Die Kaffeesteuer & die SDGs – Wie eine faire Steuerpolitik zu Globaler Gerechtigkeit beiträgt

Deutschland hat sich dazu verpflichtet, die Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) bis 2030 zu erreichen. Um dies zu schaffen, wird aber bei Weitem noch nicht genug getan. Dabei hat die Bundesregierung mit dem Kaffeesteuergesetz ein passendes Instrument, mit dem sie gleich mehrere der 17 Ziele vorantreiben könnte. Denn in Deutschland wird eine Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilo Röstkaffee erhoben – auch auf fair gehandelten Kaffee. Das macht offensichtlich wenig Sinn. Denn fairer Kaffee wurde – im Gegensatz zu konventionellem – entlang der globalen Lieferketten unter umweltfreundlichen, sozial verantwortungsbewussten Bedingungen und unter Achtung der Menschenrechte hergestellt. Das sollte gefördert und nicht gleichermaßen besteuert werden, wie eine Kaffeeproduktion unter schlechten Bedingungen. Und eins ist klar: Fairness darf kein Luxus sein, Fairness sollte der Standard sein! Noch weniger Sinn macht es, wenn man bedenkt, dass die Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee gleich zur Erreichung mehrerer SDGs beitragen würde. Und: Im Vergleich zum Mehrwert für Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit wären die Einbußen an Steuern verschwindend gering. Aber auf welche SDGs zahlt ein zeitgemäßes Kaffeesteuergesetz eigentlich ein?

SDG 12: Nachhaltige/r Konsum und Produktion

Das offensichtlichste Ziel, auf das die Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee einzahlen könnte, ist das 12. Nachhaltigkeitsziel: Nachhaltiger Konsum und Produktion. Fairer Kaffee ist meist teurer als herkömmlicher – beziehungsweise kostet eben genau das, was ein solches Produkt kosten würde, wenn es ohne Ausbeutung an Mensch und Umwelt hergestellt wurde. Kommt nun jedoch die Kaffeesteuer von 2,19 € pro Kilo Röstkaffee und 4,78 € pro Kilo löslichen Kaffee oben drauf, können sich das viele Endverbraucher*innen in Deutschland nicht mehr leisten. Dabei würden gerne mehr Menschen fairen Kaffee kaufen. So macht fairer Kaffee bisher nur rund 4,5-5 % am deutschen Kaffeemarkt aus. Fiele die Kaffeesteuer auf fairen Kaffee weg und gäben die Unternehmen den Steuerwegfall an Konsument*innen in Deutschland weiter, würde fairer Kaffee erschwinglicher werden. Entsprechend würden mehr Kaffeegenießer*innen zu nachhaltig statt herkömmlich produzierten Packungen greifen. Die Bundesregierung hat also in der Steuerpolitik ein direktes Instrument, Kaufentscheidungen hin zu fairem und nachhaltigem Konsum zu fördern. Davon oder von einer direkten Weitergabe an die Produzent*innen im Globalen Süden profitieren wiederum…

SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

…richtig – Kaffeebäuerinnen und -bauern in Anbauländern. Was uns zum 8. Nachhaltigkeitsziel: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum bringt. Kaffeebäuerinnen und -bauern werden im konventionellen Kaffeeanbau und -handel besonders benachteiligt. Viele leben weit unter der Armutsgrenze von weniger als 2 US-Dollar pro Tag und stehen vor schwierigen Herausforderungen: Schwankende Weltmarktpreise und die Auswirkungen des Klimawandels machen die Kaffeeproduktion für sie unsicher und unrentabel. Viele Kleinbauernfamilien müssen sich andere Einkommensquellen suchen.

Bei fair gehandeltem Kaffee hingegen erhalten die Kaffeebäuerinnen und -bauern einen angemessenen Lohn. Nicht nur das – ihnen werden auch festgelegte Mindestpreise garantiert. Das sichert den Arbeiter*innen auch bei Preisschwankungen ein festes Einkommen. Und: Liegt der jeweilige Marktpreis über dem Mindestpreis, so muss der höhere Marktpreis bezahlt werden. Auch vor klimabedingten Ernteausfällen schützt der Mindestpreis. Außerdem werden die Anbauer*innen dabei unterstützt, sich an den Klimawandel anzupassen, beispielsweise durch alternative Anbaumethoden. So wird nicht nur eine menschenwürdige Arbeit, sondern auch eine produktive Vollbeschäftigung gesichert. Hinzu kommt: Erhalten die Eltern auf den Kaffeeplantagen ein angemessenes Einkommen, wirkt es als Maßnahme gegen Kinderarbeit, eines der Unterziele des 8. SDGs.

Zu einem “dauerhaften, breitenwirksamen und nachhaltigen Wirtschaftswachstum”, wie es weiter im SDG 8 heißt, würde auch beigetragen werden, wenn mehr Geld an Kaffeebäuerinnen und -bauern geht, statt das nur Kaffeeunternehmen – die sich oft nicht in den Anbauländern befinden – Profit machen. Denn wie ungerecht die Wertschöpfung in globalen Kaffeelieferketten verteilt ist, zeigen diese Zahlen deutlich: In den letzten 20 Jahren ist der Umsatz für Kaffeeunternehmen um 140 Prozent gestiegen, während die Einnahmen von den Landwirt*innen um 10 Prozent gesunken sind. Das Problem ist, dass Kleinbauernfamilien lokalen Händlern oft schutzlos ausgeliefert sind und keinen Zugang zu Markt- und Preisinformationen haben. Im Fairen Handel schließen sich die Kleinbäuerinnen und -bauern zu Kooperativen zusammen und verbessern so ihre Verhandlungsposition. Wer gut aufgepasst hat, hat bemerkt: Das Wort „Klima“ ist oft gefallen – das lässt schon erahnen, auf welches SDG die Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelten Kaffee noch einzahlt…

SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

…richtig – auf das 12. Nachhaltigkeitsziel: Maßnahmen zum Klimaschutz. Wenn in Deutschland mehr fairer Kaffee gekauft wird, profitieren nicht nur die Kaffeebäuerinnen und -bauern, sondern auch die Umwelt. Denn beim Anbau von fairem Kaffee werden Umweltstandards beachtet und nachhaltige Landwirtschaftsmethoden priorisiert. Das begünstigt den Artenschutz, die Bodenqualität und spart Wasser. So wird in der fairen Kaffeeproduktion bei der Ernte und der Weiterverarbeitung der Bohne auf umweltschonende Methoden zurückgegriffen. Ebenso sind verschiedene Pestizide im Anbau untersagt. Expert*innen warnen, wenn wir jetzt nichts unternehmen, könnten die Kaffee-Erträge durch Klimaextreme wie starker Temperaturanstieg und mehr Trockenzeiten, aber auch zunehmende Niederschläge bis 2050 um 20 Prozent senken und weltweit der Kaffeequalität schaden.

Und noch mehr….

Die 17 Ziele bedingen sich gegenseitig – Machen wir bei einem Ziel Fortschritt, rücken auch andere mehr in Reichweite. Mit der Abschaffung der Kaffeesteuer auf fairen Kaffee könnte die deutsche Steuerpolitik noch zu vielen weiteren Zielen beitragen: Wenn mehr Menschen im Globalen Süden einen fairen Lohn erhalten, gibt es weniger Ungleichheiten (SDG 10). Wenn die Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen erhalten, können sie sich aus der Armut (SDG1) und von Hunger (SDG2) befreien. Wenn weniger Kinder arbeiten müssen, gehen mehr Kinder zur Schule (SDG 4). Wie ein kaffeesteuerfreier fairer Kaffee auf das 5. Ziel, die Gleichberechtigung der Geschlechter einwirkt, könnt ihr in diesem Blogartikel nachlesen.

Deshalb fordern wir von der Politik: Bekennt euch nicht nur zu den 17 Zielen, setzt sie auch um! Die Mittel dafür habt ihr, sie sind direkt vor euren Augen!

Forderst du das auch? Dann unterschreib unserer Petition an Olaf Scholz. Wir fordern den noch Finanzminister auf, fairen Kaffee von der Kaffeesteuer zu befreien.

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Fairness darf kein Luxus sein

Fairness darf kein Luxus sein

Sehr geehrter Finanzminister Scholz, fair gehandelter Kaffee verringert die Armut in der Welt und schont die Umwelt. Doch Fairness darf kein Luxus sein. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass fair gehandelter Kaffee von der Kaffeesteuer befreit wird. Wenn sich mehr Menschen fairen Kaffee leisten können, schaffen wir eine gerechtere, ökologische und nachhaltige Zukunft für uns alle.

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