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Landwirtschaft und Nahrung

Wirtschaftswachstum und der Kampf gegen Armut hängen von einer soliden Landwirtschaft ab. Dies gilt insbesondere für Afrika, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung zum Überleben auf Landwirtschaft angewiesen ist. Nach Angaben der Weltbank ist Wachstum im landwirtschaftlichen Bereich eines der wirksamsten Mittel in der Armutsbekämpfung. Doch in den letzten 25 Jahren sind die Einkommen aus Landwirtschaft in Afrika im Schnitt um nicht einmal ein Prozent gewachsen. Das ist die niedrigste Quote weltweit und entspricht nicht einmal der Hälfte der Erhöhungen, die alle anderen Erdteile erzielten. Die steigenden Kosten der Nahrungsmittelproduktion und der Klimawandel bedrohen den Sektor zusätzlich – Kosten für Material und Transporte steigen, während gleichzeitig die Erträge aufgrund erschwerter Wetterbedingungen sinken. Der Internationale Klimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) sagt voraus, dass in einigen afrikanischen Ländern die Erträge aus regenbewässerter Landwirtschaft bis 2020 um die Hälfte gesunken sein könnten. Damit würden Nahrungsmittelunsicherheit und Unterernährung weiter ansteigen.
 
Die Nahrungsmittelkrise

Die derzeitigen Steigerungen der Nahrungsmittelpreise haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Themen Nahrungsmittelsicherheit und landwirtschaftliche Leistungsfähigkeit gelenkt. Seit 2005 sind die Preise für Grundnahrungsmittel um 83 Prozent gestiegen – die Preise für Weizen und Reis sind so hoch wie zuletzt vor 28 bzw. 19 Jahren. Zu den Einflüssen, die für die Preissteigerungen verantwortlich sind, gehören Bevölkerungswachstum, veränderte Essgewohnheiten in verschiedenen Teilen der Welt, die gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen, das gehäufte Auftreten von Überschwemmungen und Dürreperioden, Eingriffe in Märkte durch Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie ständig steigende Kosten für Energie und Transport.

Die erhöhten Nahrungsmittelpreise drohen, die erst kürzlich erzielten Erfolge im Kampf gegen extreme Armut zu untergraben und den ohnehin schon langsamen Fortschritt auf dem Weg zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele ganz zum Erliegen zu bringen. Die Krise stellt für die Ärmsten der Welt – diejenigen, die fast ihr gesamtes Einkommen für Nahrungsmittel ausgeben – einen harten Rückschlag dar. Steigende Nahrungsmittelpreise drohen die Krise durch Hunger und Unterernährung zu verschärfen. Schon heute ist Unterernährung für fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern und mehr als 20 Prozent der Todesfälle bei Müttern verantwortlich. Sowohl die Länder Afrikas südlich der Sahara als auch der Mittlere Osten und Nordafrika sind noch weit von der Erreichung der Vorgaben für das Millennium-Entwicklungsziel zu Hunger und Unterernährung entfernt. Die steigenden Nahrungsmittelpreise werden aller Wahrscheinlichkeit nach den Fortschritt noch weiter hinauszögern. Und weil Hunger und Unterernährung eng mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Bildungserfolgen und der Fähigkeit, Krankheiten zu widerstehen, verbunden sind, bedrohen steigende Nahrungsmittelpreise auch alle anderen Anstrengungen der Armutsbekämpfung.

Blick in die Zukunft

Kurzfristig sollten die Bemühungen darauf konzentriert werden, Nahrungsmittelprogrammen wie dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Program – WFP) genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um Notfallhilfe leisten zu können. Zusätzlich sollten die Regierungen der Geberländer alle Arten von Lebensmittelhilfe an Länder, die von der Krise betroffen sind, erhöhen. Lebensmittelhilfe kann auf zwei Arten geleistet werden: durch finanzielle Unterstützung (die es Versorgern erlaubt, Nahrungsmittel in lokalen oder regionalen Märkten der Empfängerländer zu erwerben) und Sachleistungen (wenn vor Ort keine Lebensmittel zu erhalten sind). Um sowohl auf humanitäre Krisen als auch auf längerfristige Nahrungsmittelunsicherheit reagieren zu können, müssen internationale Nahrungsmittelprogramme wie auch Versorger die Mittel und die Flexibilität erhalten, beide Arten von Nahrungsmittelhilfe einsetzen zu können.

Die Erhöhung von Lebensmittelhilfe wird allein nicht in der Lage sein, den Kampf gegen weltweiten Hunger und Unterernährung zu gewinnen. Berechnungen zeigen, dass steigende Nahrungsmittelpreise kein schnell vorübergehendes Phänomen sind – Getreidepreise werden wohl bis mindestens 2015 über dem Niveau von 2004 bleiben. Um dieser wachsenden Herausforderung gerecht zu werden, müssen sich die weltweiten Anstrengungen vor allem auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, insbesondere in Afrika, konzentrieren. Durch größere Investitionen in Landwirtschaft, Infrastruktur, Saatgut, Werkzeuge und Düngemittel könnten afrikanische Bauern nicht nur von höheren Erträgen sondern auch von gestärkten Verbindungen zu heimischen, regionalen und internationalen Märkten profitieren. 

Was kann getan werden? Lesen Sie mehr


Weiterführende Links

Alliance for a Green Revolution in Africa (englisch)
Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organisation - FAO) (englisch)
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Program - WFP)
FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk - FIAN