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Fashion Revolution: Schritte zu einer nachhaltigeren und gerechteren Textilindustrie

Die Fashion Revolution fordert eine nachhaltige und gerechte Textilindustrie weltweit. Millionen Arbeiter*innen im Globalen Süden produzieren Kleidung für die Fast Fashion Industrie unter schlechten Bedingungen und verdienen kaum existenzsichernde Löhne. Gleichzeitig zeigen Initiativen und politische Maßnahmen, wie Mode gerechter und umweltfreundlicher gestaltet werden kann.

Wer profitiert von Fast Fashion – und wer trägt die Kosten?

Günstige Kleidung: Wenn nicht Käufer*innen die Kosten tragen, tragen sie meist die Arbeiter*innen im Globalen Süden. Fast Fashion (zu Deutsch Schnelle Mode) beschreibt das Konzept, dass Kleidung schnell und günstig hergestellt werden. Die Kleidung ist meist von niedriger Qualität und wird nur kurz getragen, da sich Fast Fashion Unternehmen an schnell wechselnden Trends orientieren. Näher*innen stellen unter prekären Arbeitsbedingungen Kleidung her und erhalten dafür nur wenig Lohn. Eine Näherin in Bangladesch erhält umgerechnet 106 Euro pro Monat – für ein menschenwürdiges Leben ist laut lokalen Gewerkschaften knapp doppelt so viel Geld notwendig.[1] Von der Ausbeutung der Arbeitskräfte profitieren globale Modemarken, Textilfabriken und die Regierungen der Produktionsländer.[2]

Die Ausbeutung verletzt Menschenrechte. In Teilen umfassen diese Verletzungen auch Zwangsarbeit oder Zwangsheirat, was auch als moderne Sklaverei bezeichnet wird. Auf Textilien und Bekleidung entfallen 12,7 Milliarden Dollar bzw. 147,9 Milliarden Dollar des Wertes der von den G20-Ländern importierten Risikowaren, die mit moderner Sklaverei in Verbindung stehen.[3]

Fabrik mit Textilien
Influencer*innen werben für günstige Kleidung, doch Fast Fashion hat seinen Preis, Foto: Getty Images.

Forderungen für eine Fashion Revolution

Um die Fashion Industrie zu revolutionieren und Menschenrechtsverletzungen einzudämmen, braucht es Veränderungen in den Modeunternehmen, aber auch in der Gesetzgebung. Damit Arbeiter*innen weltweit für ihre Rechte einstehen können, muss deren Recht auf Versammlungsfreiheit gewährleistet werden. Gleichzeitig müssen Verstöße gegen Arbeitsrechte untersucht und Betroffene entschädigt werden. Diese Forderungen müssen die deutsche Bundesregierung und die EU an die Produktionsländer stellen. 

Modemarken sind dafür verantwortlich, dass in allen Schritten der Lieferkette die Menschenrechte gewahrt bleiben. Dafür kann die Einführung einer obligatorischen Sorgfaltspflicht sorgen. Gleichzeitig müssen Maßnahmen zum Schutz von Arbeiterinnen ergriffen werden, fordert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Baumwolle
Baumwolle ist für viele Stoffe der Rohstoff, Foto: Kamchatka.

Baumwolle aus Sub-Sahara-Afrika

Am Anfang der Lieferkette eines Kleidungsstücks steht der Rohstoff, zum Beispiel Baumwolle. Der Baumwollanbau bildet die Lebensgrundlage für rund 20 Millionen Menschen in Sub-Sahara-Afrika, wenn auch oft eine prekäre. Die meisten Arbeitsschritte der Baumwollproduktion werden mit der Hand durchgeführt und nicht mit Maschinen. Laut US-Berichten wurde in der Baumwollindustrie in Benin, Burkina Faso, Ägypten und Mali Kinderarbeit festgestellt. 80 bis 90 Prozent der produzierten Baumwolle wird zur Weiterverarbeitung in meist asiatische Länder verschifft.[4] Der ökonomische Wert ist bei diesen ersten Stationen in der Lieferkette gering. Die Menschen, die an den Anfangsstadien der Herstellung beteiligt sind, verdienen nur wenig daran. Der größte Teil der Wertschöpfung findet im Globalen Norden mit Vertrieb, Marketing und Design statt. Diese ungleichen Handelsbeziehungen sind ein strukturelles Problem. 

Intransparente Lieferketten 

Intransparente Lieferketten machen die Stationen der Wertschöpfung eines Kleidungsstücks schwer nachvollziehbar. Es braucht Transparenz, um zu sehen, wo Menschenrechte eingehalten und Arbeiter*innen fair bezahlt werden und wo nicht. Die Forderung nach Transparenz der Lieferketten nimmt Unternehmen in die Verantwortung offenzulegen, wo und unter welchen Bedingungen ihre Produkte produziert werden. 2023 gab nur ein Prozent der Marken an, wie viel Prozent ihrer Arbeiter*innen ein existenzsichernder Lohn ausgezahlt wird.[5] Lieferketten erstrecken sich über die ganze Welt, deshalb ist auch die Forderung nach Transparenz eine globale. Hier erfährst du mehr dazu.

Industrieabwässer verschmutzen einen Fluss
Wenn Abwässer aus der Fast Fashion Industrie in Flüsse geleitet werden, hat das negative Auswirkungen auf die Umwelt und Menschen vor Ort, Foto: Akaratwimages.

Die fatalen Folgen der Fast Fashion Industrie für das Klima

Das Wachstum der Fast Fashion Industrie hat nicht nur soziale Folgen, sondern auch ökologische für das Klima. So verschmutzen beispielsweise Industrieabwässer die Natur in den Produktionsländern. Um die Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise Extremwetter einzudämmen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2030 halbiert werden. Die Textilindustrie ist für Studien zufolge für drei bis acht Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Doch hier liegt auch ein großes Potenzial: Die meisten Modemarken können ihre Emissionen um 60 Prozent senken, während ihr Umsatz nur um ein bis zwei Prozente zurückgeht.[6]

Schritte zu einer Fashion Revolution: Trashy Bags

Das Modeunternehmen Trashy Bags revolutioniert die Fashion Industrie, indem sie Nachhaltigkeit zur Strategie machen. In Ghanas Hauptstadt Accra verschmutzt Plastikmüll die Gewässer und die Luft. Denn die Infrastruktur zur Müllbeseitigung und Recyclinginitiativen sind mangelhaft. Trashy Bags nutzt den Müll als Ressource, um Taschen für Laptops, Kosmetikbeutel oder Einkäufe herzustellen. Der Prozess vom Plastikmüll zur Tasche umfasst das Sammeln von Müll, Reinigen, Sortieren und Nähen. Die Arbeit trägt nicht nur zur Reduktion von Müll bei, sondern stärkt marginalisierte Gemeinden, indem diese in den Arbeitsprozess eingebunden werden. Der Fokus auf die Einstellung von jungen Menschen und Frauen, gibt diesen Entwicklungsmöglichkeiten und stärkt so die soziale Nachhaltigkeit. Seit 2007 hat Trashy Bags bereits 33 Millionen Plastikstücke erfolgreich recycelt.[7]

Hände nähen ein Kleidungsstück
,Foto: Baraa Obied Pexels.

Was jetzt passieren muss, für eine gerechtere nachhaltigere Textilindustrie 

Die Politik steht in der Verantwortung die globalen Handelsbeziehungen gerechter zu gestalten. Ein wirksames Instrument hierfür ist das Lieferkettengesetz, das in Deutschland seit 2023 gilt – in der EU soll das Gesetz erst 2028 in abgeschwächter Form eingeführt werden. 

Wir als Konsument*innen können durch bewusste Kaufentscheidungen, Unternehmen unterstützen, die ihre Arbeiter*innen fair behandeln. Good on You ist ist ein Fashion Guide, der dabei hilft, nachhaltige Modemarken zu finden. Gleichzeitig ist es wichtig öffentlich Druck auf Unternehmen und Politik zu machen, damit sich diese für eine gerechtere Textilindustrie einsetzen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet die Möglichkeit an, über diese Webseite Beschwerde gegen Unternehmen einzureichen, die gegen das Lieferkettengesetz verstoßen.


[1] https://saubere-kleidung.de/2023/11/neuer-mindestlohn-in-bangladesch-entspricht-hungerlohn/

[2] https://www.amnesty.de/aktuell/textilindustrie-ausbeutung-arbeitsrechte-bericht

[3] https://cdn.walkfree.org/content/uploads/2023/05/17114737/Global-Slavery-Index-2023.pdf

[4] https://saubere-kleidung.de/afrika/

[5] https://issuu.com/fashionrevolution/docs/fashion_transparency_index_2023_pages

[6] https://www.mckinsey.com/industries/retail/our-insights/sustainable-style-how-fashion-can-afford-and-accelerate-decarbonization

[7] https://www.trashybagsafrica.com