Wir stehen an einem bedeutenden Meilenstein auf dem Weg ins Jahr 2015 und — idealerweise — für das Erreichen der uns am Herzen liegenden Millennium-Entwicklungsziele (MDGs). Daher ist es an der Zeit, das bisher Erreichte zu bilanzieren. Haben wir unsere Versprechen gehalten? Und was bleibt in den nächsten fünf Jahren zu tun, um „der extremen Armut noch zu unseren Lebzeiten ein Ende zu setzen”?
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist ein entscheidender Entwicklungskatalysator. Sie trägt dazu bei, dass Menschen länger, gesünder und in größerem Wohlstand leben. Ihr wichtigstes Ziel besteht jedoch meines Erachtens darin, dafür zu sorgen, dass sie künftig nicht mehr gebraucht wird. In diesem Sinne hoffe ich, dass EZ zielgerichteter und besser geleistet werden kann.
Neben dieser „intelligenteren Hilfe” müssen die Afrikanerinnen und Afrikaner Engagement für gute Regierungsführung zeigen. Die Entwicklung unserer Infrastruktur, des Landwirtschaftssektors und des Humankapitals müssen den Kern unserer Politik und unserer Investitionen bilden. Darüber hinaus müssen wir alles dafür tun, die regionale wirtschaftliche Integration des Kontinents voranzutreiben. Dies ist ausschlaggebend für unseren Erfolg.
Um es kurz zu sagen: Wir müssen uns der Unterstützung durch unsere Partner und Freunde stets würdig erweisen.
Unsere Stiftung erarbeitet für Afrika einen jährlich erscheinenden Index der Regierungsführung. Es stimmt zuversichtlich, wenn dieser Index zeigt, dass sich Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und Demokratie auf unserem Kontinent durchsetzen. Afrikanerinnen und Afrikaner legen die Fundamente für Fortschritt und Entwicklung. Diktaturen, Missachtung der Menschenrechte und finanzielle Misswirtschaft sind mittlerweile nicht mehr die Regel, sondern eine Ausnahme. Der Aufschwung der afrikanischen Zivilgesellschaft und die Revolution im Kommunikationsbereich sind die besten Garanten (und Zeichen) unseres Fortschritts.
Andererseits hoffen wir, dass unsere Entwicklungspartner und die Gebergemeinschaft ihre Zusagen einhalten — insbesondere hinsichtlich besserer Regierungsführung im öffentlichen und im privaten Sektor. Sie müssen sich energisch gegen Korruption wehren. Sie müssen bedenken, dass jedem korrupten afrikanischen Offiziellen mehrere korrupte internationale Geschäftsleute gegenüberstehen. Diese Frage lässt sich nicht beschränkt auf Afrika lösen.
MO IBRAHIM
GRÜNDER VON CELTEL INTERNATIONAL UND DER MO IBRAHIM FOUNDATION
Mo Ibrahim
BITTE HALTET EURE ZUSAGEN. WIR VERSPRECHEN, UNSERE EINZUHALTEN.
Wer erinnert sich nicht an den rauschhaften Sommer der Liebe? Blumen im Haar, Gras zwischen den Zehen, singende und tanzende Menschen, die sich für eine gemeinsame Sache engagieren und den großen Traum von der Veränderung der Welt träumen?
Nein, ich spreche nicht von 1967. Ich spreche von 2005, dem Jahr, als es plötzlich schien, als sei „Making Poverty History” nicht mehr nur ein T-Shirt-Slogan, sondern ein erreichbares Ziel. Wir glaubten und glauben immer noch, dass ein bestimmter Grad an Mangel und Verzweiflung nicht mehr hinnehmbar war und sich durch kluge Investitionen in Entwicklungszusammenarbeit, Handelsreformen und demokratische Politik beseitigen ließe. Damals (und das ist noch gar nicht lange her) entwickelte die Commission for Africa eine Vision und die Staats- und Regierungschefs der G8 — gedrängt von einem Heer von Aktivisten — entwarfen in ihrem Abschlussdokument von Gleneagles den Plan zur Umsetzung dieser Vision bis 2010.
Das ist jetzt fünf Jahre her. Eine gute und angemessene Zeit, die Frage zu stellen, ob es sich tatsächlich um eine Vision oder doch nur eine Massenhalluzination handelte. Nicht nur, um zurückzublicken und Lob oder Tadel auszusprechen, sondern um nach vorn zu schauen und zu fragen, ob wir weiter in diese Richtung marschieren müssen, die Stiefel geschnürt und die Blicke auf den Boden gerichtet, oder ob wir unseren Kurs ein wenig korrigieren sollten.
Wir sind weit gekommen. In den vergangenen fünf Jahren haben die reichen Länder intelligentere Hilfe für Afrika in historischer Höhe geleistet — wenn auch in geringerem Umfang als versprochen. Und keineswegs zufällig erlebte Afrika beispiellose Fortschritte bei den Einschulungszahlen, bei der Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose und bei der Senkung der Kindersterblichkeitsraten. Keineswegs zufällig war auch das starke Wirtschaftswachstum auf dem gesamten Kontinent, auch wenn daran natürlich die chinesischen Investitionen und der Rohstoffboom großen Anteil haben.
So weit, so größtenteils gut.
Angesichts der Verzögerungstaktik, der Ausflüchte und des Zurückruderns — zum Teil schon lange vor der weltweiten Rezession — ist weiterhin die Aufmerksamkeit von uns Aktivisten gefordert. Wir erlebten, wie die politische Führung Italiens das Versprechen ihres Volkes missachtete, Frankreich und Deutschland an Tempo verloren, Kanada und Japan schwache Zusagen machten. Wir erlebten auch eine allgemeine, wenn nicht universelle Trägheit bei der Einhaltung von Zusagen hinsichtlich der Verbesserung der Wirksamkeit von EZ, der Förderung von Handel und Investitionen und der Unterstützung Afrikas bei der Bekämpfung der Folgen der menschengemachten Krisen im Finanz- und Umweltbereich. Lichtblick in diesen harten Zeiten ist das Engagement der Briten für Entwicklung über die Parteigrenzen hinweg und die fast vollständige Erfüllung ihres Versprechens. Dies gilt auch für die Zusage von US-Präsident Obama, die Mittel für die EZ zeitlich und im Umfang über die von Präsident Bush zugesagte und geleistete Hilfe auszuweiten.
Aber wie Präsident Obama schon sagte, liegt das „Schicksal Afrikas letztlich in den Händen der Afrikanerinnen und Afrikaner”. Darauf verweist auch Mo Ibrahim immer wieder, und ich kenne keinen in Afrika, der anderer Meinung wäre. Aber bevor wir uns alle komplett von der EZ verabschieden — unser Ziel und auch das Ziel Afrikas —, wünscht sich Afrika in uns bessere Partner bei der Verbesserung der Regierungsführung, der Förderung des Wachstums, der Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele und letztlich der Erreichung von Frieden und Wohlstand für alle.
Wir im Westen haben es in der Hand, mehr zu helfen und weniger zu schaden. Dazu müssen wir neue Partner ins Boot holen (her mit den BRICs) und auf neue Techniken setzen (die Mobilfunkbrigaden mobilisieren). Dies muss vor September passieren, wenn sich die UN zur Ermittlung des Fortschritts bei der Umsetzung der MDGs treffen. Wir müssen uns hinter die Entwicklung stellen, die die Menschen in Afrika wirklich wollen (statt ihr im Weg zu stehen).
Wenn wir Erfolge haben, sollten wir diese feiern — und fortsetzen. Und wenn wir scheitern, müssen wir selbst unsere schärfsten Kritiker sein. Dieser Bericht erfüllt beide Funktionen. Er zeigt, dass noch Einiges zu tun bleibt. Lasst also die Stiefel geschnürt — und kommt nicht aus dem Takt.
BONO
LEADSÄNGER VON U2 SOWIE MITBEGRÜNDER VON ONE UND (RED)
Bono
WIR MÜSSEN UNS HINTER DIE ENTWICKLUNG STELLEN, DIE DIE MENSCHEN IN AFRIKA WIRKLICH WOLLEN (STATT IHR IM WEG ZU STEHEN).

