ONEs Analyse zum Weltaidstag – Wo stehen wir heute im Kampf gegen Aids?
HIV/Aids

ONEs Analyse zum Weltaidstag – Wo stehen wir heute im Kampf gegen Aids?

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Anlässlich des Weltaidstages möchten wir bei ONE Bilanz ziehen, wo wir im weltweiten Kampf gegen Aids stehen. Wir konnten feststellen, dass insbesondere Subsahara Afrika tolle Erfolge zu verbuchen hat:

  • Zum ersten Mal bekommen mehr als die Hälfte aller HIV-positiven Menschen in Subsahara Afrika eine Behandlung – das sind 13,8 Millionen Menschen, die eine echte Chance auf ein normales Leben erhalten.
  • Die Todesfälle durch Aids konnten seit 2005 halbiert werden und auch die Zahl der Neuinfektionen ist drastisch gesunken.
  • Durch die Ausweitung von Behandlungen für HIV-positive schwangere oder stillende Frauen von 49 auf 79 Prozent seit 2011 konnten die Neuinfektionen von Kindern durch die Übertragung von Mutter zu Kind knapp halbiert werden.

Eine tolle Entwicklung ist außerdem, dass immer mehr Länder, die am stärksten von der Epidemie betroffen sind, beständig ihre Eigenmittel im Kampf gegen HIV/Aids erhöhen – mittlerweile stemmen sie 60 Prozent der Kosten in Niedrig- und Mitteleinkommensländern selbst.

Allerdings liegt weiterhin vieles im Argen:

  • 2016 sind 1 Million Menschen an Aids gestorben – also 2.700 Menschen pro Tag.
  • 36,7 Millionen Menschen leben weltweit mit HIV – 69 Prozent von ihnen in Subsahara-Afrika.
  • 2016 haben sich 1,8 Millionen Menschen weltweit neu infiziert – das sind drei Menschen pro Minute. 64 Prozent der Neuinfektionen entfallen auf Menschen in Subsahara Afrika.
  • 15,8 Millionen Menschen haben noch immer keinen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten.

Insbesondere für Mädchen und Frauen ist die Situation weiterhin düster. Sie sind nach wie vor am schwersten von der Epidemie betroffen: Aids-bedingte Todesfälle sind nach wie vor die führende Todesursache für Frauen im reproduktiven Alter. In Subsahara Afrika ist das Risiko einer Infektion ist für Frauen und Mädchen – insbesondere wenn sie jung sind – viel größer als für Männer bzw. Jungen. Drei Viertel aller Neuinfektionen von Jugendlichen (10 bis 19 Jahre) in Subsahara-Afrika entfallen auf Mädchen, und zwei Drittel aller Neuinfektionen zwischen 15 und 24 Jahren.

Trends der Finanzierung

Und obwohl offensichtlich noch so viel zu tun bleibt, sind die Mittel, die weltweit im Kampf gegen HIV/Aids zur Verfügung stehen, 2016 das zweite Jahr in Folge gesunken. Im Jahr 2014 stellten Geber noch 8,6 Milliarden US-Dollar für die Bekämpfung von HIV/Aids zur Verfügung – 2015 sanken die Mittel auf 7,5 Milliarden und 2016 waren es nur noch 7 Milliarden.

Der Trump-Faktor

Was die Sache nicht unbedingt einfacher macht, ist, dass die USA mit Donald Trump nicht gerade einen Vorreiter im Kampf gegen Aids zum Präsidenten haben. Nachdem die USA in den letzten 15 Jahren absolute Champions waren und durch das von Präsident Bush initiierte und von Präsident Obama fortgeführte PEPFAR Programm rund 11 Millionen Menschenleben gerettet haben, zeichnet sich nun eine dramatische Kehrtwende ab. Unter Präsident Trump sieht der Haushaltsplan für 2018 Kürzungen in Höhe von mehr als einer Milliarde US-Dollar für den Kampf gegen Aids vor – 800 Mio. US-Dollar weniger für bilateralen Programme, also auch PEPFAR, und 225 Mio. US-Dollar weniger für den Globalen Fonds. Derartige Kürzungen hat es für beide Programme nie zuvor gegeben. Durch diese Kürzungen wäre PEPFAR gezwungen, seine Strategie derartig zu verändern, dass die Anzahl der Menschen, die neu in Behandlung aufgenommen werden können, effektiv um ein Drittel reduziert würde. Dies könnte dazu führen, dass pro Jahr 300.000 Menschen sterben und 1,75 Millionen Menschen sich neu mit HIV infizieren. Diese Kürzungen könnten die großartigen Erfolge der letzten 15 Jahre in kürzester Zeit zunichtemachen. Eine genauere Analyse der Situation in den USA findet ihr in unserem englischen Bericht “Red Ribbon or White Flag?“.

Und wie sieht es mit der deutschen Unterstützung aus?

Leider sieht es derzeit nicht danach aus, als wäre Deutschland bereit in dieser schwierigen Situation einzuspringen und diesen gefährlichen Entwicklungen entgegenzuwirken. Denn auch die deutschen Mittel im Kampf gegen HIV/Aids sinken seit Jahren drastisch. 2009 stellte die Bundesregierung noch knapp 398 Millionen US-Dollar im Kampf gegen HIV/Aids zur Verfügung. Dieser Betrag halbierte sich in den folgenden 6 Jahren auf  200 Millionen Euro in 2015. Von 2015 auf 2016 sank der Beitrag erneut um fast 10 Prozent auf nur noch 182 Millionen US-Dollar.

Was steht auf dem Spiel?

Was die Situation wirklich dramatisch macht, ist, dass man gegen eine Epidemie nie „ein bisschen“ gewinnen kann. Wenn man sich auf dem Erreichten ausruht und sich denkt, dass man sich getrost anderen Herausforderungen zuwenden kann, kehren sie mit aller Macht zurück – im schlimmsten Fall sogar in Form neuer, resistenter Viren. Wir müssen diesen Kampf solange weiterführen, bis Aids ein für alle Mal besiegt ist.

Gleichzeitig wird die Situation insbesondere in Afrika nicht einfacher –  die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 verdoppeln. Das bedeutet, dass die Zahl junger Menschen schneller als in jeder anderen Weltregion wachsen wird. Und gerade diese jungen Menschen sind besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren. Wenn wir also nicht aufpassen, stehen wir bald wieder ganz am Anfang.

Aber die gute Nachricht ist, dass wir wissen, wie wir diesen Kampf gewinnen können, wenn wir die notwendigen Mittel dafür haben!

In Ländern, die vom Globalen Fonds unterstützt werden, konnten die Todesfälle durch Aids fast halbiert werden und die Zahl der Neuinfektionen ist um 40 Prozent gesunken. Der Fonds versorgt heute 11 Millionen Menschen mit lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten – also die Hälfte aller Menschen in ARV-Behandlung weltweit. Und die Behandlung ist mittlerweile so gut, dass die Betroffenen nicht nur die Chance auf ein fast normales Leben haben, sondern auch kaum noch ansteckend sind. Gleichzeitig konnten durch Innovationen und Partnerschaften die Kosten für die Behandlung massiv gesenkt werden, sodass viel mehr Menschen behandelt werden können als früher.

Damit diese tollen Entwicklungen dazu beitragen können, dass sich keine Menschen mehr neu mit HIV infizieren oder an Aids sterben, müssen die internationalen Geber – sowohl die USA als auch Deutschland – ihre Finanzierung wieder deutlich erhöhen. Aktuell fehlen 7 Milliarden US-Dollar, um das Ziel Aids zu beenden zu erreichen.

 

 

 

 

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