#ArewaMeToo – Nigerias Frauenbewegung

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Unter dem Titel „Die #MeToo Bewegung in Nordnigeria: Zusammentreffen von Islam, Kultur und Moderne“ hat Medinat Abdulazeez Malefakis vergangene Woche ihre Forschung zur Frauenbewegung im Norden Nigerias vorgestellt. ONE war dabei und berichtet.

#MeToo –es begann nicht erst in Hollywood

Als Alyssa Milano im Zuge der öffentlich werdenden Missbrauchsfälle des Hollywood-Regisseurs Weinstein 2017 einen Tweet verfasste und #MeToo verwendete, entwickelte sich binnen Stunden eine virale Social Media Bewegung, im Zuge derer Millionen Menschen ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt teilten. Die Formulierung „Me Too“ geht allerdings auf die Aktivistin Tarana Burke zurück. Sie setzt sich für Opfer sexueller Gewalt, insbesondere aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen, ein. In ihrer Arbeit erkannte sie, dass es unglaublich wichtig ist, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Ihr wurde aber auch klar, wie schwierig das öffentliche Berichten über eigene Gewalterfahrungen ist. Bereits 2006 benutzte sie dafür den Begriff „Me Too“. Die Bewegung startete also nicht ursprünglich im glänzenden Hollywood mit weißen Frauen. Sie begann in der schwarzen Community in der Bronx – einem sozial schwachen New Yorker Stadtteil.

Tweet MeToo

Der entscheidende Tweet, der die #MeToo Bewegung aufgriff und ins Rollen brachte.

Von #MeToo zu #ArewaMeToo

Weil es an keinem Ort der Erde wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter gibt, ist es eigentlich kaum verwunderlich, dass weltweit #MeToo aufgriffen wurde. Bemerkenswert ist im Fall Nigerias dennoch, dass ausgerechnet im Norden des Landes die Frauen laut wurden. Denn dort können nur sehr wenig Frauen lesen und schreiben und ihr Zugang zum Internet ist ebenfalls ziemlich gering – keine ideale Voraussetzung für eine Online-Bewegung. Außerdem sind patriarchalische Strukturen dort extrem stark ausgeprägt. Gewalt gegen Frauen ist dort sehr häufig und Sexualität ist ein Tabuthema über das nicht gesprochen wird, von Sexualerziehung ganz zu schweigen. Deshalb entscheiden sich die meisten Frauen denen sexuelle Gewalt wiederfährt nicht darüber zu sprechen, aus Angst vor dem Stigma das dort damit einhergeht.

Starke Frauen

Weltweit kämpfen Frauen für gleiche Rechte und gegen Gewalt.

Trotzdem begannen Frauen über ihre Erfahrungen mit geschlechtsspezifischer Gewalt zu berichten. Den Start machte Khadijah Adamu, eine 24-jährige Apothekerin, die vom Missbrauch durch ihren Ex-Freund tweetete. Andere Frauen folgten und durchbrachen damit teils jahrelanges Schweigen. Der Hashtag #ArewaMeToo ist dabei eine eigene Abwandlung, welche den Namen Nordnigerias – Arewa – mit aufnimmt.

Die Bewegung bekommt Gegenwind

Wie überall auf der Welt kam es auch in Nigeria bald zu Gegenreaktionen. Dass die Bewegung religiöse Interpretationen und Anordnungen hinterfragte, führte bei vielen nigerianischen Twitter-Nutzern zu Empörung. Frauen, die an die Öffentlichkeit treten, unterwanderten eine kulturell gewachsene Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem, bei der Frauen häufig der Platz im Privatem zugeordnet wird. Viele Menschen, die das als natürlich sehen, empfanden die protestierenden Frauen als Bedrohung. Und letztlich machte die Bewegung sichtbar: Die patriarchalischen Strukturen sind an der sexuellen Gewalt mitschuldig. Für viele Menschen in Machtpositionen verursachte das vor allem eins: Angst. Kommt dir bekannt vor? Auch in Deutschland flüchteten Männer in den Vorwurf eines Generalverdachts, anstatt sexistische Strukturen und Denkweisen zu reflektieren und durchbrechen.

Männer demonstrieren für Frauenrechte

Männer, die für Frauenrechte demonstrieren – so sollte es überall sein Foto: Samantha Sophia)

Eine passende Antwort auf kulturelle Anschuldigungen

Die Aktivist*innen ließen das aber nicht einfach stehen. Gerade weil häufig religiöse Argumentationen gegen die Bewegung benutzt wurden, setzten sie der Kritik eine eigene religiöse Deutung entgegen. Sie griffen beispielsweise Ansätze des Islamischen Feminismus auf, der innerhalb der Religion die Gleichstellung aller Geschlechter begründet und fördert. Damit versuchten sie den Vorwurf zu entkräften, sie würden fremde westliche Interesse unterstützten. Dieser Ansatz holte auch Menschen in ihrer Lebenswelt ab, um sie für einen kulturell angepassten Feminismus zugänglich zu machen.

Was bedeutet das für mich?

Die #ArewaMeToo Bewegung zeigt, dass jeder Mensch egal wo er*sie lebt, den Wunsch und den Anspruch auf Gleichberechtigung hat, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder sozialem Status. Aber der Weg dorthin kann sehr unterschiedlich aussehen.

Sie macht auch deutlich, dass Frauen überall auf der Welt von Diskriminierung und geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht werden. Natürlich ist das Ausmaß sehr unterschiedlich und Frauen sollten sich nicht gegeneinander ausgespielt werden. Nur weil die rechtliche Situation für Frauen in Deutschland deutlich besser ist als in Nordnigeria, heißt nicht, dass man über Themen wie  die Luxussteuer auf Produkte für Menstruationshygiene, oder dass Frauen in Deutschland durchschnittlich 21% weniger verdienen als Männer nicht reden braucht.

Im Gegenteil, wir finden der Gedanke, dass weltweit Frauen und Männer für Geschlechtergerechtigkeit kämpfen, macht Mut. Denn wir können uns gemeinsam für eine Welt, frei von Ungleichheit und sexueller Gewalt einsetzen. Wir können voneinander lernen und uns unterstützen.

Eine Möglichkeit dafür ist zum Beispiel die Petition der senegalesischen Aktivistin Black Queen gemeinsam mit ONE im Senegal. Nach der Vergewaltigung und dem Mord von zwei Frauen fordert sie die senegalesische Regierung auf, Vergewaltigungen konsequent zu bestrafen und Opfer sexueller Gewalt zu schützen. Unterstütze sie dabei und unterschreibe die Petition!

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