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Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: Warum sich das Virus so stark ausbreitet

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Ein verheerender Ebola-Ausbruch erschüttert derzeit die Demokratische Republik Kongo. Die Provinz Ituri bildet das Epizentrum der Epidemie, die durch das seltene Bundibugyo-Virus verursacht wird. Für diesen Erreger gibt es bis heute weder eine zugelassene Impfung noch ein spezifisches Medikament. Der Ausbruch trifft auf eine Region, die durch jahrelange Konflikte, Gewalt und ein kollabierendes Gesundheitssystem ohnehin schwer geschwächt ist.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 30 Jahren im Land aktiv und kämpft aktuell mit über 1.400 Mitarbeitenden vor Ort gegen die Katastrophe.
Wir haben mit Jasmin Behrends, Referentin für globale Gesundheit bei Ärzte ohne Grenzen Deutschland, über den schweren Einsatz, die Versäumnisse der Pharmaindustrie und die konkreten Anforderungen an die internationale Gesundheitspolitik gesprochen.

Wie ist Ärzte ohne Grenzen in der DRC aktiv?

Ärzte ohne Grenzen ist seit 30 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) im Einsatz. Darum haben wir in vielen Regionen einen guten Kontakt zu lokalen Behörden und Akteur*innen die vor Ort arbeiten. Wegen des aktuellen Ebolafieber-Ausbruchs hat Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo einen umfassenden Ebola-Noteinsatz gestartet und ist gleichzeitig weiter in der allgemeinen Gesundheitsversorgung aktiv. Aktuell sind mehr als 1.400 Mitarbeitende nur für die Eindämmung des Ausbruchs im Einsatz. Unter anderem betreiben wir sieben Ebola-Behandlungszentren in den Regionen Ituri und Nord-Kivu und einige Isolationszentren, weitere Einrichtungen sind in Planung. Die Teams unterstützen auch lokale Gesundheitsstationen, schulen Personal, liefern Schutzmaterial und stärken Infektionsprävention und Hygienemaßnahmen. Seit Beginn des Ausbruchs haben unsere Teams mehr als 2.000 Patient*innen aufgenommen, darunter mehr als 800 bestätigte Fälle. Parallel dazu versorgen wir weiter Menschen mit Cholera, Masern, Malaria, Kriegsverletzungen und unterstützen Überlebende sexualisierter Gewalt.

Warum ist der Ausbruch so stark?

Der Ausbruch trifft auf eine Region, die bereits durch bewaffnete Konflikte, Vertreibung, Unsicherheit und drastisch reduzierte humanitäre Finanzierung schwer geschwächt ist. Schon vor dem Ausbruch waren Gesundheitssysteme, Epidemievorsorge und Diagnostik chronisch unterfinanziert. Deshalb werden viele Fälle zu spät erkannt. Die Diagnostikkapazitäten und Kontaktverfolgung sind einfach unzureichend. Gleichzeitig erschweren Gewalt und schlechte Erreichbarkeit die Versorgung vor Ort. Hinzu kommt, dass es für das Bundibugyo-Virus bisher weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Therapien gibt. Insgesamt begünstigen alle diese Faktoren eine schnelle und weite Ausbreitung.

Elykia-Ebola-Behandlungszentrum (CTE) in Bunia, Ituri. Zwei Krankenschwestern besuchen Pierette, eine Patientin, bei der vor einigen Tagen durch Testergebnisse bestätigt wurde, dass sie sich mit dem Virus infiziert hat. Ihr Zustand hat sich seit ihrer Ankunft im Zentrum deutlich verbessert. Foto: Julien Dewarichet/MSF

Warum sind die lokalen Gesundheitsstationen so schlecht ausgestattet? Woran fehlt es den Ärzt*innen und Pfleger*innen vor Ort im Moment am meisten?

Viele Gesundheitszentren und Krankenhäuser arbeiten nur eingeschränkt, weil jahrelanger Konflikt, Vertreibung, Unsicherheit und Kürzungen in der humanitären Hilfe das System massiv geschwächt haben. In einigen Gebieten mussten Einrichtungen wegen Gewalt sogar ganz schließen. Es fehlt vor allem an Personal, Medikamenten, Schutzausrüstung, medizinischem Material und allgemeiner Ausrüstung. Auch Labor-, Diagnostik- und Surveillance-Kapazitäten sind unzureichend. Es mangelt an sauberem Wasser und funktionierenden Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle. Das erschwert übrigens auch die Versorgung anderer Krankheiten.

Warum haben viele Menschen vor Ort Angst oder kein Vertrauen in die Krankenstationen?

Viele Menschen leben bereits unter dem Druck von Gewalt, Vertreibung und mehreren gleichzeitigen Gesundheitskrisen. In diesem Umfeld wird Ebola zusätzlich mit Angst, Isolation und Tod verbunden, was Menschen davon abhalten kann, Gesundheitsstationen aufzusuchen. Bei dem letzten Ebola-Ausbruch in der Region vor wenigen Jahren sind viele Menschen gestorben, das hat die Bevölkerung schwer getroffen. Wenn Menschen befürchten, sich in Ebola-Behandlungszentren anzustecken oder von ihren Familien getrennt zu werden, kommen sie oft erst sehr spät – häufig zu spät. Gleichzeitig leidet das Vertrauen, wenn die allgemeine Basisversorgung nicht zuverlässig aufrechterhalten wird. Ärzte ohne Grenzen betont deshalb, dass Ebola-Maßnahmen nur funktionieren, wenn gleichzeitig auch die grundlegende medizinische Versorgung erhalten bleibt. Vertrauen entsteht vor allem dann, wenn die betroffenen Gemeinschaften stärker in die Maßnahmen einbezogen werden.

Elykia-Ebola-Behandlungszentrum (CTE) in Bunia. Medizinisches Personal des von Ärzte ohne Grenzen im Elikya-Krankenhauszentrum in Bunia, Ituri, eingerichteten Ebola-Behandlungszentrums. Foto: Alexis Huguet/Ärzte ohne Grenzen

Warum gibt es keine Impfungen oder Medikamente gegen diese Art des Ebola-Virus?

Für das Bundibugyo-Virus gibt es bislang keine zugelassenen Impfstoffe und keine spezifischen Therapien und das, obwohl das Virus seit mehr als 20 Jahren bekannt ist. Der Ausbruch zeigt, dass es bei vernachlässigten Krankheitserregern weiterhin große Lücken in Forschung und Entwicklung gibt. Erste klinische Studien zu Medikamenten und Impfstoffkandidaten haben begonnen. Allerdings wird es noch Monate dauern, bis neue Produkte zugelassen sind. Das bedeutet, dass aktuell vor allem unterstützende Behandlung möglich ist, etwa Rehydrierung, fiebersenkende Mittel und Symptomkontrolle. Auch die Diagnostik wurde zu lange vernachlässigt, obwohl die WHO inzwischen einen ersten molekularen Test gelistet hat. Kurz gesagt: Das Problem ist nicht, dass der Erreger neu wäre, sondern dass zu wenig in Vorsorge, Forschung und Produktentwicklung investiert wurde.

Was sind die Hoffnungsschimmer für den Ebola-Ausbruch?

Ein Hoffnungsschimmer ist, dass bereits klinische Studien zu Impfstoffen und Medikamenten gegen das Bundibugyo-Virus gestartet wurden. Zudem gibt es bei der Diagnostik Fortschritte. Zum Beispiel hat die WHO eines ersten molekularen Tests in die Notfallliste aufgenommen. Gleichzeitig sind Ärzte ohne Grenzen und andere Akteur*innen mit großem personellen und logistischen Aufwand im Einsatz und bauen ihre Kapazitäten weiter aus. In Nairobi gibt es ein Ebola-Schulungszentrum, um zusätzliches Fachpersonal vorzubereiten. Auch die internationale politische Aufmerksamkeit und die Mobilisierung von zusätzlichen Mitteln sind positiv. Entscheidend wird jedoch sein, dass daraus schnell wirksame Unterstützung vor Ort wird.

Was muss passieren, damit sich das nach diesem Ausbruch nicht in ein paar Jahren wiederholt?

Damit sich eine solche Krise nicht wiederholt, braucht es langfristige Investitionen in belastbare Gesundheitssysteme statt nur kurzfristiger Notfallreaktionen. Wichtig sind bessere Diagnostik, Labore, Surveillance, Infektionsprävention und funktionierende Basisgesundheitsversorgung. Forschung und Entwicklung für vernachlässigte Erreger wie das Bundibugyo-Virus müssen frühzeitig und kontinuierlich finanziert werden, damit Impfstoffe und Medikamente nicht erst im Ausbruch entwickelt werden. Schließlich müssen neue medizinische Güter auch bezahlbar sein, wenn sie auf den Markt kommen, und gerecht verteilt werden. Und: betroffene Gemeinschaften müssen früh und ernsthaft einbezogen werden, damit Vertrauen in Prävention und Behandlung entsteht. Humanitäre Hilfe darf nicht durch Konflikt, Unsicherheit oder politische Restriktionen blockiert werden. Und schließlich braucht es bessere nationale und internationale Koordination, damit Verantwortlichkeiten, Finanzierung und operative Unterstützung im Ernstfall schneller greifen. Die deutsche Bundesregierung hat die Möglichkeit hier eine Führungsrolle zu übernehmen. Derzeit können wir eine solche Führungsrolle jedoch leider noch nicht erkennen.

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