Erstmals tritt eine Flüchtlingsmannschaft dieses Jahr bei den Olympischen Spielen an

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Heute stellen wir euch fünf der zehn Geflüchteten vor, die in der Flüchtlingsmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro antreten. Dies ist ein Auszug aus einem Post, der ursprünglich am 3. Juni vom UNHCR auf deren Website veröffentlicht wurde.

Seit die Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 eingeführt wurden, haben über 200 Nationalmannschaften in den Sommer- und Winterspielen um Ehre und Ruhm gekämpft. Nun wird zum ersten Mal ein Athletenteam von Flüchtlingen antreten.

Das Internationale Olympische Komitee hat Anfang Juni die 10 ausgewählten Flüchtlinge bekannt gegeben, die im August in Rio de Janeiro die erste Olympische Flüchtlingsmannschaft (Refugee Olympic Athletes/ROA) stellen. Das Team besteht aus zwei syrischen Schwimmern, zwei Judoka aus der Demokratischen Republik Kongo, einem Marathonläufer aus Äthiopien sowie fünf Mittelstreckenläufern aus der Republik Südsudan.

„Ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen ist ein Tribut an die Tapferkeit und Ausdauer, welche die Flüchtlinge brauchen um  all die Widrigkeiten zu überwinden und eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien aufzubauen“, sagte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen Filippo Grandi. „Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) steht an der Seite der Athleten und aller Flüchtlinge.“

Die Initiative entsteht zu einer Zeit in der so viele Menschen wie nie zuvor – etwa 59.5 Millionen (Stand 2014) – durch Konflikte und Verfolgung aus ihrem Zuhause vertrieben werden. Das Athletenteam, das die Flüchtlinge weltweit repräsentiert, will in Rio Ausdauer präsentieren und der Welt zeigen, dass ihre Talente unter ihrem Schicksal nicht gelitten haben.

Rami Anis (25), Syrien, 100-Meter Schmetterling
Rami Anis begann sein Schwimmtraining mit 14 Jahren in Aleppo. Seinem Onkel Majad, der ebenfalls Wettkampf-Schwimmer in Syrien war, verdankt er die Leidenschaft für Wettkämpfe im Wasser. „Schwimmen ist mein Leben“, sagt Rami. „Das Schwimmbecken ist mein Zuhause.“

Als es in Aleppo vermehrt zu Bombardierungen und Entführungen kommt, schickt seine Familie Rami per Flugzeug nach Istanbul zu seinem älteren Bruder, der dort Türkisch studiert. „In meiner Tasche waren zwei Jacken, zwei T-Shirts, zwei Hosen – es war eine kleine Tasche“, erinnert sich Rami. „Ich dachte ich würde nur ein paar Monate in der Türkei bleiben und dann nach Hause zurückkehren.“

Als dann Monate zu Jahren wurden, nutze Rami die Zeit und verbesserte seine Schwimmtechniken im angesehenen Galatasaray Sportclub. Doch ohne die Türkische Staatsbürgerschaft konnte er an keinen Wettkämpfen teilnehmen. „Es ist als würde ich immer lernen, lernen, lernen und dann die Prüfungen nicht mitschreiben dürfen.“

Entschlossen sich zu beweisen, fuhr Rami mit einem Schlauchboot zur griechischen Insel Samos. Schließlich gelang es ihm, die belgische Stadt Gent zu erreichen. Dort trainiert er neun Mal die Woche mit der ehemaligen Olympia-Schwimmerin Carine Verbauwen.

„Mit all der Energie, die ich besitze, kann ich bestimmt die besten Ergebnisse erzielen“, sagt er. „Es wird unbeschreiblich schön sein, ein Teil der Olympischen Spiele zu sein.“

Yolande Mabika (28), Demokratische Republik Kongo, Mittelgewicht
Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben Yolande Mabika schon als kleines Mädchen von ihren Eltern getrennt. Sie erinnert sich nur noch daran, dass sie alleine weglief und von einem Helikopter in die Hauptstadt Kinshasa gebracht wurde. Dort, in einem Wohnheim für heimatlose Kinder, entdeckte sie Judo als Sport für sich.

Yolande nahm fortan an mehreren großen Wettkämpfen teil. „Judo hat mir nie Geld eingebracht, aber es hat mir ein starkes Herz verliehen“, erzählt sie. „Ich wurde von meiner Familie getrennt und habe früher viel geweint. Ich habe mit Judo angefangen, um ein besseres Leben führen zu können.“

Im Jahr 2013 nahm sie in Rio an den Weltmeisterschaften in Judo teil. Ihr Trainer beschlagnahmte ihren Pass und beschränkte ihre Mahlzeiten – sein übliches Vorgehen bei Wettkämpfen im Ausland. Yolande hatte genug von den jahrelangen Misshandlungen – sie wurde unter anderem bei verlorenen Wettkämpfen eingesperrt – sie floh aus dem Hotel. Sie lief durch die Straßen Rios auf der Suche nach Hilfe.

Nun hat sie – als Flüchtling in Brasilien – einen Platz im Olympischen Flüchtlingsteam bekommen und trainiert in der Judoschule des brasilianischen Olympiamedaillengewinners Flavio Canto. „Ich werde Teil dieses Teams sein und eine Medaille gewinnen. Ich bin Leistungssportlerin und das ist meine Chance, mein Leben zu ändern“, meint sie. „Ich hoffe, dass meine Geschichte ein Vorbild für alle sein wird. Vielleicht sieht mich ja auch meine Familie und wir können endlich wieder vereint werden.“

Paulo Amotun Lokoro (24), Südsudan, 1,500 Meter
Vor ein paar Jahren war Paulo noch ein junger Viehhirte und bewachte die Tiere seiner Familie in der Region des heutigen Südsudans. Er sagt, dass er „nichts gesehen hatte“ von der Welt außer sein Heimatland, das sich fast sein ganzen Leben lang im Krieg befand. Der anhaltende Konflikt zwang ihn zur Flucht ins Nachbarland Kenia. Dort entwickelte er seinen neuen und großen Ehrgeiz: „Ich möchte Weltmeister werden“, erzählt er.

Während er in einem Flüchtlingslager lebte, überragte Paulo im Sport seine Mitschüler und wurde schließlich in das Flüchtlingsteam aufgenommen. Er trainiert jetzt in der Nähe von Nairobi mit dem bekannten kenianischen Läufer und mehrfachen Weltrekordhalter Tegla Loroupe. „Bevor ich hierher kam, besaß ich nicht einmal Trainingsschuhe“, meint Paulo. „Wir haben trainiert und trainiert bis wir ein gutes Niveau erreichten und sind deshalb jetzt zu richtig guten Athleten geworden.“

Die Anstrengungen haben sich gelohnt: Paulo darf in Rio antreten. „Ich bin so glücklich“, sagt er. „Ich weiß, dass ich im Namen der Flüchtlinge laufe. Ich war einer dieser Flüchtlinge in einem der Lager und nun habe ich einen besonderen Ort erreicht. Ich werde so viele Leute treffen. Meine Landsleute werden mich im Fernsehen und auf  Facebook sehen.“ Seine Absicht ist dennoch einfach: „Wenn ich es gut mache in Rio, werde ich das nutzen, um meiner Familie und meinen Landsleuten zu helfen.“

Yusra Mardini (18), Syrien, 200 Meter Freistil
Als sich das unsolide Boot mit Wasser zu füllen begann, wusste Yusra Mardini, was zu tun war. Zusammen mit zwanzig anderen verzweifelten Passagieren war sie an die türkische Küste abgedriftet. Die Teenagerin aus Damaskus rutschte zusammen mit ihrer Schwester ins Wasser und begann, das Boot in Richtung Griechenland zu stoßen.

„An Bord waren Menschen, die nicht schwimmen konnten” sagt Yusra, die 2012 bei den FINA Schwimmweltmeisterschaften für Syrien antrat. „Es wäre beschämend gewesen, wären die Menschen bei uns an Bord ertrunken. Ich wollte nicht nur da sitzen und darüber klagen, dass ich ertrinken würde.“

Bei der lebensgefährlichen Meeresüberquerung verlor Yusra ihre Schuhe – ein kleiner Preis dafür, dass sie Menschenleben gerettet hat. Nachdem sie auf der griechischen Insel Lesbos angekommen war, reiste sie mit weiteren Asylsuchenden  in den Norden und war dabei immer wieder auf Schlepper angewiesen.

Kurz nachdem sie im September 2015 in Deutschland angekommen war, begann sie mit ihrem Training im Club Wasserfreunde Spandau 04. Dort trainiert sie als Athletin des Olympischen Flüchtlingsteams für den Wettkampf über 200 Meter Freistil der Frauen.

„Ich möchte alle Flüchtlinge weltweit repräsentieren, um zu zeigen, dass nach dem Schmerz und dem Sturm auch wieder ruhigere Tage kommen“, sagt sie. „Ich will die Menschen inspirieren, etwas Gutes in ihrem Leben zu tun.“

Yonas Kinde (36), Äthiopien, Marathon
Auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt Luxemburg: Yonas Kinde gleitet mit Entschlossenheit und Anmut auf der Laufbahn dahin.

„Ich werde stark und immer stärker”, sagt der äthiopische Marathonläufer und ein großes Lächeln breitet sich auf seinem schmalen Gesicht aus. „Normalerweise trainiere ich jeden Tag aber seit ich die Neuigkeiten [über das Flüchtlingsteam] erhalten habe, trainiere ich zweimal am Tag und zwar jeden Tag. Mein Ziel sind die Olympischen Spiele. Das ist eine riesengroße Motivation.“

Yonas, der bereits seit fünf Jahren in Luxemburg lebt, steht fast nie still. Er hat regelmäßig Französischkurse besucht und als Taxifahrer gearbeitet, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, während er gleichzeitig darauf hinarbeitete, ein besserer Läufer zu werden. Letzten Oktober ist Yonas in Deutschland einen Marathon innerhalb von 2 Stunden und 17 Minuten gelaufen, eine beeindruckende Leistung.

Die Erinnerungen an die Flucht von zuhause bleiben für ihn jedoch ein unangenehmes Thema. „Die Situation ist schwierig“, beschreibt er das Leben in Äthiopien. „Es ist für mich unmöglich dort zu leben… Es ist lebensgefährlich.“

Für Yonas ist die Möglichkeit, mit den Weltbesten in Rio de Janeiro zu laufen, weit mehr als einfach ein weiteres Rennen. „Ich denke die bedeutende Mitteilung wird dabei sein, dass Flüchtlinge, junge Athleten, ihr Bestes geben können“ sagt er. „Natürlich haben wir Probleme – wir sind Flüchtlinge – aber wir können in den Flüchtlingsunterkünften alles machen. Das wird den Flüchtlingen helfen.“

[Alex Court contributed reporting from Belgium and Luxembourg, Luiz Godinho and Diogo Felix from Brazil, Josie Le Blond from Germany and Mike Pflanz from Kenya.]

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