Landwirtschaftliche Aussichten unbeständig

Jedes Jahr veröffentlichen die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (UN Food and Agriculture Organization, FAO) und die OECD gemeinsam ihren Agrarausblick (PDF). Dieser Bericht gibt einen Ausblick auf die Entwicklung von Ernährung und Landwirtschaft in den kommenden zehn Jahren.

In diesem Jahr konzentrierte sich der Bericht auf Bio-Kraftstoffe, Getreide, Ölsamen, Zucker, Fleisch- und Milchprodukte in den Jahren 2010 bis 2019. Das klingt köstlich, oder?

Naja, für die meisten Menschen wird es nicht ganz so köstlich. Derzeit hungern mehr Menschen als je zuvor – 1,02 Milliarden um genau zu sein. Das ist einer von sechs Erdenbewohnern. Diese Menschen, die jeden Tag gegen extreme Armut kämpfen, geben auch den Großteil ihrer mageren Einkommen für Nahrung aus. Und viele dieser Menschen sind Bauern, die sogar mehr Nahrungsmittel einkaufen müssen als sie erzeugen, um zu überleben.

Wenn also die Nahrungsmittelpreise anziehen – so wie 2008 –, fehlt den armen Menschen das Geld, um sich nahrhafte Lebensmittel zu kaufen. Oder sie müssen eine andere Wahl treffen: Etwa ein Kind aus der Schule nehmen, damit es hilft, das Familieneinkommen zu erhöhen, oder Besitztümer wie Hühner und Schweine verkaufen. All das kann in den kommenden Jahrzehnten zu katastrophalen Folgen führen.

Aber bevor wir uns dem langfristigen Bild widmen, schauen wir uns doch an, was der heutige Stand ist. Obwohl die Welt sich gerade von der schlimmsten Rezession seit den 1930ern erholt und die Weltmarktpreise für Lebensmittel gesunken sind, liegen sie noch immer 15 bis 40 % über dem Durchschnitt von 1997 bis 2006.

Es wird außerdem erwartet, dass die Preise in den kommenden zehn Jahren hoch bleiben und starken Schwankungen unterliegen werden. Das bedeutet, auch wenn die Welt den Berechnungen zufolge genügend Nahrung wird produzieren können, um die steigende Nachfrage zu befriedigen – dazu gehört auch die Verwendung von Getreide als Bio-Kraftstoff und die steigende Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten (die in der Herstellung jede Menge Getreide verbrauchen) –, werden sich die Menschen die Nahrung nicht leisten können, solange ihr Einkommen nicht steigt. Arme Menschen werden also weiterhin ernährungsgefährdet bleiben.

Und dabei sind nicht einmal die Störungen auf den Finanzmärkten einbezogen – durch eine Naturkatastrophe oder andere Systemschocks, die dazu führen, dass die Preise wieder in die Höhe schießen und mehr Menschen in die Armut gedrängt werden.

Doch es ist noch nicht alles verloren. Der Agrarausblick bringt ein paar gute und ein paar schlechte Nachrichten. Eine gute Nachricht ist, dass der Großteil des Wachstums in der Landwirtschaft in den nächsten zehn Jahren durch die Produktion, den Verbrauch und den Handel in Entwicklungs- und Schwellenländern entstehen wird, dabei insbesondere in Brasilien, Indien und China.

Für Menschen in den Schwellenländern, die die Mittel haben, an diesen Möglichkeiten des Marktes teilzuhaben, sind das sogar großartige Neuigkeiten. Aber was ist mit den Menschen, die diese Mittel nicht zur Verfügung haben? Oder mit den Menschen im südlichen Afrika, der Region, bei der die Berechnungen sagen, dass sie nicht in der Lage sein wird, den eigenen Bedarf zu stillen? Oder was, wenn deine Heimat vom Klimawandel betroffen ist und immer häufiger mit Dürreperioden, Überflutungen und unregelmäßigen Regenfällen zu kämpfen hat? Dann sieht die Zukunft nicht ganz so rosig aus.

Mit Blick auf die Zukunft, unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit, in Landwirtschaft zu investieren, damit die Menschen in Entwicklungsländern die Möglichkeiten bekommen, nachhaltig mehr Nahrung anzubauen. Das gilt insbesondere für Afrika südlich der Sahara. Überall die Widerstandsfähigkeit der Bauern gegen sprunghafte Märkte zu stärken und ihnen Zugang zu den finanziellen Werkzeugen (Banken, Versicherungen) zu verschaffen, die ihnen helfen, die Risiken abzufedern sind weitere Optionen. Insbesondere was die Stabilisierung der Märkte angeht, gibt es den Vorschlag des renommierten deutschen Agrarökonomen Joachim von Braun für eine „Internationale Getreidebank“.

Zu den anderen Empfehlungen gehören die Entwicklung intelligenter Nahrungsmittelnotfallreserven und intelligenter Reaktionsmöglichkeiten bei Notfällen. Für die Industriestaaten gehört dazu auch der Abbau handelsverzerrender Agrarsubventionen. Die Zahlen mögen schwer verdaulich sein. Doch die Berechnungen sollten nicht vernachlässigt werden. Sie sagen uns, dass wir durch das Gröbste noch nicht durch sind. Koordinierte und nachhaltige Anstrengungen für ein andauerndes und gerechtes landwirtschaftliches Wachstum sind Grundvoraussetzung, um gegen extreme Armut und Hunger noch zu unseren Lebzeiten etwas auszurichten, wenn nicht gar, um sie bis 2015 zu halbieren.

— Emily Alpert —

PS: Den kompletten Bericht auf Englisch sowie weitere Hintergrundinformationen findet ihr auf der Website zum Agrarausblick, www.agri-outlook.org.

PPS: In dieser Woche widmet sich die ARD mit ihren Fernseh- und Hörfunkanstalten mit der Themenwoche „Essen ist Leben“ dem Thema Nahrung. Schaut oder hört doch mal rein: web.ard.de/themenwoche_2010.

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