Wie Grace als Kind eine neue Sprache lernen musste und zu einer der besten Schülerinnen wurde

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Grace ist eine von hunderttausenden geflüchteten Menschen, die nach Uganda kamen. Neben der Umsiedlung in eine neue Gemeinschaft benötigen sie dringend Zugang zu Bildungseinrichtungen.

Als Grace vor zehn Jahren aus der Demokratischen Republik Kongo nach Uganda kam, sprach sie Französisch. Mit 8 Jahren war das Erlernen einer neuen Sprache nur eine von vielen Hürden, die sie überwinden musste, um Zugang zu Bildung zu erhalten. „Ich war in der zweiten Klasse. Die Sprache war sehr seltsam“, erzählt sie. „Ich erinnere mich, wie einsam ich mich fühlte. Fast alle Kinder spielten in ihrer Sprache und ich verstand sie nicht.“

Grace ist eine von hunderttausenden geflüchteten Menschen, die nach Uganda kamen. Dort gibt es mehr als eine halbe Million Flüchtlinge und Asylsuchende. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind mehr als die Hälfte der geflüchteten Menschen unter 18 Jahre alt.

Grace (18) ist mittlerweile eine der besten Schülerinnen und will Anwältin für Einwanderungsrecht werden.

Grace (18) ist mittlerweile eine der besten Schülerinnen und will Anwältin für Einwanderungsrecht werden.

Neben der Umsiedlung in eine neue Gemeinschaft benötigen sie dringend Zugang zu Bildungseinrichtungen. Es gibt Schulen in der Näher von allen Flüchtlingssiedlungen. Dort dürfen sich Geflüchtete auch einschreiben. Das ist eine von Ugandas fortschrittlichen asylpolitischen Maßnahmen, die es schon lange gibt. Die Flüchtlinge dürfen sich frei bewegen, die Schule besuchen und ganz regulär an den nationalen Prüfungen teilnehmen.

Grace, das zweite von drei Kindern, bekommt ein leistungsabhängiges Stipendium der Windle Stiftung Uganda für die Sekundar- und Berufsschule in Bujubuli, die außerhalb des Kyaka II Flüchtlingslagers im westlichen Kyegegwa Distrikt liegt. Dort wird hauptsächlich Rutooro gesprochen. Die Bujubuli Schule hat sich mit der Unterstützung der Regierung und internationaler sowie lokaler Nichtregierungsorganisationen auf die Bildung von geflüchteten Menschen spezialisiert, obwohl auch einheimische Kinder aus der Umgebung hier zur Schule gehen.

Das Bildungssystem Ugandas ist dem der Herkunftsländer der Flüchtlinge sehr ähnlich, erzählt der Schuldirektor Esau Ddungu. Die Schwierigkeiten liegen demnach vielmehr bei der Sprachbarriere. Geflüchtete Schüler und Schülerinnen, besonders aus dem französischen Sprachraum, werden meistens einige Klassen zurückgestuft (z.B. von Klasse 9 in Klasse 7), um die sprachliche Umstellungsphase zu erleichtern. Der Schuldirektor Ddungu stellt Flüchtlinge auch als Lehrpersonal ein. „Es ist sehr schwierig von deinem Zuhause in ein kleines Haus in einer Flüchtlingssiedlung zu ziehen”, sagt er. „Ich habe an meiner Schule einen Französischlehrer aus Ruanda. Er war in seiner Heimat ein reicher Mann. Ein anderer ehemaliger Französischlehrer war früher ein Richter in der Demokratischen Republik Kongo. Du kannst dir vorstellen, wie das für diese Menschen sein muss. Deshalb müssen wir auch die Lehrer unterstützen.“

Schuldirektor Ddungu in seinem Büro in der Bjubuli Schule.

Schuldirektor Ddungu in seinem Büro in der Bjubuli Schule.

Die Bujubuli Schule wurde 2004 von dem UNHCR gebaut und an die Gemeinde übergeben. Sie ist eine private Einrichtung, die versucht die Schulkosten möglichst gering zu halten. Die Schulgebühren belaufen sich auf 25 US-Dollar für Schüler und Schülerinnen, die Zuhause wohnen. Wohnen die Schülerinnen und Schüler in dem Schulinternat bezahlen sie 62 US-Dollar. Im zweiten Jahr der Sekundarschule bekommen alle geflüchteten Schülerinnen und Schüler ein Teilstipendium von dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF). „Das gesponserte Grundstück hilft auch sehr”, meint Schuldirektor Ddungu. „Das Büro des Premierministers stellt ein wenig Land zur Bewirtschaftung zur Verfügung. So können die meisten Schüler und Schülerinnen ihre Schulgebühren bezahlen.“ An den Wochenenden und in den Ferien bepflanzt Grace ein kleines Stück Land, das ihr von dem Büro des Premierministers gestellt wird. Die Ernte verkauft sie dann auf den lokalen Märkten und kann somit ihre Familie unterstützen und die Schulgebühren ihrer Geschwister finanzieren. Darüber hinaus bietet sie Übersetzungsarbeiten für das UNHCR Büro in ihrer Flüchtlingssiedlung an.

„Mein Vater kann nicht arbeiten”, erzählt sie. „Er ist wegen einer Verletzung an der Schulter arbeitsunfähig“. Auf Nachfrage ergänzt sie leise: „Die Verletzung ist eine Folge des Krieges.“

Grace geht mittlerweile in die 12. Klasse und ist sehr ambitioniert und klug. Sie hat die Sprachbarriere überwunden und ist sehr erfolgreich in der Schule. „Nach einem Jahr hatte ich bereits Freunde und konnte die Sprache sprechen”, sagt sie. „Ich kann mittlerweile Rutooro, Luganda und Runyankore sprechen.“ Nächstes Jahr wird sie an den nationalen Zugangsprüfungen für die Universität teilnehmen. Grace möchte gerne Rechtsanwältin werden und sich auf Einwanderung spezialisieren. Sie kennt natürlich die vielen Schwierigkeiten, denen sich geflüchtete Menschen stellen müssen. Besorgt ist sie wegen der steigenden Flüchtlingszahlen in der Siedlung. Schulbildung ist von entscheidender Bedeutung. Grace befürchtet, dass es nicht genügend Stipendien geben wird. „Schülerinnen und Schüler der achten Klasse bekommen keine Stipendien“, erzählt sie. „Sie haben aber auch kein Geld.“

Artikel und Bilder von Rebecca Rwakabukoza

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