Solvable problem – Das lösbare Problem

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Wir freuen uns über den Gastbeitrag von Ertharin Cousin, der Exekutivdirektorin des UN World Food Programme (WFP):

Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des UN World Food Programme (WFP)

Wann immer ich das Privileg habe, Zeit mit den Menschen zu verbringen, denen das UN World Food Programme (WFP) hilft, komme ich mit kostbarem, neuem Wissen zurück und bin inspiriert von den Ideen der Regierungen vor Ort, um das größte lösbare Problem der Welt zu lösen – Hunger. Vor kurzem durfte ich in Burkina Faso sehen, was die Regierung dort auf sich nimmt, um den Gemeinden zu helfen, sich gegen Naturkatastrophen besser zu wappnen.

Ein Thema, das mit dem Tag der Umwelt unmittelbar zusammenhängt, dominierte meine Unterhaltung mit Präsident Blaise Compaoré: viel zu viele der Nahrungsmittel verderben, bevor sie überhaupt die Farm verlassen. In Burkina Faso machen kleine, familiäre Agrarbetriebe 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus. Nachernteverluste führen besonders schnell dazu, dass die ohnehin gefährdeten Kleinbauern kein ausreichendes Einkommen erzielen und die Regierungen die Bevölkerung nicht ausreichend ernähren können. Diese Schwierigkeiten treffen für die meisten Entwicklungsländer zu. Nahrungsmittelverluste treten auf allen Stufen der Produktion auf – während der Ernte, der Verarbeitung und der Verteilung.

Nach Schätzungen unserer Schwesterorganisation, der UN Food and Agriculture Organization (FAO), gehen fast ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel weltweit bei der Produktion oder dem Konsum verloren oder werden verschwendet. Gleichzeitig hungern weltweit über 870 Millionen Menschen, die oftmals nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen.

Wir gehen davon aus, dass bis 2050 die Weltbevölkerung auf 9 Milliarden Menschen wächst. Diese zu ernähren wird eine enorme Herausforderung. Land und Wasser werden für die Landwirtschaft immer knapper, nicht zuletzt aufgrund der Folgen des Klimawandels und den immer häufiger auftretenden, extremen Wetterereignissen. Für Verluste oder Verschwendung bleibt also kein Spielraum. Die gute Nachricht ist: Nachernteverluste zu bekämpfen, ist kein Hexenwerk.

Wir bei WFP konnten sehen, wie Kleinbauern, zum Beispiel dank Projekten wie Purchase for Progress (P4P), Nahrungsmittelverluste mehr und mehr verhindern können. Wir starteten dieses Programm vor fünf Jahren gemeinsam mit lokalen Regierungen und zahlreichen Partnern, um die Erträge der Kleinbauern sowie die Qualität ihrer Ernten zu verbessern, und um ihnen zu ermöglichen, zuverlässige Käufer zu finden, die ihnen ihre Nahrungsmittel zu einem fairen Preis abnehmen. Die Bekämpfung von Nachernteverlusten war dabei immer Teil des Programms, das in 20 verschiedenen Ländern durchgeführt wird.

Landwirte aus Entwicklungsländern – vor allem Kleinbauern – stehen nach der Ernte vor vielen Problemen. Selten gibt es angemessene Lagermöglichkeiten, sodass die Ernte der Witterung und schädlichem Ungeziefer wie z.B. Ratten ausgesetzt ist. Wenn Bauern ihr Getreide in der Sonne trocknen, kann allein ein kurzer Regen dazu führen, dass das Getreide verfault oder sich krebserregende Aflatoxine bilden.

All dies kann verhindert werden. Beispielsweise wenn Bauern Schulungen erhalten, über die möglichen Folgen von Aflatoxinen und angemessene Lagerungsmöglichkeiten informiert werden und Planen und Silos zur Verfügung gestellt bekommen, um das Getreide trocknen und lagern zu können.

Bisher haben mehr als 193.000 Kleinbauern, Techniker und Lagerbetreiber sowie kleine und mittelgroße Händler an diesen Schulungen von WFP teilgenommen. Ein Drittel von ihnen waren Frauen – und es werden immer mehr.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Schulungen haben den Kleinbauern geholfen, die Qualität ihrer Erzeignisse deutlich zu verbessern, und so mehr Abnehmer zu finden. Innovationen wurden angestoßen: In Guatemala hat das P4P-Team eine „blaue Kiste“ kreiert, die entscheidende Werkzeuge wie einen Getreidetester, digitale Waagen, Analysesiebe, einen Feuchtigkeitssensor, eine Mühle, eine digitale Uhr und einen Aflatoxin-Tester enthält.

P4P-Mitarbeiter und Partner fahren Tausende von Kilometer, um entfernteste Bauerngemeinschaften zu erreichen. Diese lernen mit der blauen Kiste umzugehen und können so mögliche Probleme frühzeitig erkennen. Dadurch wächst das Wissen und Vertrauen der Kleinbauern. Sie kennen die Qualität ihres Getreides sowie den angemessenen Preis, den sie dafür verlangen können, ob sie es nun an WFP oder einen anderen Abnehmer verkaufen.

Um den Verlust der Nahrungsmittel schon am Anfang der Produktionskette zu verhindern, müssen alle Akteure koordiniert zusammenarbeiten.

Regierungen sollten in ihren Ländern die Initiative ergreifen und Lösungen in Form eines politischen Handlungsrahmens anbieten. Nahrungsmittelverschwendungen innerhalb der Produktionskette müssen eine wichtige Rolle bei zukünftigen staatlichen Strategien zur Sicherung der Ernährung spielen.

Internationale und Nichtregierungs-Organisationen müssen ihre Arbeit koordinieren, um Kleinbauern zu helfen, mehr anzubauen und besseren Zugang zu Märkten zu erhalten.

Die Erfahrungen mit P4P zeigen uns deutlich, dass es mit der richtigen Unterstützung und dem richtigen Wissen möglich ist, den Verlust von kostbaren Nahrungsmitteln zu verhindern, gerade in armen Ländern, in denen es oft an Nahrungsmitteln mangelt. In den kommenden Jahren müssen wir diese Erfahrungen teilen und verbreiten, um unsere wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können.

– Ertharin Cousin –

Dieser Artikel ist erstmals im „Our Planet“- Magazin des United Nations Environment Programme (UNEP) erschienen. Online einsehbar unter : http://www.unep.org/ourplanet/2013/may/en/

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