Ein für alle Mal: Viel hilft viel
Entwicklungszusammenarbeit

Ein für alle Mal: Viel hilft viel

Mach mit

Jetzt mitmachen und extreme Armut bekämpfen

Wenn wir mehr Geld für Entwicklung fordern, bekommen wir oft genug gesagt: „Ja, aber mehr Geld hilft ja nicht mehr!“. Und ganz ehrlich: wir können es nicht mehr hören!

Deshalb wollen wir heute mit diesem Mythos ein für alle Mal aufräumen.

Bevor kollektive Entrüstung ausbricht: Natürlich müssen Entwicklungsgelder so effektiv wie möglich ausgegeben werden – gar keine Frage! Das fordern wir bei ONE schon, seitdem es uns gibt und wir erinnern die Bundesregierung regelmäßig daran.

Aber vor allem können wir ganz klar feststellen, dass mit mehr Entwicklungsfinanzierung mehr erreicht werden kann. Deshalb hier die 10 besten Gründe, warum in der Entwicklungsfinanzierung viel eben viel hilft:

#1 Mehr ODA = Weniger extreme Armut

Eine Studie des ODI legte kürzlich eindrücklich dar, dass extreme Armut bald vor allem in 48 Ländern vorkommen wird. Das ODI kommt zu dem Schluss, dass diese Länder selbst nicht in der Lage sein werden, ihre sozialen Sektoren – Bildung, Gesundheit und soziale Sicherungssysteme –  ausreichend zu finanzieren. Aber genau diese Investitionen sind zentral, um extreme Armut zu reduzieren. Gleichzeitig können diese Länder am wenigsten andere Einnahmequellen erschließen. D.h. um extreme Armut zu beenden, sind mehr Entwicklungsgelder sogar zwingend notwendig. Die Studie zeigt auch: Wenn alle Geberländer ihr Versprechen einlösen, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens in Offizielle Entwicklungsfinanzierung (Official Development Aid, ODA) zu investieren und 50 Prozent des zusätzlichen Geldes in die sozialen Sektoren der genannten 48 Länder investieren, könnte extreme Armut dort beendet werden. Denn dies würde 94 Prozent der Ausgaben decken, die dafür notwendig sind. Also zum mitschreiben: Wir müssen das 0,7 Prozent-Ziel erreichen und 50 Prozent in die am wenigsten entwickelten und fragilen Länder investieren. Dann klappt das auch mit dem Ende extremer Armut.

#2 Mehr ODA = bessere Gesundheitsversorgung

Gesundheit ist ein Menschenrecht. Zugang zu grundlegenden medizinischen Dienstleistungen verhindert, dass Menschen sterben, weil sie sich keine medizinische Behandlung leisten können und hilft gefährliche Epidemien frühzeitig einzudämmen. Die Finanzierung globaler Gesundheit stagniert seit Jahren, obwohl es mehr als genug Möglichkeiten gäbe, sinnvoll Geld zu investieren. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Health Extension Program des äthiopischen Gesundheitsministeriums, das bisher mehr als 40.000 Gesundheitsberater*innen eingestellt und ausgebildet hat. Sie arbeiten in ländlichen Gegenden, wo es zuvor keine medizinische Grundversorgung gab. Ihre Erfolge sprechen für sich: Die Müttersterblichkeit und die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren sanken zwischen 2002 und 2016 jeweils um 50 Prozent. Solche Programme müssen ausgeweitet werden, um mehr Menschen zu erreichen.

  #3 Mehr ODA = weniger Todesfälle durch HIV/Aids

Der Kampf gegen das HI-Virus ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten des 21. Jahrhunderts. Aber immer noch sterben jeden Tag mehr als 2.500 Menschen an Aids und seinen Folgen – und das, obwohl sowohl die Infektion als auch der tödliche Verlauf der Krankheit vermeidbar ist. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat durch seine Arbeit seit 2002 bereits 27 Millionen Menschenleben gerettet, indem er beispielsweise lebensrettende Medikamente für HIV-positive Patienten (antiretrovirale Therapie) zur Verfügung stellt. Im sogenannten „Unfunded Quality Demand“ sammelt der Fonds Projekte, die er als förderungswürdig und sinnvoll erachtet, aber derzeit nicht finanzieren kann. Solange auch nur ein Projekt in diesem Pool ist, kann keiner sagen, dass mehr Geld hier nicht mehr bewirken könnte.

#4 Mehr ODA = mehr Kinder die zur Schule gehen

Grundbildung hilft Menschen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und zum Fortschritt ihrer Gesellschaft beizutragen.

Die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) und der Education Cannot Wait Fonds leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass in Zukunft alle Kinder der Welt, egal ob sie in einem wenig entwickelten Land oder mitten in einem Konfliktgebiet leben, Zugang zu Bildung bekommen. Die Bundesregierung ist noch sehr, sehr weit davon entfernt, zu diesen beiden sinnvollen Finanzierungsinstrumenten ihren fairen Beitrag zu leisten.

#5 Mehr ODA = Weniger Kinder sterben

Seit 1990 hat sich die Kindersterblichkeit weltweit mehr als halbiert.

Doch alleine 2016 starben noch 5,6 Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie Diphtherie, Masern, Röteln und Polio. Das sind 15.000 Kinder pro Tag. Im Falle von Impfungen bedeuten mehr Entwicklungsgelder mehr Impfungen und weniger Kindstode. Seit 2000 wurden durch die neu geschaffene Impfallianz Gavi, mehr als 690 Millionen Kinder geimpft. Dadurch konnten bis heute 10 Millionen Kindstode verhindert werden. Auch hier gilt: der Punkt an dem Gavi noch Geld übrig hat, aber keine ungeimpften Kinder mehr auftreiben kann, ist in sehr ferner Zukunft.  

#6 Mehr ODA = Mehr selbstbestimmte Frauen

In keinem einzigen Land der Welt haben Frauen die gleichen Chancen wie Männer. Nirgendwo. Aber je ärmer ein Land ist, desto krasser wird die Geschlechterungleichheit. Dabei wissen wir längst, dass es sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche positiv auswirkt, Frauen in die Lage zu versetzen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Frauen müssen die Möglichkeit haben selber zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten. Sie brauchen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Produktionsmitteln, Finanzdienstleistungen und Technologie. Hierzu kann und muss die Entwicklungszusammenarbeit einen wichtigen Beitrag leisten. Gelder, die aktiv zur Stärkung von Frauen und Mädchen beitragen, machen derzeit gerade einmal 0,8 Prozent der gesamten deutschen Entwicklungsfinanzierung aus. Wir wagen die Behauptung: da ist noch Luft nach oben!

#7 Mehr ODA = Weniger Hunger

Seit 2016 steigt erstmals wieder die Anzahl der Menschen, die Hunger leiden. Das ist schrecklich und liegt vor allem an der steigenden Anzahl gewaltsamer Konflikte (siehe dazu #10). Erwiesenermaßen wirksame Projekte müssen dringend ausgeweitet werden, um diesen Trend schnellstmöglich wieder umzukehren. Äthiopien, beispielsweise, startete 2005 sein Productive Safety Net Programme (PSNP). Das Programm hilft ländlichen Haushalten, selber Nahrungsmittel zu produzieren und unterstützt sie mit Geld und Lebensmitteln, um sie gegenüber wirtschaftlichen Schocks widerstandsfähiger zu machen. Bisher half das Programm fast acht Millionen Menschen, nachhaltig Vermögen aufzubauen und ihre Ernährung zu sichern. Die Teilnehmer am Programm nutzen häufiger medizinische Angebote und schicken ihre Kinder zur Schule.

#8 Mehr ODA = Mehr Innovation

Um ehrgeizige Ziele, wie die nachhaltigen Entwicklungsziele, zu erreichen, braucht es ab und zu einen Quantensprung, z.B. durch technologische Innovation. Die Ausbreitung von Smartphones hat auf dem afrikanischen Kontinent Lösungen hervorgebracht, wie z.B. mobilfunkbasierter Zahlungsverkehr, die kaum jemand absehen konnte.

Auch solche Innovationen können und müssen gezielt gefördert werden. Die Entwicklung des Ebola-Impfstoffes ist hierfür ein bedrückendes Beispiel: es musste 2014 erst zur Katastrophe kommen, damit das nötige Geld in die Hand genommen wurde, um die Entwicklung des Impfstoff voranzutreiben. Heute gibt es immerhin einen Impfstoff in der Testphase, der soweit erforscht ist, dass er bei dem aktuellen Ausbruch im Kongo eingesetzt werden kann.

#9 Mehr ODA = Mehr Rechenschaft

Eine der Hauptgründe, warum Entwicklungszusammenarbeit in der Kritik steht, ist die häufig in weniger entwickelten Kontexten grassierende Korruption. Sie ist ein massives Entwicklungshemmnis – aber gleichzeitig, kann auch sie mit Entwicklungsgeldern bekämpft werden. Die nigerianische zivilgesellschaftliche Organisation CODE (Connected Development) ermöglicht es beispielsweise Gemeinden, Rechenschaft über lokale Projekt einzufordern, indem sie die Menschen vor Ort mit der notwendigen Technologie und Informationen versorgt. Solche Initiativen müssen gefördert werden, denn nur so kann es wirklich nachhaltigen Wandel geben: indem die Menschen in die Lage versetzt werden, ihn einzufordern!

#10 Mehr ODA = weniger Konflikte

Das ist eine steile These – aber hört mir zu:

Gewaltsame Konflikte haben viele Gründe, aber in vielen Fällen lassen sich Geschehnisse identifizieren, die zu einer massiven Verschlechterung der Lebensumstände geführt haben, die sich dann entlang bestehender politischer Konfliktlinien entzünden. Viele potenzielle Konfliktursachen lassen sich frühzeitig erkennen und mit Hilfe von entwicklungspolitischen Maßnahmen lindern. Bei Konflikten gilt in jedem Fall ganz klar: Prävention ist deutlich günstiger als Intervention.

Wir könnten ewig so weitermachen, aber dieser Blogpost ist ja jetzt schon viel zu lang und der Sachverhalt dürfte klar geworden sein.

Wir hoffen, dass sich die parlamentarischen Haushälter deshalb dafür entscheiden werden, die Entwicklungsgelder im Bundeshaushalt 2019 zu erhöhen. Wenn ihr euch uns anschließen wollt, könnt ihr hier unsere Petition unterzeichnen.

 

×

Jetzt mitmachen und extreme Armut bekämpfen

Durch deine Teilnahme erklärst du dich mit unserer Privacy Policy einverstanden. Da ONEs Hauptsitz in den USA ist, befinden sich dort auch unsere Server. Dorthin werden deine Daten übermittelt.
Du willst immer auf dem Laufenden sein, wie du dich im Kampf gegen extreme Armut engagieren kannst?
Dann trag dich auf unserem Verteiler ein, um E-Mails von ONE zu erhalten und gemeinsam mit Millionen Menschen weltweit extreme Armut und vermeidbare Krankheiten zu bekämpfen. Deine Unterstützung bedeutet uns sehr viel. Wir werden dich niemals um Spenden bitten. Du kannst dich jederzeit austragen.
Bist du sicher? Wenn du 'Ja' auswählst, zeigen wir dir weitere Wege, dich mit deiner Stimme im Kampf gegen extreme Armut einzusetzen. Du kannst dich jederzeit austragen.

Diskutiere mit

Regeln für Kommentare

ähnliche Beiträge