Die Maschen der Geldwäscher
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Kriminelle nutzen Scheinfirmen für schmutzige Geschäfte und Steuerflucht. Als Jugendbotschafter war Alexander Kauschanski für ONE in Brüssel unterwegs. Seine Botschaft: Wer Armut bekämpfen will, braucht mehr Transparenz.

Es sind jedes Mal andere Menschen, die ihr Gesicht hinter derselben Maske verstecken. Diese Maske heißt Anonymität. Wer bei krummen Geschäften seine Identität verschleiern kann, der braucht nichts zu fürchten. So geht es auch unserem Energieminister Schatten. Herr Schatten schloss in einem gläsernen Hotelturm das Geschäft seines Lebens ab. Eben noch schüttelte er mit den CEOs von Öl- und Gasgesellschaften die Hand. Für sie würde bald viel Öl sprudeln, für Energieminister Schatten das Geld. Die Bevölkerung seines Landes wird nie auch nur einen Cent für die Millionen Barrel Öl sehen.

ONE-Jugendbotschafter fordern “Bedingungslose Transparenz“ für Register über wirtschaftlich Berechtigte, vor dem Brandenburger Tor

Irgendwo auf der Welt hatte sein Anwalt für ihn ein neues Unternehmen gegründet. Es hatte keine Mitarbeiter. Keine Büros. Keine Produkte. Keine Firmenphilosophie. Die „Monica Oil & Gas“ existierte irgendwo auf dem Papier in Panama, den Antillen, den Jungferninseln. Herr Schatten war dort nie hingereist. Sobald sein Ministerium das Geld für das Öl bekommen würde, würde er es einfach auf eine dieser Steuerparadiese weiterfließen lassen. Und das Beste war, das niemand wissen konnte, dass die Briefkastenfirma ihm gehörte. Damit wird Schatten seinem Namen gerecht. Herr Schatten ist ein Phantom. Seine Geschichte mag erfunden sein. Ohne unser Wissen hat sie sich bereits tausendfach abgespielt. Inspiriert ist sie vom ehemaligen Energieminister Nigerias, Dan Etete. Sie ist einer der wenigen besser dokumentierten Fälle.

Der Ablauf folgt stets einem ähnlichen Schema. Herr Schatten und seine vielen Mitstreiter machen auf kriminelle Weise großes Geld. Um ihre Vermögen bunkern und später ausgeben zu können, eröffnen sie Briefkastenfirmen auf Steueroasen. Mit diesen Firmen verstecken die Eigentümer des zunächst „schmutzigen“ Geldes ihre eigene Identität. Sie beruht auf verschachtelten Firmenkonstrukten. Häufig versteckt sich eine Scheinfirma hinter der nächsten. Die Rückverfolgung gleicht einer Jagd durch ein weit verzweigtes Labyrinth. Wer letztlich auf dem dicken Geld sitzt, ist schwer zu bestimmen. Dazu fehlt es an Transparenz.

Mehr als eine Billion US-Dollar pro Jahr gehen allein Entwicklungsländern durch kriminelle Geldflüsse verloren. Das ist mehr als der jährliche Gewinn der 86 weltweit größten Unternehmen zusammen. Überall auf der Welt verlieren Regierungen Geld, welches sie sonst in Bildung, Gesundheit, nachhaltiges Wachstum und die Bekämpfung von Armut investieren könnten. Mit dem Geld, das Nigeria jährlich durch Korruption und Geldwäsche verloren geht, ließen sich Impfungen für knapp 30 Millionen Kinder unter fünf Jahren durchführen, 494.000 zusätzliche Lehrer einstellen und 3,2 Millionen lebensrettende Aids-Medikamente kaufen.

Photo Credit: James Drew Turner

Was können wir gegen diese skandalösen Geschäfte tun? Geldwäsche durch Scheinfirmen ist deshalb so erfolgreich, weil es möglich ist, seine Identität zu verschleiern. Größtmögliche Transparenz kann Briefkastenfirmen einen Riegel vorschieben. Dazu brauchen wir aber eine starke Gesetzgebung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Hier kommen wir ins Spiel. ONE gibt als Lobby- und Kampagnenorganisation jungen Menschen die Möglichkeit, für eine gerechtere Welt zu kämpfen. Als Jugendbotschafter sprechen wir mit politischen Entscheidungsträgern. Wir treffen sie auf Staatsgipfeln, in Ministerien, Parlamenten und in unseren Wahlkreisen. Dort setzen wir uns für Themen ein, die alle Menschen betreffen. Dazu gehört die Bekämpfung von Armut, vermeidbaren Krankheiten sowie Korruption und Geldflucht – vor allem in Afrika. ONE gibt uns als Jugendlichen, den Raum für unsere Ziele zu streiten. Als Botschafter der Veränderung, die wir in der Welt sehen wollen.

Gegen Phantomfirmen vorgehen: Sicherstellen, dass Informationen über Eigentümer von Unternehmen und Trusts offengelegt werden.

ONE setzt sich mit seinen Jugendbotschaftern für mehr Transparenz bei Staatshaushalten und Rohstoffdeals ein. Wir fordern Transparenz von Unternehmen, die in Entwicklungsländern tätig sind und kämpfen für ein öffentliches Register über die Besitzer von Phantomfirmen. Nur so können wir Geldwäsche stoppen.

Die Europäische Union hat bereits ein Fundament gegen Geldwäsche und mehr Steuergerechtigkeit geschaffen. Schon seit 2015 müssen alle 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union Informationen über die Besitzer von Schattenfirmen in einem zentralen Register sammeln. Uns geht das nicht weit genug. Bisher haben nur Menschen mit „legitimem Interesse“ die Möglichkeit, viele dieser Register einzusehen. Der Begriff „legitimes Interesse“ ist rechtlich nur unscharf definiert. Ein EU-Staat könnte entscheiden, dass die gesamte Öffentlichkeit darauf zugreifen sollte. Woanders könnte ein Mitgliedstaat Journalisten und NGOs die Arbeit durch unüberbrückbare Bürokratieschwellen erheblich erschweren.

Ohne ein wirklich verpflichtend öffentliches Register bleibt die Zivilgesellschaft in den meisten Fällen de facto ausgeschlossen. Das muss sich ändern. Dafür setzte ich mich als ONE-Jugendbotschafter in Brüssel bei den Gesprächen mit EU-Parlamentariern ein. In einer Welt, die sich immer weiter vernetzt, müssen wir kriminelle Geldwäsche beenden. Denn diese Prinzipien stellen unsere Politik, unsere Werte und unsere soziale Gerechtigkeit in Frage. Gemeinsam müssen wir als Menschen an einem Strang ziehen. Nur so können wir es schaffen, den Phantomen wie Herrn Schatten ihre Masken zu entreißen.

Alexander Kauschanski

Mehr aus Brüssel seht ihr in unserem Facebook-Video. Wenn ihr selbst als Jugendbotschafter aktiv werden wollt, könnt ihr euch noch bis zum 22. Februar bei uns bewerben. Die Ausschreibung und alle weiteren Informationen findet ihr hier.

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