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Letzte Woche fand in Stockholm mit dem EAT Forum eine der weltweit wichtigsten Konferenzen statt, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, -konsum und den natürlichen Grenzen unseres Planeten beschäftigt. Ertharin Cousin, ehemalige Chefin des World Food Programme, war auch dort und hatte zuvor aufgeschrieben, warum ihr zu diesem Thema Bäuerinnen einfallen.

Stockholm ist momentan für alle der richtige Ort, die daran interessiert sind, eine der größten Herausforderungen unserer Zeit zu lösen: Wie können wir unser Ernährungssystem so verändern, dass es sowohl die menschliche Gesundheit als auch unsere Umwelt schützt?

Diese Woche treffen sich Tausende von Führungskräften und Innovatoren zum jährlichen EAT Food Forum. Mit so unterschiedlichen Ideen wie Laborfleisch, klimaschonender Landwirtschaft und innovativer Finanzierung werden die Teilnehmer*innen der Frage nachgehen, wie wir unser Ernährungssystem so verändern können, dass beide Ziele erreicht werden.

Diese Diskussionen sind dringend erforderlich. Angesichts der zunehmenden Herausforderung von Übergewicht und Adipositas in den Industrieländern sowie der anhaltenden Problematik der Unterernährung in den Entwicklungsländern zeigen die Daten deutlich, dass Fehlernährung ein globales Problem ist. Der jüngste Bericht der EAT-Lancet Kommission über gesunde Ernährung aus nachhaltigen Ernährungssystemen zeigt Visionen einer gesunden Ernährung, die unseren Planeten schützt. Für viele von uns in Europa und Amerika ist es derselbe Rat, den wir schon zuvor schon oft gehört haben: mehr Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse; und weniger rotes Fleisch, Zucker und raffiniertes Getreide. Es ist doch faszinierend, dass eine auf die menschliche Gesundheit ausgerichtete Ernährung auch für den Planeten das Richtige ist.

Frauen Landwirtschaft

Frauen spielen in der Landwirtschaft von Ländern des globalen Südens eine wichtige Rolle (Quelle: Annie Spratt auf Unsplash)

Wenn wir die Herausforderung von Fehlernährung bewältigen wollen, erfordert das die Entwicklung eines nachhaltigen und zugänglichen Ernährungssystems auch außerhalb Europas und Nordamerikas. Es ist nur noch etwas mehr als einem Jahrzehnt, bis die Sustainable Development Goals (SDGs) erreicht sein müssen. Aber trotzdem verliert die internationale Gemeinschaft bei SDG2 (Zero Hunger) weiter an Boden.

Wenn die SDGs schaffen wollen, brauchen wir mutige und vor allem sofortige Maßnahmen. Aber was bedeutet das? Wir brauchen innovative Lösungen, die Ernährungssicherheit und Nährstoffversorgung auf umweltverträgliche Weise für die Gemeinschaften gewährleisten, die sie am meisten brauchen.

Die Privatwirtschaft kann ein wichtiger Partner bei der Entwicklung und Skalierung dieser Lösungen sein. Neue Ansätze bringen bereits bedeutende Veränderungen mit sich – digitale Instrumente, die die Finanzierung der Landwirte und die Anbindung an die Märkte sicherstellen; landwirtschaftliche Betriebsmittel, die die Produktivität steigern; Lebensmittel, die den Nährstoffgehalt verbessern und Technologien für eine verbesserte Lagerung und Nachverfolgbarkeit der Lieferkette. Leider fehlen die meisten dieser innovativen Lösungen in den am stärksten von Unterernährung und Armut betroffenen Gemeinschaften.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind die Lösung

Um die Innovationskraft des privaten Sektors zu nutzen, dürfen wir einen der größten Akteure im Ernährungssystem nicht übersehen: Die Landwirt*innen. Kleinbäuer*innen produzieren über 80% der Lebensmittel in Subsahara-Afrika und Asien; in vielen Gebieten sind es ganz überwiegend die Frauen. Sie sind die Innovatorinnen und Unternehmerinnen, die zusätzliche Unterstützung benötigen.

Zum Beispiel hart arbeitende Bäuerinnen wie Amina in Abuja, Nigeria. Sie verkauft ihre Tomaten auf dem lokalen Markt, um ihre Familie zu ernähren. Ohne Zugang zu Kühlhäusern muss sie aber alles, was sie nicht an einem Tag verkauft, wegwerfen. Eine lokale Unternehmerin, Olayemi, erkannte dieses Problem und sah dies als Chance. Sie entwickelte einen kleinen Kühlraum, der erneuerbare Energien und digitale Technologien nutzt. Aber Olayemi hat Mühe Investor*innen zu finden, um das zu finanzieren. Investor*innen agieren bei risikoreichen Märkten und ungetesteten Unternehmer*innen sehr zurückhaltend. Das Problem von Olayemi haben auch etablierte Unternehmen im Lebensmittel- und Agrarsektor, insbesondere in aufstrebenden Märkten, in denen es keine angemessene Finanzierung zur Unterstützung der Entwicklung von Lösungen mit hoher Wirkung gibt. Und so verderben Aminas Tomaten in der heißen Sonne weiter.

Frauen Landwirtschaft

Die gezielte Förderung von Frauen in der Armutsbekämpfung entgegnet nicht nur strukturellen Ungleichheiten, sondern ist auch ein besonders effizientes Instrument für Entwicklung (Quelle:BBH Singapore auf Unsplash)

Die gute Nachricht: Es entsteht eine wachsende Zahl innovativer Finanzierungsmechanismen, um diesem Bedarf gerecht zu werden. In den letzten zehn Jahren hat das Global Agriculture and Food Security Program (GAFSP) erfolgreich marktorientierte Initiativen entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette finanziert.

In Bangladesch beispielsweise ging Renu Bala von Haus zu Haus und gründete eine Genossenschaft für Frauen, die Milch produzieren. GAFSP und ihre Partner*innen arbeiteten direkt mit der Genossenschaft zusammen, um Wissen und Fähigkeiten aufzubauen, die den Frauen halfen, Kredite zu niedrigen Zinssätzen zu erhalten. Das führte zu erheblichen Verbesserungen bei Ertrag und Lebensmittelsicherheit. Die Genossenschaft begann, höherwertige Milch zu produzieren und diese zu besseren Preisen an lokale Geschäfte und Verarbeitungsunternehmen zu verkaufen, was letztlich zu höherem Einkommen und zu positiven sozialen Veränderungen führte.

Alle Beteiligten müssen zusammenarbeiten

Um einen universellen Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln zu verwirklichen, müssen wir das Investitionsvolumen erhöhen. Das bedeutet auch, dass man in Armut mehr sehen muss als ein staatliches Problem oder eine philanthropische Aufgabe – sie kann auch ökonomisch überwunden werden. Was wir brauchen, ist ein Gefühl der Dringlichkeit.

Wenn wir das Ernährungssystem verändern wollen, müssen wir Finanzierungslösungen mit einer wirksamen Politik und Investitionen, kontinuierlicher wissenschaftlicher Innovation und Forschung sowie einem starken lokal basierten Handeln kombinieren. Es bedarf der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten: Regierung, Privatsektor, internationale Organisationen und Geber*innen, Forschung und Wissenschaft, Landwirt*innen und Verbraucher*innenverbände, um Maßnahmen in großem Maßstab umzusetzen.

Frauen Landwirtschaft

Dieses Bild ist in einer Tee-Plantage in Talawakelle, Sri Lanka entstanden (Quelle: Asantha Abeysooriya auf Unsplash)

Ich glaube, dass Innovator*innen wie Amina und Renu Bala der Schlüssel dazu sind, dass jeder Mensch genügend nährstoffreiche Lebensmittel erhält. Auf dem EAT-Forum in dieser Woche, auf dem sich viele der Beteiligten treffen, müssen wir über die theoretischen Diskussionen über die Transformation des Ernährungssystems hinausgehen und uns darauf konzentrieren, wie wir es durch Investitionen, Politik und Partner*innenschaft in sehr praktischer Hinsicht verbessern können.

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