Wie ein Fußballverein in Kenia das Leben von Mädchen verändert
Bildung

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von Megan Iacobini de Fazio

„Den Spaß am Fußball zu entdecken war das Beste, das mir je passiert ist” sagt Claris Akinyi, während sie hinter ihrem aufgeräumten Schreibtisch im Rektorat der Kibera Girls Soccer Academy (KGSA) sitzt. Im Alter von 11 Jahren verbrachte Claris ihre Zeit damit, ihre kranke Mutter zu pflegen und den Mais-Stand ihrer Familie am Laufen zu halten. Ihr Leben veränderte sich schlagartig, als sie ins Fußball-Team der Kibera Soccer Academy eintrat. „Damals verbrachte ich die meiste Zeit zuhause, aber durch das Team wurde es mir plötzlich möglich Menschen zu treffen und viel Zeit draußen zu verbringen,” sagt sie. „Sie zeigten uns im Training auch Aufklärungsfilme, so dass wir uns mit frühen Schwangerschaften und geschlechterspezifischer Gewalt auseinandersetzen konnten – sowas kommt hier öfter vor. Fußball half mir dabei, mich auf das wesentliche zu konzentrieren.”

Schülerinnen der KGSA spielen Fußball

Gegründet wurde die Akademie 2002 von Abdul Kassim und liegt seitdem im Herzen von Kibera, einem der größten Slums von Kenia. Ursprünglich war die Akademie eine reine Fußballschule, heute gehört sie zu den erfolgreichsten gebührenfreien Sekundarschulen.  Abdul wurde selbst in Kibera geboren und von seiner alleinerziehenden Mutter großgezogen. Die Schule gründete er ursprünglich, um auf die Geschlechterunterschiede aufmerksam zu machen, die er seit jeher beobachten musste. „Nach der Grundschule hatten die Mädchen bei uns nichts mehr zu tun,” sagt er. „Meist wurden sie viel zu jung verheiratet und anschließend schwanger. Um sie zu beschäftigen und gleichzeitig die Menschen von Kibera auf die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen aufmerksam zu machen, benutzte ich Fußball als Mittel zum Zweck.”

Leider wurde die Zahl der Mädchen im Club immer kleiner, sobald sie mit der Grundschule fertig wurden. „Ich fuhr zu ihnen nach Hause, um den Grund zu erfahren,” sagt Abdul. „Die meisten konnten sich die den Besuch einer weiterführenden Schule schlicht nicht leisten, andere liefen wegen familiärer Probleme von Zuhause weg oder wurden gleich verheiratet.” Davon angespornt und gleichzeitig von vielen Mädchen aus dem Fußballclub dazu ermutigt, verwandelte Abdul die Schule von einer reinen Fußballakademie in eine gebührenfreie, weiterführende Mädchenschule. Dadurch bekamen die Mädchen eine faire Chance auf eine Ausbildung und die Möglichkeit ihr volles Potential zu entfalten.

„Als es dann losging, sind sogar viele Mädchen wieder an die Schulpulte zurückgekehrt, die früher einmal im Team gekickt haben – und viele waren schon über 20!” erzählt Claris, die als Lehrerin ebenfalls an die Akademie zurückkehrte. Rektorin Claris in ihrem Büro

„Mir war klar, dass ich der Gemeinschaft etwas zurückgeben wollte und so wurde ich ehrenamtliche Lehrerin”, erzählt Claris. „Es war ein schönes Gefühl, nun auch einige meiner ehemaligen Mitspielerinnen zu unterrichten.” Nach drei Jahren als Ehrenamtlerin an der Schule, ermöglichte die KGSA Claris ein erziehungswissenschaftliches Studium an der Universität. Als Schulleiterin ist Claris nun immer noch verantwortlich für die Mädchen in ihrer Gemeinschaft. Auch konnte sie mittlerweile ein Grundstück kaufen, um ihrer Mutter dort ein Haus zu bauen. „Für mich ist es sehr wichtig, meiner Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Deshalb bin ich immer noch hier.“sagt sie.

Durch die Entschlossenheit und den Willen von Claris und anderen engagierten Menschen wächst die Akademie und konnte durch ihre kreativen und innovativen Bemühungen im Bildungsbereich bereits internationale Bekanntheit erlangen. „Wir möchten Mädchen das Rüstzeug an die Hand geben, um ihren Interessen nachzugehen und Fähigkeiten für ihr späteres Leben zu erlernen”, sagt Abdul während er über die verschiedenen Kurse und Zusatzangebote wie Journalismus-, Wirtschafts- und Informatikkurse an seiner Schule erzählt. Fußball und andere sportliche Aktivitäten gehören nach wie vor zu den Kernthemen der KGSA.

Die 18-jährige Khadija Ishikara ist nicht nur Mitglied bei verschiedenen KGSA Clubs, sondern spielt auch in dem Fußballteam, das im letzten Jahr die Meisterschaft ihrer Liga gewonnen hat.

Die Schülerin Khadija hält stolz ihren Pokal„Fußball ist man liebstes Hobby, weil es mich fit und in Bewegung hält”, sagt sie. Khadijas Mutter findet es immer noch seltsam, dass Mädchen Fußball spielen, aber sie unterstützt ihre Tochter. Für Khadija ist es schwer vorstellbar, Fußball in naher Zukunft aufzugeben: „Und sowieso“, sagt sie mit einem Schmunzeln, „Alles was Jungs können, können Mädchen sowieso besser.“

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