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Dasselbe Ziel – unterschiedliche Wege dorthin. Das ist nicht unüblich in der Politik. Politische Debatten tragen deshalb immer neue Lösungen zu schwierigen Herausforderungen bei. So auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Diskussionen um größtmögliche Effektivität bis hin zu Zweifeln an Sinn und Zweck sind so alt wie die Entwicklungspolitik selbst.

Einigen Wirbel in der entwicklungspolitischen „Szene“ verursachen derzeit zwei untereinander ganz unterschiedliche Kritiker.

Eine Gruppe um den Gründer der NGO „Grünhelme“ Rupert Neudeck und den Rechtsanwalt Winfried Pinger gründete den „Bonner Aufruf“ . Sie verlangt eine Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit „wo immer möglich, weg von staatlichen Partnern und hin zu gesellschaftlichen Gruppen, die sich selbst organisieren und verwalten.“ Grund für ihren Appell zu einem radikalen Umdenken sind die aus ihrer Sicht nicht hinreichenden Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit. Ihre Ergebnisse seien „weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Nachdem die Gruppe mit ihrem Aufruf unter entwicklungspolitischen Experten im September 2008 auf breite Kritik stieß überarbeitete sie ihren Text im März zum „Bonner Aufruf plus“. Auch dieser Text erntete kaum Zuspruch.

Die sambische Ökonomin und Investmentbankerin Dambisa Moyo geht in ihrem Buch „Dead Aid“ noch weiter: Während Pinger und Neudeck noch für eine andere Ausrichtung der Entwicklungspolitik streiten, fordert Moyo sogar ein komplettes Ende aller entwicklungspolitischen Aktivitäten innerhalbe von fünf Jahren. Lediglich Not- und Katastrophenhilfe sollte weiter gewährt werden. Mit dieser provokanten Forderung hat die mediengewandte Bankerin insbesondere in den USA eine lebhafte Debatte ausgelöst.

Aus ONEs Sicht sind beide Vorstöße nicht überzeugend. Beiden ist gemeinsam, dass sie die Zeit des Kalten Krieges und die anschließende Zeit der Neuausrichtung der Entwicklungspolitik nicht differenzieren, wenn sie behaupten, in den „letzten 50 Jahren“ habe es zu wenig Erfolge gegeben. Unabhängig von der Tatsache, dass es insbesondere in den letzten zehn Jahren deutlich positive Entwicklungen zu beobachten gab, ist Entwicklungszusammenarbeit immer nur ein Anstoß und für sich allein genommen niemals der Grund – weder für positive Entwicklungen noch für deren Scheitern. So macht Eckhard Deutscher, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris deutlich: „Entwicklungspolitik allein kann weder die Welt verändern noch die Armut in Afrika abschaffen“. Und auch Ulrich Post von der Welthungerhilfe (DWH) in Bonn relativiert: „Entwicklungspolitik wird regelmäßig für Sachen verantwortlich gemacht, für die sie gar nichts kann“, so seine Beobachtung, „mit unseren bescheidenen Mitteln können wir gar nicht so viel ausrichten.“

Natürlich braucht Entwicklungszusammenarbeit eine kontinuierlich, kritische Auseinandersetzung mit ihren Methoden und Instrumenten. Aber die vom Bonner Aufruf bzw. Dambisa Moyo jeweils geäußerten Gegenentwürfe vermögen kaum zu überzeugen und scheinen hier nicht die entscheidenden Hinweise zu geben. Pinger und Neudeck wollen Entwicklungspolitik künftig „wo immer möglich“ abseits der jeweiligen Staaten betreiben. Dies würde aber die staatlichen Strukturen, die in den meisten afrikanischen Staaten ohnehin noch eines Ausbaus bedürfen, sogar untergraben. „Der Ansatz des Aufrufs, der Staat ist korrupt, also übernehmen die NROs die Arbeit, ist unsinnig“, meint auch Wilfred Steen vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED). „Wir können und wollen nicht die Schulversorgung in Afrika übernehmen“, so Steen.

Moyos zentrale These, die afrikanischen Staaten könnten sich zum selbstständigen Ausbau ihrer Staaten auch der privaten Kapitalmärkte bedienen, erscheint angesichts der globalen Finanzmarktkrise ebenfalls nicht überzeugend. Für Moyo, die selbst nicht in Afrika lebt, wird häufig ins Feld geführt, sie sei Afrikanerin. Doch auch viele afrikanische Stimmen widersprechen ihr. So schreibt Alex Coutinho, Leiter des Infectious Disease Institutes in Ghana: „Eine Umsetzung des unverantwortlichen Vorschlags von Frau Moyo, die Entwicklungshilfe durch die Industrieländer in 5 Jahren einzustellen, käme einem Völkermord gleich. Moyo sollte nach Afrika kommen und sich vor Ort davon überzeugen, was sich mit intelligenter Entwicklungshilfe erreichen lässt.“

Dennoch wird die Diskussion um diese medienwirksamen Thesen sicher auch in Zukunft noch andauern.

Wer Lust hat, mehr zu lesen: Die unten verlinkten Dokumente setzen sich noch ausführlicher mit den Argumenten der genannten Kritiker auseinander.

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