Was Geberländer tun, um Bildung in Entwicklungsländern zu fördern – eine Bestandsaufnahme
politische Analyse

Was Geberländer tun, um Bildung in Entwicklungsländern zu fördern – eine Bestandsaufnahme

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Dies ist ein Gastbeitrag von SEEK Development

Im Rahmen der derzeit laufenden UN-Generalversammlung lenkt die globale Bildungsgemeinschaft die politische Aufmerksamkeit auf die Finanzierung globaler Bildung. Zentral hierbei war die gestrige Veranstaltung „Financing the Future: Education 2030“ am 20. September. Dort haben der UN-Generalsekretär, Staats- und Regierungschefs, internationale Organisationen und Zivilgesellschaft dafür plädiert, dass mehr Investitionen notwendig sind, um die immer größer werdende Finanzierungslücke zu bewältigen, die einem Zugang zu Bildung für alle Menschen im Weg steht.

Will man diese Finanzierungslücke schließen, ist es zunächst wichtig zu wissen, wie es um die Bildungsfinanzierung derzeit steht. Mit diesem Ziel haben wir uns im Rahmen unseres vor kurzem veröffentlichten ‚Deep Dive – Education‘ des Donor Tracker angeschaut, was und wie viel die internationale Gebergemeinschaft für Bildung finanziert.

Einige der interessantesten Ergebnisse haben wir hier für Dich zusammengefasst:

In Bezug auf die Gesamtausgaben für globale Bildung (siehe Abbildung  1 unten) ist Deutschland an der Spitze der Geberländer. Im Jahr 2015 gab Deutschland laut OECD-Daten 2,0 Mrd. US-Dollar an öffentlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (official development assistance, ODA) für Bildung  aus. Auf den Plätzen folgen das Vereinigte Königreich (1,4 Mrd. US-Dollar), Frankreich (1,3 Mrd. US-Dollar) und die USA (1,2 Milliarden US-Dollar).

Viele Bildungsexperten sind jedoch der Meinung, dass die OECD-Daten nicht angemessen darstellen, wie viel Geberländer tatsächlich für Bildungsprogramme in Entwicklungsländern ausgeben. Das liegt vor allem daran, dass sich Geberländer Stipendien und andere Kosten für Studierende aus Entwicklungsländern, die an ihren Universitäten studieren, als ODA anrechnen lassen dürfen. Aus diesem Grund schaut sich unsere Analyse auch an, wie sich die Rangliste verändert, wenn man diese Kosten herausrechnet. Dieses ist besonders relevant im Fall von Deutschland und Frankreich. Beide Länder geben rund die Hälfte ihrer Bildungs-ODA für inländische Studienkosten aus (Frankreich: 60%; Deutschland: 51% im Jahr 2015). Wenn man diese Inlandskosten herausrechnet, rutscht Deutschland auf den 3. Platz der größten Geberländer für Bildung (siehe Abbildung 1).

Zwei Balkendiagramme, die die die Ausgaben der internationalen Gebergemeinschaft inklusive und exclusive Stipendien in US$ darstellen

Das Bild ändert sich wiederum, wenn man Geberländer danach beurteilt, wie viel sie gemessen an ihrer gesamten ODA  für Bildung ausgeben (siehe Abbildung 2 unten). Deutschland gibt 8% seiner ODA-Ausgaben für Bildung aus, und liegt damit nur auf Platz 11. Wenn man die  Kosten für Studierende aus Entwicklungsländern an deutschen Universitäten nicht berücksichtigt, fällt Deutschland gar auf den 21. Platz (4%) von 28 OECD-Geberländern.

Zwei Balkendiagramme in %, die die die Ausgaben der internationalen Gebergemeinschaft inklusive und exclusive Stipendien darstellen

Ein genauerer Blick auf die Verteilung der Ausgaben zeigt: Investitionen von Geberländern fokussieren sich zu einem Großteil auf universitäre Bildung: 42% der gesamten Bildungs-ODAs aller Geberländer geht in diesen Bereich, was zum Teil auf die Studienplatzkosten im Inland zurückzuführen ist. Im Vergleich: nur 26% der bilateralen Bildungs-ODA wird für Grundbildung ausgegeben. Darüber hinaus zeigt sich: ein Großteil der Ausgaben fließt nicht in die ärmsten Länder: OECD-Geberländer gaben zwischen 2013 und 2015 nur 30% ihrer bilateralen Bildungs-ODA an Länder mit niedrigem Einkommen (low income countries, LIC). Die meisten Gelder gingen an Länder mit mittlerem Einkommen (middle income countries, MIC, 52%).

Dies und weitere Informationen zur Bildungsfinanzierung finden sich auf dem Donor Tracker.  Neben der Analyse der Bildungsausgaben untersucht der Donor Tracker auch, welche strategischen Prioritäten Geberländer im Bildungsbereich haben, wie diese mit den tatsächlichen Ausgaben übereinstimmen und welche Akteure verantwortlich sind für die Planung und Implementierung von Bildungsprogrammen. Mit diesen Informationen wollen wir all diejenigen in ihrer Arbeit unterstützen, die sich für eine höhere und bessere Bildungsfinanzierung einsetzen, um sicherzustellen, dass jedes Kind bis 2030 eine qualitativ hochwertige Bildung bekommt.

Über die Autoren

Chris Kardish

Foto von Chris Kardish

Chris Kardish ist Associate Consultant bei SEEK Development. Er ist für die Entwicklung des Education Deep Dives verantwortlich gewesen und begleitet Kunden im Bildungssektor.

 

 

 

Sabine Campe

Foto con Sabine CampeSabine Campe ist Partner bei SEEK Development. Sabine hat den Bereich Strategic Advocacy aufgebaut. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Strategieberatung zu globaler Entwicklungs- und Gesundheitspolitik. Unter anderem verantwortet sie den Donor Tracker.

 

 

Raimund Zühr

Foto von Raimund Zühr

Raimund Zühr ist Projektmanager bei SEEK Development. Er leitet Projekte im Bereich der Entwicklungsfinanzierung und ist für alle Analysen im Rahmen des Donor Trackers verantwortlich.

 

 

 

SEEK Development ist ein Berliner Beratungsunternehmen, welches zum Ziel hat, menschliche Entwicklung weltweit zu fördern und zu gestalten. SEEK unterstützt führende Organisationen der globalen Entwicklungszusammenarbeit in der Strategieentwicklung, Wissensgenerierung, Advocacy, und der Organisationsentwicklung. SEEK hat den Donor Tracker ins Leben gerufen, eine kostenlose und unabhängige Website, die strategische Analysen zu Finanzierungstrends und politischen Prozessen in 14 wichtigen OECD Geberländern aktuell und übersichtlich aufbereitet.

 

 

 

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