Kritik an reichen Ländern: Entwicklungsgelder decken Inlandsflüchtlingskosten, anstatt Armut zu bekämpfen
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Kritik an reichen Ländern: Entwicklungsgelder decken Inlandsflüchtlingskosten, anstatt Armut zu bekämpfen

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Thomson Reuters Foundation.

Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (official development assistance – ODA) erreichte im Jahr 2016 einen Rekordwert von € 128,91 Milliarden. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist das ein realer Anstieg von 8,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieses Rekordhochs wurden die Geberländer dafür kritisiert, dass sie Hilfsgelder für arme Länder verlagern und mehr für Inlandsflüchtlingskosten ausgeben. Von der Gesamt-ODA wurden € 13,88 Milliarden – oder rund 10 % – für Inlandsflüchtlingskosten ausgegeben, ein Viertel mehr als noch im Jahr 2015.

Der in Paris ansässige Think Tank forderte, dass die Geberländer ihr Entwicklungsbudget nutzen sollten, um Entwicklungsprogramme in armen Ländern zu priorisieren, anstatt Mittel für die Aufnahme von Geflüchteten im eigenen Land aufzuwenden.

Laut Charlotte Petri Gornitzka, Leiterin des Entwicklungshilfeausschusses der OCED, der die Entwicklungsausgaben bewertet, ist „ein Großteil dieser jüngsten Zunahme auf die humanitäre Hilfe und die Inlandsflüchtlingskosten zurückzuführen.“

“Während beides sehr wichtig ist, müssen wir sicherstellen, dass wir auch die Finanzierung von langfristigen Entwicklungsprogrammen fortführen, vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern.”

Auch andere internationale Wohltätigkeitsorganisationen haben sich besorgt über den neuen Trend der Entwicklungsausgaben geäußert.

Die stellvertretende Direktorin für Advocacy bei Oxfam International, Natalia Alonso, merkte an, dass reiche Länder zwar verpflichtet seien, Migranten und Geflüchtete aufzunehmen, die vor Konflikten fliehen, dies jedoch nicht als Hilfs- und Entwicklungsarbeit angerechnet werden sollte.

“Reiche Länder führen die Öffentlichkeit in die Irre. Sie deklarieren Gelder als Entwicklungszusammenarbeit, die dazu verwendet werden, Asylanträge zu bearbeiten oder andere dafür zu bezahlen, rigoros bei Migration durchzugreifen“, sagte sie in einer Erklärung.

Laut der Lobby- und Kampagnenorganisation ONE, die sich für das Ende extremer Armut einsetzt, ist die Notwendigkeit, Geld an die Entwicklungsländer zu geben, noch nie größer gewesen.

“Die Flüchtlingskrise bewirkt, dass zu viele Hilfsmittel in Europa und nicht in den ärmsten Ländern der Welt ausgegeben werden und somit wenig dazu beitragen, extreme Armut zu beenden”, sagte Adrian Lovett, Interim CEO von ONE, gegenüber der Thomson Reuters Foundation.

“Jetzt ist es für die Geberländer an der Zeit, sich darauf zu konzentrieren, die schwächsten und gefährdetsten Menschen der Welt zu erreichen, nicht darauf ihre Entwicklungsgelder aufzublähen.”

Der OECD zufolge sei selbst nach Ausklammerung der Flüchtlingskosten im Jahr 2016 die Netto-ODA immer noch real um 7,1 % gewachsen.

Von den 29 Mitgliedern des OECD-Entwicklungshilfeausschusses blieben die Vereinigten Staaten im Jahr 2016 der größte Geber mit € 30,37 Milliarden an Entwicklungsgeldern, gefolgt von Deutschland mit € 22,33 Milliarden, Großbritannien, Japan und Frankreich.

Nur sechs Geberländer – Dänemark, Luxemburg, Deutschland, Norwegen, Schweden und Großbritannien – erreichten oder übertrafen das Ziel der Vereinten Nationen, 0,7 % des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit auszugeben.

(Berichterstattung von Lin Taylor @linnytayls, Redigiert von Ros Russell; die Urheberschaft liegt bei der Thomson Reuters Foundation, die über humanitäre Fragen, Konflikte, globale Land- und Eigentumsrechte, moderne Sklaverei und Menschenhandel, Frauenrechte, Klimawandel und Resilienz berichtet. Besucht news.trust.org um mehr Artikel zu sehen).

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