Wasser und sanitäre Versorgung

Der Zusammenhang zwischen dem Mangel an Wasserversorgung und sanitärer Infrastruktur und den Millennium-Entwicklungszielen ist bekannt. Lösungsansätze sind rentabel.

Die Herausforderung

Verschmutztes Wasser und das Fehlen einer elementaren sanitären Versorgung untergraben die Bemühungen zur Bekämpfung von extremer Armut und Krankheiten in den ärmsten Ländern der Welt. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind in dieser Hinsicht besonders betroffen: Nur 68 % aller Menschen in der Region haben Zugang zu sicheren Wasserquellen und nur 30 % aller Menschen haben Zugang zu sicheren sanitären Anlagen. Fast die Hälfte aller Menschen die nicht sichere Wasserquellen nutzen, lebt in Subsahara Afrika.

Verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Versorgung sind zwei der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit. Täglich sterben schätzungsweise 1.533 Kinder an Durchfall, der durch schlechte sanitäre Versorgung und Hygiene verursacht wird. Doppelt so oft wie Männer haben Frauen die Aufgabe, Wasser zu beschaffen. Dazu legen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern im Schnitt sechs Kilometer pro Tag zurück – Zeit, die sie für die Arbeit oder den Besuch einer Schule bräuchten. Zusätzlich sind für mehr als die Hälfte der Mädchen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara, fehlende getrennte Toiletten und fehlender Zugang zu sauberem Wasser die Ursache für den Abbruch der Grundschule.

Fehlender Zugang zu sauberem Wasser hatte starke sozio-ökonomische Auswirkungen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in Afrika pro Jahr insgesamt 140 Millionen Arbeitsstunden – überwiegend von Frauen und Mädchen – für die Beschaffung von Wasser aufgewendet werden.

Im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele verpflichteten sich die Entwicklungs- und Geberländer, den Anteil an Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und elementarer sanitärer Versorgung bis 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. 2012 meldeten WHO und UNICEF, dass das MDG-Ziel im Hinblick auf sicheres Trinkwasser 2010 erreicht wurde. Das ist eine gute Nachricht. Dennoch haben fast 663 Millionen Menschen auch weiterhin keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Milliarden fehlt es an angemessener sanitärer Versorgung.

Die Chance

Die Zusammenhänge zwischen mangelndem Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung und Entwicklungszielen sind klar. Die Lösungen für das Problem sind bekannt und würden keine Unsummen kosten. Man schätzt, dass jeder Euro, der für Wasser und sanitäre Versorgung ausgegeben wird, ein wirtschaftliches Potential im Gegenwert von mindestens 4 Euro erzeugt. Ferner würde dies einen weltweiten wirtschaftlichen Gesamtnutzen von 28 Milliarden Euro pro Jahr durch reduzierte Gesundheitskosten und gesteigerte Produktivität bescheren.

In Afrika alleine würde der universelle Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen einen geschätzten jährlichen Mehrwert von 19,5 Milliarden Euro bringen. Insbesondere Frauen würden davon profitieren. Heute verbringen Frauen und Mädchen in Subsahara Afrika bis zu vier Stunden täglich damit Wasser zu holen. Wenn sie diese Zeit nicht aufwenden müssten, könnten sie ihre Ernteerträge um 20-30 % steigern. Die Distanz zur nächsten Wasserquelle zu reduzieren wurde außerdem als Möglichkeit der Stärkung von Frauen identifiziert, insbesondere hinsichtlich der Schulbesuche von Mädchen. Studien haben gezeigt, dass die Einschulungsraten von Mädchen um 15 % steigen, wenn sauberes Wasser und Zugang zu Sanitäranlagen gegeben sind.

Seit 1990 ist der Anteil der weltweiten Bevölkerung der Zugang zu sicherem Trinkwasser hat von 76 % auf 91 % gestiegen und der Anteil der ländlichen Bevölkerung, die keinen Zugang zu sicheren sanitären Anlagen hat, ist um fast ein Viertel gesunken. Der Anteil der Menschen, die zur Defäkation im Freien gezwungen sind, ist in den ländlichen Gebieten von 38 % auf 25 % gefallen. Angesichts von Hunderten Millionen Menschen, die immer noch ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen, und des bisher nicht realisierten Entwicklungsziels bezüglich der sanitären Versorgung, müssen die Bemühungen ausgeweitet werden, um Wasser- und sanitäre Versorgung für alle zu gewährleisten. Dabei müssen vor allem die großen Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem Raum, die armutsbedingte Ungleichheit und die Belastung von Mädchen und Frauen in Angriff genommen werden. Die neuen SDG Ziele, die universellen und gleichberechtigten Zugang zu sicherem und bezahlbarem Trinkwasser und Sanitäranlagen fordern, stellen eine gute Plattform dar, um diese Mission zum Ziel zu führen.

Deutschland setzt sich stark für einen besseren Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Versorgung ein. Zwischen 2007 und 2011 kamen aus Deutschland mehr bilaterale Entwicklungsleistungen für diesen Sektor als von jedem anderen Geber. Außerdem hat sich die deutsche Regierung verpflichtet zwischen 2005 und 2015 30 Millionen Menschen in der Region südlich der Sahara einen verbesserten Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung zu ermöglichen.