Der Africa Cup of Nations ist das größte Fußballturnier des afrikanischen Kontinents. Millionen Menschen verfolgen die Spiele. Der Sport schafft Gemeinschaft und ist zugleich Teil globaler Macht- und Ungleichheitsstrukturen. Ein Blick auf die Geschichte und Gegenwart zeigt, warum Fußball in Afrika mehr ist als nur ein Sport.
Wie der Fußball nach Afrika kam: Kolonialer Ursprung des modernen Fußballs
Der moderne Fußball stammt aus England und wurde während der Kolonialzeit von europäischen Kolonialist*innen nach Afrika gebracht. Der Kolonialismus war eine Episode der gewaltsamen Unterdrückung auf politischer, ökonomischer und kultureller Ebene. Auf dem Kontinent verbreitete sich der Sport besonders schnell, auch wenn traditionelle afrikanische Ballspiele an Bedeutung verloren. Im von Deutschland kolonisierten Namibia durften BIPoC (Black Indigenous People of Colour) lange weder Fußball in offiziellen Stadien spielen, noch Spiele dort live zuschauen. Der Begriff BIPoC ist eine selbst gewählte Beschreibung von Schwarzen und Indigenen Menschen, um sich selbst zu beschreiben. Die Menschen, die von offizieller Seite aus ausgegrenzt wurden, steckten sich Fußballfelder in ihren Vierteln ab und spielten dort.
Obwohl der Fußball kolonial eingeführt wurde, eigneten sich viele Menschen den Sport an und nutzten ihn als sozialen Raum. Fußballspiele und Vereine wurden zu Orten, an denen Gemeinschaft entstand und Identität ausgedrückt wurde. Doch noch heute beeinflussen koloniale Denkmuster die Wahrnehmung afrikanischer Spieler*innen, etwa in der internationalen Talentsuche und Migration.
Frühe Fußballvereine und Turniere
In Städten wie Kairo gründeten sich schon früh Fußballclubs, teils von britischen Kolonialisten initiiert. 1907 wurde hier mit Al Ahly einer der erfolgreichsten Klubs Afrikas gegründet, der zugleich ein politisches Statement gegen britische Herrschaft war. 1921 entstand der erste nationale Fußballverband Afrikas, und 1923 trat Ägypten als erstes afrikanisches Land der FIFA bei.

Warum Fußball der beliebteste Sport in Afrika ist
Niedrige Zugangshürden
Fußball ist Afrikas beliebtester und am meisten gespielter Sport, da er mit minimalen Ressourcen auskommt. Zum Fußballspielen braucht es nicht viel mehr als einen Ball und einen Bolzplatz oder Dinge, mit denen man ein Feld abstecken kann.
Fußball gehört zum Alltag vieler Menschen, egal ob in städtischen oder ländlichen Räumen. Kinder und Jugendliche spielen auf Straßen, in Schulen und Nachbarschaften. Vereine werden zu sozialen Treffpunkten.
Wachstum von Amateur- und Profistrukturen im Fußball
Die Zahl der Fußballclubs und Ligen in Afrika ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Neben lokalen Amateuren gibt es nun regionale und kontinentale Strukturen, die Talente fördern und Wettbewerb ermöglichen.

Der Africa Cup of Nations: Das größte Fußballturnier des afrikanischen Kontinents
Der Africa Cup of Nations (AFCON) existiert seit 1957 und ist das bedeutendste Fußballturnier des Kontinents. Der afrikanische fußballverband (Confederation of African Football, CAF) organisiert das Turnier, das heute wesentlich komplexer ist als zu Beginn. Es bietet vielen afrikanischen Nationalmannschaften eine Plattform, auf der sie international sichtbar werden.
Bedeutung für nationale Identität und Sichtbarkeit
Der Africa Cup ist nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern auch ein Raum nationaler Identität und kollektiver Erlebnisse: Fans verfolgen die Spiele leidenschaftlich, und Erfolge auf diesem Niveau fördern Anerkennung und Zusammengehörigkeitsgefühl.
Die strukturelle Bedeutung des Turniers zeigt sich darin, wie Fußball auf anderen Ebenen wirkt: Die Teilnahme stärkt nationale Sportstrukturen und schafft Aufmerksamkeit für Fußballentwicklungen auf dem Kontinent.
Afrikanischer Fußball und globale Ungleichheiten
Migration von Spieler*innen
Viele afrikanische Fußballer*innen wechseln in Ligen außerhalb Afrikas. Laut der Bundeszentrale für politische Bildungspielten in der Saison 2021/22 über 500 afrikanische Spieler in den größten europäischen Ligen, und 2023 wurden 1.479 Spieler aus Afrika in Clubs weltweit transferiert. Dieser Trend betrifft auch Spielerinnen: 2023 wechselten 260 afrikanische Fußballerinnen ins Ausland, was die wachsende internationale Nachfrage zeigt, allerdings bei weiterhin bestehenden Ungleichheiten.
Ungleiche Bezahlung, kurze Verträge, Abhängigkeiten
Trotz großer Talente sind afrikanische Spieler*innen im Profifußball oft mit kurzfristigen Verträgen, niedrigeren Gehältern und rassistischen Strukturen konfrontiert. Wenn afrikanische Spieler*innen über Vermittler in Vereine wechseln, müssen sie oft über 50 Prozent ihres Gehalts an diese zahlen. Diese Bedingungen spiegeln fortbestehende globale Wirtschaftsungleichheiten wider.
Im internationalen Fußball zeigen sich koloniale Kontinuitäten. Historisch waren afrikanische Spieler*innen oft abhängig von ihren jeweiligen Kolonialmächten. Ein Beispiel dafür ist der Fußballer Eusébio aus dem heutigen Mosambik, das 1966 noch unter der kolonialen Herrschaft Portugals stand. Er musste für die portugiesische Nationalmannschaft spielen und beim Fußballverein Benefica Lissabon bleiben, obwohl er Angebote aus anderen europäischen Ligen erhielt.
Sport als Instrument in der Entwicklungszusammenarbeit
Seit der Fußball-WM 2010 in Südafrika ist Sport stärker auch als Teil der Entwicklungszusammenarbeit im Fokus. Organisationen bauen Begegnungsorte, in denen Fußball als sozialer Katalysator fungiert. Fußballprojekte können Gemeinschaft schaffen und lokale Motivation stärken. Gleichzeitig lässt sich ihre langfristige Wirkung oft schwer messen, und sie ersetzen keine strukturellen Investitionen in Bildung, Gesundheit oder soziale Infrastruktur.

Fußball hat positive Effekte für Teilhabe, stärkt Gesundheit und kann Integrationsprozesse fördern. Gleichzeitig sind diese Effekte stark kontextabhängig und müssen in größere Entwicklungsstrategien eingebettet werden.
Frauenfußball: Die „Grannies“ in Kenia
In Kenia haben sich rund 40 Fußballclubs für Frauen über 50 gegründet, die sogenannte „Grannies“-Bewegung. Für viele der Spielerinnen ist Fußball nicht nur Sport, sondern stärkt Gesundheit, Gemeinschaft und Selbstbewusstsein. Solche Initiativen zeigen, wie Fußball Empowerment ermöglichen kann – auch über Generationen hinweg. Er schafft Räume jenseits traditioneller Rollenbilder.
Strukturelle Hürden für Frauen im Sport
Trotz solcher Beispiele bleibt der Zugang für Frauen zum professionellen Fußball eingeschränkt: Strukturelle Barrieren, geringere Finanzierung und geringe Sichtbarkeit sind weiterhin zentrale Herausforderungen.

Wirtschaft und Politik im afrikanischen Fußball
Auch wirtschaftliche Interessen prägen den Fußball in Afrika. Einnahmen entstehen durch Medienrechte, Sponsoring und kommerzielle Nutzung von Turnieren wie dem Africa Cup. Für den Africa Cup 2025 hat sich zum Beispiel die Medienagentur IMG die Rechte gesichert, das Turnier international zu übertragen. Das heißt, sie bezahlen Geld an den afrikanischen Fußballverband, und können dafür die Spiele live streamen. Der diesjährige Africa Cup wurde auch als TotalEnergies Africa Cup bezeichnet, da sich das französische Öl und Energie Unternehmen, das Sponsoring gekauft hat.
Fazit: Gemeinschaft, Entwicklung und globale Chancen
Fußball in Afrika ist eng mit Geschichte, Gesellschaft und globaler Politik verknüpft. Er schafft Gemeinschaft und Identität, zeigt aber zugleich strukturelle Herausforderungen und Ungleichheiten. Um faire und nachhaltige Strukturen zu schaffen, braucht es langfristige Investitionen, gerechtere Ressourcenverteilung und lokale Stärkung. Fußball bleibt damit nicht nur ein Spiel, sondern ein politisch relevantes Thema globaler Gerechtigkeit.