„Ebola is Real”

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Jonas Ecke ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Purdue University (USA), der seine anthropologische Forschung zum Thema heimkehrende Flüchtlinge in Liberia wegen der Ebola-Epidemie im August 2014 abbrechen musste. Hier berichtet er über seine Eindrücke.

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Ich bin Anfang August aus Liberia heimgekehrt, was bedeutet, dass ich die Anfänge des Ausbruchs der Epidemie mitbekommen habe. Anfänglich haben sich die Auswirkungen dieser Epidemie langsam in den Alltag der Liberianer eingeschlichen. Auf Grund der tragischen Geschichte von dem von Bürgerkriegen geschüttelten Land und der immer noch vorherrschenden Korruption glaubten viele Liberianer nicht, dass Ebola wirklich existiert. Einer der beliebtesten Aufklärungslieder im Lande ist daher „Ebola is real“. Dieser einprägende Popsong wurde zu einer Art Schlachtruf, der Liberianer zu mehr Vorsicht und dem Einhalten der offiziellen Gesundheitshinweise mahnte.

Die Stimmung schlug kurz bevor ich abreiste abrupt um. Angst breitete sich aus, gesundheitliche Einrichtungen stellten für einige Tage vollkommen ihren Betrieb ein, Beamte wurden nach Hause geschickt und die Straßen der sonst so belebten Hauptstadt Monrovia waren fast wie leer gefegt.

In Liberia gibt es eine Gruppe von Frauen, die sich weiß eingekleidet während der Kriegsjahre versammelt hat, um gemeinsam für Frieden zu beten. Wie in dem Dokumentarfilm „Praying the Devil back to Hell” dargestellt, haben tausende dieser Frauen massiven politischen Druck erzeugt. Dieser Druck trug zum Beilegen der Kämpfe bei. Einer meiner letzten und auch prägendsten Eindrücke war es, als ich auf dem Weg zum Flughafen eine Versammlung dieser Frauen beobachtete. Elf Jahre nach dem Krieg mussten sie sich erneut versammeln, um für ein Ende einer neuen Krise zu beten. Mein Reisepass aus einem reichen westlichen Land ermöglichte es mir das Land in Anbetracht der Gefahren zu verlassen. Die liberianischen Frauen und ihre Familien haben dieses Privileg nicht.

„Ebola is real” sollte nicht nur ein Schlachtruf für die Liberianer, sondern auch für die internationale Staatengemeinschaft sein, denn es wirkt so, als ob die Staatengemeinschaft das Problem in den ursprünglichen Stadien der Epidemie ebenfalls verdrängt hat. Einer der wichtigsten Experten für Ebola ist die Wissenschaftsjournalistin Laurie Garrett, die während des letzten großen und trotzdem weniger grassierenden Ausbruchs von Ebola im damaligen Zaire 1995 vor Ort war. Frau Garrett hat für ihre Reportagen zu Gesundheitsproblematiken den angesehenen Pulitzerpreis gewonnen. Im Falle dieser Krise hat sie dokumentiert, wie die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ im Frühjahr diesen Jahres eindringlich für mehr Ressourcen im Kampf gegen Ebola plädierte. „Ärzte ohne Grenzen“ ist einer der wenigen Organisationen, die weiß wie man Ebola ­Patienten pflegt. Im Großen und Ganzen blieb die geforderte Verstärkung leider aus.

Ein Grund dafür war, dass die Abteilung zur Bekämpfung von Epidemien der Weltgesundheitsorganisation wegen Budgeteinschränkungen stark zusammengeschrumpft wurde. Diese Abteilung hatte die notwendige Ebola-Expertise, konnte „Ärzte ohne Grenzen” aber kaum unter die Arme greifen. Der Titel einer von Frau Garrett kürzlich erschienenen Kolumnen ist daher „We could have stopped this” (übersetzt: „Wir hätten es verhindern können”).

Beim Eintreten der Finanzkrise musste die Weltgesundheitsorganisation nach Angaben der New York Times eine Milliarde US-Dollar aus ihrem Budget streichen. Das Streichen der Mittel für solche Institutionen, die sehr viel weniger Geld verschlingen als Rettungspakete für die Industrie oder Militärausgaben, haben Konsequenzen: Gerade in frühen Stadien wäre ein Einschränken der Epidemie preiswerter gewesen. Mit ausreichenden Ressourcen und politischem Willen kann die Ausbreitung von Ebola immer noch aufgehalten werden. Früheres Handeln hätte allerdings mehr Leid verhindern können.

Auch wenn man der humanitären Hilfe gegenüber skeptisch eingestellt ist, muss jetzt schnell mehr passieren, um nicht nur diese Epidemie zu besiegen, sondern auch den Menschen, die vor einem regelrechten Kollaps des Gesundheitssystems stehen, zu helfen. Beispielsweise macht der Ausbruch von Ebola Schwangerschaften in Liberia noch lebensgefährlicher. Im August diesen Jahres schlossen die beiden Geburtsstationen im größten Krankenhaus des Landes vorübergehend. Von allen Ländern auf der Welt ist Liberia auf Platz acht im Bereich der Müttersterblichkeit. Durch das überstrapazierte Gesundheitssystem sind nun Gebärmutterprobleme, Nachblutungen und andere während der Schwangerschaft auftretende Probleme noch größere Bedrohungen für gebärende Frauen. Das gleiche gilt auch für andere Gesundheitsgefährdungen von denen Liberia sowieso schon gebeutelt war, zum Beispiel Malaria. Auch die Gefahr einer Hungersnot besteht. Der Handel zwischen den Ländern Westafrikas wurde stark eingeschränkt, was zu Nahrungsmittelengpässen führen kann.

Nach Angaben der UN wird nun eine Milliarde US Dollar gebraucht, damit der Virus aufgehalten werden kann. Viele der europäischen Länder haben bis jetzt viel zu wenig beigetragen. Nach Angaben von „Ärzte Ohne Grenzen” ist nach wie vor zu wenig von dem versprochenen Equipment und Personal in den betroffenen Ländern angekommen. „Ebola is real.” Jetzt müssen wir den Liberianern beweisen, dass auch wir das begriffen haben.

-Jonas Ecke-

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