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Handel

Entwicklungszusammenarbeit und Schuldenerlasse sind Grundvoraussetzungen, um Entwicklung anzustoßen. Doch die Menschen in den Entwicklungsländern wollen die zur Armutsbekämpfung nötigen Ressourcen durch Wirtschaftswachstum und Handel selbst erarbeiten. Damit Handel in Afrika zu Entwicklung führt, müssen die Handelsbedürfnisse Afrikas im Mittelpunkt einer Handelsreform stehen. Afrikas Einkommen durch Handel sinkt derzeit immer weiter: 1980 lag der Anteil Afrikas am Welthandel bei 6 Prozent. 2005 war er auf 2 Prozent gefallen. Dabei macht ein kleiner Anteil einen großen Unterschied. 2006 war jeder Prozentpunkt des Welthandels rund €75 Mrd. wert. Ein Zuwachs für Afrika um nur einen Prozentpunkt würde dem Kontinent mehr Mittel zufließen lassen als er derzeit an Hilfszahlungen erhält.

Vielen Handelsproblemen muss auf dem afrikanischen Kontinent direkt begegnet werden. Dazu gehören fehlende Infrastruktur, eine große Anzahl von Ländern ohne direkten Zugang zu den Weltmeeren und die Abhängigkeit von Rohstoffexporten.

Afrikanische Exporte sehen sich zudem auch Handelsbeschränkungen wie hohen Einfuhrzöllen und Steuern gegenüber. Diese machen es afrikanischen Produkten schwer, im Wettbewerb auf wichtigen Märkten wie denen Europas, der USA oder Japans zu bestehen. Tragischer Weise betreiben die reichen Länder weiterhin eine Subventionspolitik. Diese macht die Anstrengungen der Entwicklungspolitik zunichte und nimmt den Landwirten Afrikas die Chance auf einen fairen, ertragreichen Handel. Die reichen Nationen bezahlen oftmals ihre eigenen Landwirte, damit diese ihre Produkte unterhalb des Weltmarktpreises auf afrikanische Märkte bringen. Das Ergebnis ist, dass afrikanische Bauern nicht wettbewerbsfähig sind und ihre Produkte nicht mehr verkaufen können. So verdienen sie nicht einmal ausreichend Geld, um ein Leben in allereinfachsten Verhältnissen bestreiten zu können. Ihnen fehlt dann auch Geld für neue Investitionen in Saatgut, Dünger und Maschinen, so dass die landwirtschaftlichen Kapazitäten in diesen Ländern dauerhaft Schaden nehmen.

Damit Afrika sich durch Handel entwickeln kann, müssen die reichen Staaten Handelsschranken senken oder ganz abschaffen und Afrika beim Handel unterstützen. Das bedeutet etwa, Straßen und Häfen zu bauen, über die afrikanische Produkte auf die Märkte gebracht werden können. Das bedeutet auch, afrikanischen Bauern und Unternehmern zu helfen, Abnehmer für ihre Produkte zu finden. Das bedeutet zudem, eine zerstörerische Subventionspolitik zu beenden. Afrikanische Länder müssen als Teil einer Gesamtstrategie zur Armutsbekämpfung auch auf Handel setzen und Wege finden, die Handelsbeziehungen zwischen afrikanischen Ländern zu verstärken.

Blick in die Zukunft

In Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern, die dem Handel bei der Armutsbekämpfung eine Schlüsselrolle zugewiesen haben, sollten Geberländer vor allem folgende Ansätze verfolgen:

  • Marktzugang ausbauen: Um Exporte aus Afrika entscheidend zu erhöhen, sollte der quoten- und zollfreie Zugang zu Märkten der Industrieländer auf 100 Prozent der Produkte aus allen afrikanischen Ländern ausgeweitet werden. Das sollte auch für afrikanische Länder gelten, die nicht zu den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries – LDCs) gehören. Landwirtschaftliche Produkte sind besonders wichtig, da die Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt ist. Diese Vorteile müssen besonders für jene Waren gelten, die für Afrika ein starkes Export-Potenzial haben; dazu gehören z.B. Zucker, Reis, Obst und Gemüse aber auch Textilien sowie Kleidung und Schuhe. Um durch Handel wirklich wachsen zu können, muss Afrika darüber hinaus in der Lage sein, seine eigenen Produkte weiter zu verarbeiten und zu veredeln. Afrika darf nicht nur eine Quelle für billige Rohstoffe und unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse sein.
  • Vereinfachung der Herkunftsregeln: So genannte Herkunftsregeln definieren, ob ein Produkt für einen präferentiellen, d.h. bevorzugten Marktzugang (etwa zu niedrigeren Zollsätzen) in Frage kommt. Um als zollfrei gehandelt zu werden, muss ein exportiertes Produkt zu einem bestimmten Prozentsatz unter afrikanischer Beteiligung entstanden sein. Die hohen Anforderungen und die Komplexität der Herkunftsregeln – besonders in der EU – machen es extrem schwer, sich für diese Programme zu qualifizieren. Dies allein erhöht die Exportkosten im Schnitt um 10 Prozent. Sowohl die Kommission für Afrika als auch die Weltbank empfehlen eine niedrige, wertschöpfungsorientierte Herkunftsregel, die lediglich einen Mehrwertanteil von 10 Prozent vorschreibt. Dies würde es afrikanischen Ländern ermöglichen, Billigprodukte zu importieren und den Wert des Endproduktes zu erhöhen, aber trotzdem noch ein Anrecht auf zollfreien Handel zu haben. Diese Anpassungen würden den Wirtschaften der Industriestaaten sehr geringe Kosten verursachen, aber afrikanische Produkte sehr viel wettbewerbsfähiger machen.
  • Reform der Subventionen: 2005 haben die Landwirte der Industriestaaten nach Schätzungen der OECD Subventionen in Höhe von €225 Mrd. erhalten, mehr als 60 Prozent des gemeinsamen Bruttoinlandsproduktes aller Staaten südlich der Sahara. Deutschland ist der größte Nettozahler für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU. Dieses Geld kommt zudem zumeist großen Unternehmen statt kleineren bäuerlichen Familienbetrieben zu Gute. Anstatt den afrikanischen Landwirten zu schaden, sollte dieses Geld verwendet werden, um dem Kontinent insgesamt zu helfen. Ein Vorschlag der EU-Kommission, €1 Mrd. ungenutzte Subventionsgelder in die Stärkung der afrikanischen Landwirtschaft zu investieren, sollte von Deutschland unterstützt werden. Dies sollte aber nur der erste Schritt hin zu einer grundlegenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik sein. Landwirtschaftliche Subventionen, die Weltmärkte beeinflussen und es afrikanischen Ländern erschweren, im Wettbewerb zu bestehen, sollten gesenkt und letztendlich ganz abgeschafft werden.
  • Erhöhung der handelsbezogenen Hilfe: Die Aufstockung der handelsbezogenen Hilfe (Aid for Trade) ist notwendig, damit Afrikaner die von ihnen produzierten Produkte auf die Märkte bringen können, wo sie nachgefragt werden. Infrastruktur und Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, die Übernahme von Anpassungskosten, um Verluste durch die Senkung von Einfuhrzöllen auszugleichen, die Stärkung regionaler Handelsbündnisse, Bildung und Werbung. – Dies alles sind unverzichtbare Elemente. Eine kürzlich veröffentliche Studie zeigte, dass Afrika jährlich ca. €9 Mrd. für die handelsbezogene Hilfe benötigt.

Deutschland und Handelspolitik

Weiterführende Links

Germanwatch
Welthandelsorganisation (World Trade Organization - WTO) (englisch)
Oxfam - Make Trade Fair (englisch)