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7 Fakten über den Hantavirus-Ausbruch 

Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff „Hondius“ sorgt gerade weltweit für Schlagzeilen. Das Kreuzfahrtschiff startete am 1. April in Südargentinien. Bis zum 13. Mai wurden laut WHO 11 Fälle gemeldet, darunter drei Todesfälle (ein deutsches Paar, ein Brite), und Passagiere wurden evakuiert.

Aber was steckt eigentlich hinter dem Erreger und wie gefährlich ist er wirklich? 

1. Wann wurde das Hantavirus entdeckt?

Das Hantavirus wurde erstmals in den 1950er-Jahren während des Koreakriegs entdeckt. Über 3.000 Soldaten erkrankten damals nahe dem Hantan-Fluss in Korea. Das Virus selbst wurde 1976 isoliert. Nach ihm wurde die gesamte Virus-Familie benannt, die heute weltweit vorkommt. Der aktuelle Stamm, der per PCR-Verfahren bestätigt wurde, ist das Andes-Hantavirus (ANDV), ein besonders aggressiver Typ, der im südlichen Argentinien und Chile endemisch ist. 

2. Ist das Hantavirus eine Zoonose? 

Das Hantavirus ist eine klassische Zoonose. Die Krankheit wird also vom Tier auf den Menschen übertragen. Zoonosen entstehen häufig dort, wo sich Umweltbedingungen stark verändern. Mensch-, Tier- und Umweltgesundheit direkt zusammen. Das bedeutet, dass Klimaveränderungen oder ökologische Faktoren zu einer höheren Dichte des Reservoirs der Langschwanz-Zwergreisratte und damit zu mehr „Spillover“-Ereignissen auf den Menschen führen. Ein Spillover geschieht dann, wenn ein Erreger erstmals vom Tier auf den Menschen überspringt. 

3. Wie wird das Hantavirus von Tier auf Mensch übertragen?

Die Standardübertragung erfolgt normalerweise durch das Einatmen von aerosolisierten Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) infizierter Nagetiere. Das passiert oft in geschlossenen Räumen wie Schuppen oder Zelten. Auf der MV Hondius erfolgte die Erstinfektion laut ECDC-Einschätzung höchstwahrscheinlich an Land in Patagonien, bevor die Passagiere in Ushuaia an Bord gingen. 

4. Kann das Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragen werden?

Die Ansteckung von Mensch zu Mensch passiert bei Hantaviren extrem selten. Das Andes-Virus (ANDV) ist jedoch das einzige bekannte Hantavirus, bei dem dies möglich ist. Dies geschieht nur bei engem und langem Kontakt (z. B. bei Zimmergenossen oder unter Angehörigen). Es ist keine Tröpfcheninfektion auf Distanz, wie wir sie von Influenza oder SARS-CoV-2 kennen. Der Ausbruch auf der MV Hondius mit bisher 8 Fällen ist die erste dokumentierte Übertragung dieser Art an Bord eines Schiffs 

5. Was sind die Hantavirus-Symptome?

Der Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden beträgt in der Regel 1 bis 6 Wochen. Die Krankheit beginnt wie eine schwere Grippe mit Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen. Im Verlauf kann es jedoch zum gefährlichen HCPS (Hantavirus Cardiopulmonary Syndrome) kommen. Dabei füllt sich die Lunge mit Flüssigkeit (Ödem), was zu schwerem Sauerstoffmangel und Organversagen führen kann. Die Fall-Sterblichkeit liegt laut aktuellem ECDC-Stand bei diesem Ausbruch bei rund 38 %. 

6. Wie wird das Hantavirus behandelt?

Da es aktuell keine zugelassene Impfung und keine spezifische antivirale Therapie gibt, ist eine schnelle intensivmedizinische Hilfe überlebenswichtig. Die Behandlung erfolgt supportiv, also durch Beatmung oder in schweren Fällen durch ECMO (eine externe Sauerstoffversorgung des Blutes). 

7. Wird es eine Hantavirus-Pandemie geben?

Trotz der Schwere der Fälle ist eine Hantavirus-Pandemie laut WHO extrem unwahrscheinlich. Das Virus verbreitet sich wesentlich langsamer als beispielsweise das Coronavirus. Die WHO hat deshalb (Stand 11. Mai 2026) keinen internationalen Gesundheitsnotstand (PHEIC) ausgerufen und empfiehlt keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung in Europa wird als „sehr gering“ eingestuft. 

Quellen: * WHO Disease Outbreak News (DON600)

  • ECDC Threat Assessment Brief & Updates (Mai 2026)
  • Robert Koch-Institut (RKI) Leitfaden zum Kontaktmanagement

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