Gastbeitrag zum Welternährungstag 2012: Kleinbauern unterstützen – für eine Welt ohne Hunger

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Zum heutigen Welternährungstag posten wir einen Gastbeitrag von Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des UN World Food Programme (WFP):

Ertharin CousinLandwirtschaft ist nach wie vor die Haupteinkommens- und Erwerbsquelle in ländlichen Gebieten, in denen die Ärmsten der Weltbevölkerung leben. Deshalb spielen lokale landwirtschaftliche Genossenschaften eine tragende Rolle, um die Weltbevölkerung zu ernähren, wie jetzt auch der jüngste “SOFI-Bericht” der drei in Rom ansässigen UN-Organisationen FAO, WFP und IFAD zum heutigen Welternährungstag 2012 unterstrichen hat.

Diese Genossenschaften unterstützen Kleinbauern und benachteiligte Gruppen wie junge Menschen und Frauen. Durch den Zusammenschluss haben sie bessere Möglichkeiten, ihre wirtschaftlichen und sozialen Interessen umzusetzen. Dies wird vor allem auch durch einen gesicherten Marktzugang und die langfristige Sicherung lokaler Arbeitsplätze erreicht.

2011 hat das UN World Food Programme (WFP), die größte Organisation im Kampf gegen den Hunger, über 2,4 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln mit einem Wert von fast 1 Milliarde Euro gekauft, um über 90 Millionen Hungernden weltweit zu helfen. Fast Zwei Drittel davon wurden in Entwicklungsländern eingekauft. In der Regel kauft WFP Nahrungsmittel im Rahmen einer Ausschreibung, um sicherzustellen, dass die Spendengelder, die WFP zum Beispiel auch von Deutschland bekommt, so effektiv wie möglich genutzt werden. Aber in den letzten Jahren hat WFP begonnen, neue innovative Möglichkeiten des Nahrungsmittelankaufs zu testen, sodass Kleinbauern in ländlichen Gebieten von der Kaufkraft des WFP profitieren.

2008 haben die Bemühungen von WFP und seinen Partnern zur „Purchase for Progress“ Initiative (P4P) geführt. Mit P4P werden Kleinbauern unterstützt, damit sie bessere Erträge erzielen, Ernteverluste reduzieren, die Qualität ihrer Produkte erhöhen und ihre Erträge an verlässliche Händler zu einem fairen Preis verkaufen können.

Durch P4P lernen Kleinbauern in Genossenschaften, wie sie nach der Ernte Lagermöglichkeiten für ihr Saatgut schaffen und verbessern. Außerdem wird ihre Lese- und Schreibfähigkeit gefördert. In den Seminaren erwerben die Kleinbauern Buchhaltungskenntnisse und lernen, wie sie Verhandlungen mit potentiellen Käufern führen. Diese Maßnahmen tragen nachhaltig zur Stärkung ihrer Organisation bei.

Angela Marko Malle, Mitglied einer tansanischen Genossenschaft, die an P4P teilnimmt, bestätigt: “Ich verdiene durch P4P nicht nur mehr Geld, sondern habe auch gelernt, die Qualität und die Lagerung meines Getreides zu verbessern. So habe ich weniger Verluste nach der Ernte.“

Frauen stellen durchschnittlich 43 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskraft in Entwicklungsländern dar. Um ihre Situation in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu verbessern, arbeitet P4P mit Frauen-Genossenschaften zusammen und ermutigt gemischte Kooperativen mehr Frauen einzustellen, speziell in Führungspositionen. WFP und seine Partner unterstützen Aktivitäten, um Frauen Zugang zu Märkten zu ermöglichen und sicherzustellen, dass sie über das Einkommen bestimmen können, das sie selbst erarbeiten. Diese Aktivitäten beinhalten sowohl den Kauf und Handel von traditionell angebautem Getreide, als auch die generelle Förderung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen im Nahrungsmittelsektor.

P4P zeigt, dass Genossenschaften Nahrung von hoher Qualität erzeugen können, wenn sie das nötige Werkzeug und Wissen dafür an die Hand bekommen und Zugang zu den Märkten haben. Erhalten Kleinbauern die entscheidende Weiterbildung, können sie sehr schnell die Qualität ihrer Produkte verbessern. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Einkommen der Familien, sondern fördert auch ihre eigene ausgewogene Ernährung.

„Wir hatten weder Maschinen zur Weiterverarbeitung unseres Getreides, noch jemanden, der uns zeigte, wie wir unsere Produkte für den Verkauf verbessern konnten“, sagt Valentín Alfaro aus El Salvador. „WFP hat für uns neue Möglichkeiten geschaffen – jetzt gibt es einen fairen Wettbewerb und sowohl Männer als auch Frauen erschaffen sich dadurch eine bessere Zukunft.“

Heute nehmen mehr als 800 Kooperativen in 20 Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien an P4P teil. Über 1 Million Kleinbauern sind involviert. Mehr als 350 Genossenschaften haben bisher Verträge mit WFP abgeschlossen, um knapp 190.000 Tonnen Nahrungsmittel für die Ernährungshilfe des WFP zu liefern.

Der Großteil der teilnehmenden Kooperativen sind Kleinbauernvereinigungen, die auf lokaler Ebene zusammenarbeiten. Diese Genossenschaften hatten vor P4P oftmals nur wenig bis gar keine  Erfahrung mit gemeinsamen Vermarktungsmöglichkeiten, es fehlten Infrastruktur und Zugang zu Kleinkrediten. WFP und seine Partnerorganisationen helfen diesen Bauernkooperativen dabei, erfolgreich am Markt zu wirtschaften. So können sie ihre qualitativ hochwertigen Produkte gewinnbringend verkaufen und ihren Mitgliedern dabei helfen, aus der Armutsspirale auszusteigen. Diese Idee hat großes Potential. WFP wird weiterhin in Projekte wie P4P investieren im weltweiten Kampf gegen den Hunger.

Von Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des UN World Food Programme (WFP)

 

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