Jedes Jahr kommen Vertreter*innen der UN-Mitgliedstaaten, der Zivilgesellschaft und internationaler Organisationen zusammen, um über Fortschritte – und Rückschritte – bei der Gleichstellung der Geschlechter zu diskutieren.

Das diesjährige Thema lautete „Access to Justice“ – also der Zugang zu Rechtssystemen für alle Frauen und Mädchen weltweit. Im Mittelpunkt stehen dabei inklusive und gerechte Rechtssysteme, die Beseitigung diskriminierender Gesetze und der Abbau struktureller Barrieren.

Für uns bei ONE stand in dieser Woche wirtschaftliche Gleichstellung besonders im Fokus. Sie ist eine entscheidende Voraussetzung für Stabilität, Sicherheit und gerechtes Wachstum.

ONE’s Advocacy-Koordinatorin für Geschlechtergleichstellung vor der UN

Verhandlungen unter Druck und globale Perspektiven zu Geschlechtergleichstellung

Die Tage während der UN-Frauenrechtskommission waren intensiv und voller Begegnungen.

Am ersten Tag standen vor allem die Verhandlungen über das Abschlussdokument im Mittelpunkt. Darin halten Staaten fest, wie sie die aktuelle Lage der Geschlechtergleichstellung einschätzen und zu welchen konkreten Maßnahmen sie sich verpflichten. Die Verhandlungen waren dieses Jahr besonders schwierig. Einige Staaten stellten lange etablierte Konzepte – inklusive Geschlechtergleichstellung selbst – infrage. Zum ersten Mal seit Jahren kam es deshalb nicht zu einem Konsens, sondern zu einer Abstimmung über das Dokument. Am Ende wurde es dennoch angenommen – nur die USA stimmten dagegen.

Parallel zu den Verhandlungen fanden unzählige Veranstaltungen statt: Panels von Regierungen, internationalen Organisationen, Stiftungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Diese Gespräche sind besonders wertvoll. Aktivist*innen aus verschiedenen Ländern teilen dort ihre Erfahrungen, etwa zu digitaler Gewalt, zum globalen Backlash gegen Geschlechtergleichstellung, zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten oder zur Rolle von Männern und Jungen als Allies. Sie zeigen auch, wie stark und global die Bewegung für Geschlechtergerechtigkeit ist.

Ein besonderes Highlight war ein Empfang der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dort hielt die neue Commissioner of International Affairs der Stadt New York, Ana María Archila, eine Keynote über die Verbindung von Gleichstellung und Demokratie:

“Gleichheit beim Zugang zu Recht könnte nicht dringlicher sein. Frauen und Mädchen führen weiterhin Bewegungen für Demokratie und Frieden an – und gleichzeitig erleben wir den Rückschritt von Rechten. In diesen Momenten bedeutet die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter, die Demokratie selbst zu stärken.”

Wer fehlt im Raum?

Eine Frage kam während der Woche immer wieder auf: Wer fehlt eigentlich in diesen Räumen?

Zunehmend können Aktivist*innen – vor allem aus dem Globalen Süden – nicht teilnehmen. Manche erhalten keine Visa, andere verlieren kurzfristig ihre Finanzierung. Einige fühlen sich in internationalen Räumen inzwischen nicht mehr sicher oder willkommen.

Das ist ein großes Problem. Gerade diese Stimmen bringen Perspektiven und Erfahrungen ein, die für die Debatten über Geschlechtergerechtigkeit entscheidend sind.

Auch junge Stimmen, insbesondere diverse junge Stimmen, sind noch zu selten vertreten. Deutschland hat zwei Jugenddelegierte bei der CSW – Samet Beşyaprak und Ezgi Gülistan Gül. Sie haben bei verschiedenen Veranstaltungen die Prioritäten junger Menschen eingebracht. Besonders wichtig ist ihnen der Schutz und die Sicherheit im digitalen Raum.

Zivilgesellschaft auf der 70. UN-Frauenrechtskommission
Deutsche Zivilgesellschaft auf der 70. UN-Frauenrechtskommission

Wie Deutschland Geschlechtergleichstellung international stärken kann

Deutschland kann mit seinen politischen und finanziellen Möglichkeiten viel bewegen. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland sich weiterhin klar zur multilateralen Zusammenarbeit, zur Geschlechtergleichstellung, zur Agenda “Frauen, Frieden und Sicherheit” (wie auf der UN-Frauenrechtskommission) sowie zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten bekennt.

Dafür braucht es auch ausreichende Finanzierung – nicht nur im Inland, sondern auch in der Außen- und Entwicklungspolitik. Besonders entscheidend ist, gezielt Projekte für Geschlechtergleichstellung zu unterstützen – vor allem lokale zivilgesellschaftliche und frauengeführte Organisationen, die in ihren Communities Veränderungen vorantreiben.

Die Arbeit geht weiter

Der Backlash gegen Geschlechtergleichstellung wächst. Aber genauso wächst auch die Entschlossenheit vieler Menschen, sich ihm entgegenzustellen.

Eine Aktivistin aus der Türkei brachte es während einer Diskussion eindrucksvoll auf den Punkt:

“Du kannst einen Fluss nicht aufhalten. Du kannst Steine in ihn legen – doch er wird seinen Lauf ändern und seinen Weg finden.“

Die Woche in New York war intensiv, manchmal herausfordernd – aber vor allem motivierend. Jetzt geht es darum, die Erkenntnisse und Impulse aus der Frauenrechtskommission nach Deutschland mitzunehmen und politisch umzusetzen.

Denn echte Gleichstellung braucht nicht nur Worte auf internationalen Konferenzen – sondern konkrete Entscheidungen und Investitionen.

👉 Mehr darüber, wie eine feministische Entwicklungszusammenarbeit wirken kann, lest ihr hier.