HIV/Aids

Halimas Traum einer HIV-freien Generation

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Diese Geschichte stammt ursprünglich von Halima Abdullahi* für die Thomson Reuters Foundation.

“Hast du gesagt, du warst schon einmal verheiratet?”
“Bist du eine Witwe?”
“Und du bist erst achtzehn Jahre alt?”

Der Arzt stellte all diese Fragen in einem Atemzug, aber ich konnte sie nicht beantworten. Ich zitterte. Gott, lass nicht wahr sein, was ich denke. Mit Arbeitgeberbrief und Aufregung bin ich in die Arztpraxis gegangen. HIV und andere medizinische Tests sind Routine bei der Überprüfung des beruflichen Hintergrundes in Nigeria. Mein Traum war, genug Geld für ein Studium zu sparen. Ich war ihm einen Schritt nähergekommen.

Eine gute medizinische Versorgung bleibt die Grundlage in der Bekämpfung von Aids

Die Diagnose

“Du bist HIV-positiv, aber es ist okay!” sagte der Arzt nach einer langen Pause. In diesem Moment spürte ich mein Leben zusammenbrechen. Nein, es ist nicht okay, Doktor! Der Schmerz drang in mein Herz und meine Beine wurden steif. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich verfluchte die Familie und Kultur, in die ich geboren wurde.

Als ich heiratete, war ich 15 Jahre alt. Ungewöhnlich ist das im Nordosten Nigerias, aus dem ich komme, nicht. An meine Hochzeitsrituale kann ich mich kaum erinnern, außer dem Gefühl unglücklich zu sein. Vor meinem Hochzeitstag flehte ich meinen Vater viele Male an, mich die Ausbildung abschließen zu lassen. Ich sagte ihm, dass ich mit einem Schulabschluss eines Tages sein Leben verbessern könnte, aber er weigerte sich. Ich wurde gezwungen, einen Mann zu heiraten, dessen Tochter älter war als ich.

“Du bist HIV-positiv, aber es ist okay!” sagte der Arzt nach einer langen Pause.

Nach der Hochzeit verlief das Leben sehr schnell. Innerhalb eines Jahres wurde ich schwanger und mein Mann sehr krank. Ich habe meine Zwillinge verloren und mein Mann starb. Viele Erinnerungen an diesen traumatischen Abschnitt meines Lebens sind verschwunden, aber die vom Verlust meiner Zwillinge bleibt lebendig. Erst später erfuhr ich, dass es in der Gemeinschaft, aus der ich komme, einen Mythos gibt, dass Männer mit HIV/Aids geheilt werden können, wenn sie Sex mit Jungfrauen haben.

Der Neuanfang

Mädchen in Afghanistan während des Schulunterrichts (Photo: Jawad Jalali/ World Bank)

Der Besuch einer  Schule ermöglichte Halima ein eigenes Einkommen (Photo: Jawad Jalali/ World Bank)

Unmittelbar nach der Beerdigung meines Mannes lief ich mit dem bisschen Geld, das mir während der Begräbnisgrüße geschenkt wurde, von zu Hause weg. Ich hatte Angst, davor, wieder verheiratet zu werden. In einem Nachbarstaat fand ich Arbeit im Verkauf von Lebensmittel und im Abwasch. Anstelle eines Gehalts bat ich um Zugang zu einer Schule, um die Sekundarschule abzuschließen.

Ich träume von einer Generation frei von HIV und dem Ende der Kinderehe.

An dem Tag in der Arztpraxis hatte ich das Gefühl, all mein ist Leiden war umsonst. Die erste HIV Diagnose ist zehn Jahre her. Viele Male war ich deprimiert, aber meine Flucht war die Bildung. Mittlerweile habe ich einen Abschluss, arbeite in einer Denkfabrik und ernähre meine Familie.

Der Traum

Heute werden sich 900 junge Frauen in Afrika mit HIV infizieren und über zweitausend Menschen werden daran sterben. Ich träume von einer Generation frei von HIV und dem Ende der Kinderehe. Von meinem Status erzähle ich niemandem, denn man wird in Nigeria schnell verurteilt und stigmatisiert. Mein Traum aber bleibt es, eines Tages der Welt meine Geschichte zu erzählen. Vielleicht inspiriere ich ja jemanden.

*Der Name wurde aus Datenschutzgründen geändert.

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