Gute Nachrichten: die extreme Armut ist um 65% gesunken!

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Wie du vielleicht weißt, wurden vorletzte Woche die Globalen Ziele für Nachhaltige Entwicklung verabschiedet: der Plan, wie in den nächsten 15 Jahren weltweit Armut beendet, Ungleichheiten bekämpft und unser Planet geschützt werden soll. Es ist das größte Versprechen, dass sich die Welt jemals selbst gegeben hat, und dieser Moment war sehr inspirierend. Wenn wir uns der Herausforderung stellen, wird in 15 Jahren kein Mädchen oder Junge, Mann oder Frau um das Überleben unterhalb der Armutsgrenze kämpfen müssen. Wir können die Generation sein, die das erreicht.

Und es gibt Neuigkeiten, die unsere Anstrengungen noch anfeuern werden: Die Weltbank hat die neuesten Schätzungen zur extremen Armut veröffentlicht, die zeigen, dass der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, um 65% abgenommen hat zwischen 1990 und 2012 und jetzt bei 12,8% liegt. Das heißt, dass 1,1 Milliarden Menschen in dieser Zeit der extremen Armut entkommen sind und wir zwei Drittel des Weges zu einer armutsfreien Zukunft geschafft haben.

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Aber wir können uns jetzt nicht zurücklehnen. Es gibt immer noch über 900 Millionen Menschen, die jeden Tag unter extremer Armut leiden. Das letzte Drittel des Weges wird am schwierigsten sein. Viele, die in extremer Armut leben, gehören zu den am stärksten vernachlässigten und verwundbarsten Teilen der Gesellschaft. Ein wachsender Anteil davon – 43% im Jahr 2012, von zuvor 14% im Jahr 1990 – leben in Subsahara-Afrika, wo der Großteil der fragilen und am wenigsten entwickelten Länder (LDC) liegt. 38 der 49 Länder in dieser Region sind entweder LDCs oder fragile Staaten, oder beides, mit oft geringen öffentlichen Einnahmen und wenig Möglichkeiten in armutsbekämpfende Maßnahmen wie Bildungs-und Gesundheitswesen oder Wachstumsmaßnahmen zu investieren.

Armut ist in Subsahara-Afrika schlimmer als anderswo – Menschen leben nicht nur unter der Armutsgrenze, sondern oft weit darunter. Im Vergleich zu allen anderen Regionen hat Afrikas Wirtschaftswachstum bisher am wenigsten zur Armutsbekämpfung beigetragen. Kurz gesagt: aktuelle Prognosen zeigen, dass es noch nie dagewesene Anstrengungen braucht, um viele Länder in Subsahara-Afrika über die Armutsgrenze zu heben. Es ist erreichbar, aber nur wenn wir den Fortschritt beschleunigen und die Staats- und Regierungschefs an ihre Versprechen erinnern.

Außerdem gab es eine weitere wichtige Erneuerung bei der Weltbank: die Grenze zur extremen Armut wurde von 1,25 US-Dollar am Tag auf 1,90 US-Dollar am Tag angehoben. Was ist also passiert, wurden die extrem Armen plötzlich reicher?

Nein, das ist leider nicht der Fall. Im Laufe der Zeit neigen Preise dazu, zu steigen – das nennt man Inflation. Wenn du dich daran erinnerst, was Brot vor 5, 10 oder 20 Jahren gekostet hat, kannst du die Inflation direkt sehen. Der Grenzwert zur extremen Armut wurde nun an die Inflation angepasst, so dass der echte Lebensstandard derselbe geblieben ist. Diese Änderung war notwendig, um die zukünftigen Fortschritte im Kampf gegen die Armut besser messen zu können. (Tatsächlich gab es schon zwei Anpassungen: 2000 wurde die Grenze von 1 US-Dollar auf 1,08 US-Dollar angehoben, 2008 dann auf 1,25 US-Dollar.)

Die globale Armut zu messen und zu überwachen, ist aus vielen Gründen sehr schwierig. Zum einen müssen wir einen gemeinsamen Standard für jedes Land etablieren, auch wenn die wirtschaftlichen Leistungen sehr unterschiedlich sind. Wir müssen beispielsweise genau zwischen Südafrika (einem der reichsten afrikanischen Staaten) und Niger (einer der ärmsten afrikanischen Staaten) unterscheiden. Viele Preise für Essen oder Wohnen sind in Südafrika viel höher als in Niger. Deshalb wärst du mit 1,90 US-Dollar in der Tasche dort viel ärmer als in Niger.

Um dieses Problem zu lösen, nutzt die Weltbank nicht US-Dollar, um die Armutsgrenze festzulegen, sondern „Purchasing power parities“ (PPP), auf Deutsch Kaufkraftparitäten. Es handelt sich dabei um ein Standardmaß, um den realen Wert der verschiedenen Währungen im Verhältnis zueinander zu messen, basierend auf den lokalen Preisen eines Warenkorbs mit hunderten Produkten und Dienstleistungen. So solltest du für 1,90$ PPP in Südafrika etwa genauso viel kaufen können wie für 1,90$ PPP in Niger oder irgendwo anders auf der Welt.

Die neue Armutsgrenze ergibt sich aus einer neuen Festlegung des PPP aus dem Jahr 2011, die 2014 veröffentlicht wurde. Seitdem hat die Weltbank diese Daten analysiert, um zu sehen, wie die aktuellen Armutsstatistiken angepasst werden müssen. Das Ergebnis war die Anhebung der Armutsgrenze auf 1,90$ PPP, die den gleichen Lebensstandard beschreibt wie die alte Grenze bei 1,25$ PPP.

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Für die Menschen in Armut macht diese statistische Anpassung keinen Unterschied: es sind exakt genauso viele wie zuvor. Aber dafür haben wir ein besseres Instrument, um zu verstehen, was diese Zahlen wirklich bedeuten und können diese Information nutzen, um finanzielle Mittel besser zu investieren und Entwicklungsprojekte weiter voranzutreiben. Keine Statistik ist perfekt, vor allem in Bezug auf internationale Entwicklung, wo so viele wichtige Daten fehlen. Wir müssen diesen Zustand dringend verbessern, um genaue, verlässliche, aktuelle und detaillierte Daten zu haben, sodass wir den Fortschritt für jede Gruppe, besonders auch Frauen und Mädchen, messen können. Damit das geschieht, ist ONE Teil der New Global Partnership for Sustainable Development Data.

Es handelt sich dabei um eine Partnerschaft von 70 Mitgliedern, darunter Regierungen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen, welche letzte Woche parallel zur Verabschiedung der Globalen Ziele vorgestellt wurde. Die Global Partnership wird statistische Kapazitäten in Entwicklungsländern schaffen, neue Investitionen für hochwertige Daten sichern, sie für die Öffentlichkeit freigeben und alle zusammenbringen, die ein Interesse daran haben, hochwertige Daten für eine nachhaltige Entwicklung zu erheben, zu teilen und zu nutzen.

Also lasst uns den unglaublichen Rückgang von 65% bei der extremen Armut feiern, den diese neuen Zahlen zeigen. Lasst uns auch die Tatsache begrüßen, dass wir jetzt eine genauere Grundlage haben, um die Fortschritte im Kampf gegen die Armut zu messen. Aber dabei dürfen wir nicht vergessen, dass der schwierigste Teil der Arbeit noch wartet: die Lösung der Datenkrise, die unsere Bemühungen behindert, den Ärmsten der Armen zu helfen. Das ist etwas, dass uns schockiert, wütend und vor allem noch zielstrebiger machen sollte, eben die „große Generation“ zu werden, die der extremen Armut ein für alle Mal ein Ende bereitet.

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