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Fortschritt in Afrika. Trends und Erfolgsgeschichten
Übersicht
Es gibt derzeit achtzehn Länder in Afrika, die keine Ölproduzenten sind und deren Wirtschaft seit den letzten zehn Jahren dennoch im Durschnitt um jeweils 5,5 Prozent gewachsen ist. Diese Länder beherbergen ein Drittel aller Afrikaner. Die Wachstumsraten dieser Staaten belegen das enorme Potenzial von verbesserter Regierungsführung im Zusammenspiel mit Schuldenerlass, vorteilhafteren Außenhandelsregularien und klugen Investitionen.
Dreizehn dieser Staaten haben den so genannten completion point der internationalen Schuldenerlassinitiative für hochverschuldete, arme Länder (Highly Indebted Poor Countries - HIPC) erreicht. Sie profitieren damit von einem weitgehenden Schuldenerlass. Elf dieser Staaten sind Demokratien.
Innerhalb der letzten vier Jahre haben die meisten dieser achtzehn Staaten die Kosten zur Gründung eines Unternehmens und den zeitlichen Aufwand dafür erheblich gesenkt. Investoren nahmen dies bereits zur Kenntnis: Die Summe der Auslandsinvestitionen in diesen achtzehn Staaten lag 2005 um €876 Mio. höher als 1995.
Obwohl Armut nach wie vor weit verbreitet ist, haben sich seit dem Beschluss der Millennium-Entwicklungsziele sichtbare Veränderungen bemerkbar gemacht. Diese Länder haben zwischen 1999 und 2005 14 Millionen Kinder zusätzlich in Grundschulbildung gebracht. Außerdem erzielten sie deutliche Verbesserungen im Bereich Wasser und Sanitärversorgung sowie in der Gesundheitsversorgung.
Länderbeispiele
Eine Kombination von Hilfe und Wachstum hat in Ländern wie Ruanda, Tansania und Ghana deutliche Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Armutsreduzierung bewirkt.
Ruanda: Während die Hilfe an Ruanda zwischen 2000 und 2005 um 79 Prozent zunahm, wuchs die Wirtschaft des Landes zwischen 2000 und 2005 um durchschnittlich 5,5 Prozent pro Jahr. Dieser positive Trend hält weiterhin an. Zugleich zeigen sich Verbesserungen im Gesundheitssektor durch die Hilfe von Gebern wie dem Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) und PEPFAR.
- Seit 2006 sind sowohl Todesfälle als auch Infektionen im Bereich Malaria bei Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel gefallen. Dieser eindrucksvolle Fortschritt ist zu weiten Teilen auf die Verteilung von Moskitonetzen zurückzuführen. Im letzten Jahr hat der Globale Fonds ermöglicht, dass Ruanda 2,4 Millionen Netze ausliefern konnte. Darüber hinaus hat auch ein verbesserter Zugang zu Malariamedikationen zu diesem Ergebnis beigetragen.
- Die Zahl von Ruandern mit Zugang zu lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten (ARV) hat sich mehr als verachtfacht: Von nur 4.000 im Jahr 2003 auf über 34.000 im Jahr 2006. Im Dezember 2006 hatten 13 Prozent aller HIV-positiven Ruander Zugang zu ARV und diese Zahl steigt auf Basis eines langfristig angelegten und gut finanzierten Programms.
- Ruanda hat sein grundlegendes Krankenversicherungssystem ausgebaut (nach einem lokalen Mechanismus genannt mutuelles). Der Anteil der Versicherten an der Gesamtbevölkerung stieg zwischen 2003 und 2006 von 7 auf 51 Prozent. Die Impfquote unter Kindern liegt mit 99 Prozent mit am höchsten in den Staaten des südlich der Sahara und es gibt Hinweise darauf, dass die Kindersterblichkeit zwischen 2000 und 2004 um 20 Prozent gefallen ist.
Ghana: Ghana erlebt seit nunmehr über 20 Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von jährlich 4 bis 5 Prozent. Dies wurde Hilfszahlungen unterstützt: Sie stiegen von €473 Mio. im Jahr 1995 auf €803 Mio. im Jahr 2005. Diese Kombination von robustem Wirtschaftswachstum und gezielter Entwicklungszusammenarbeit hat in Ghana dazu geführt, die Armutsquote von 52 Prozent im Jahr 1992 auf 35 Prozent im Jahr 2003 zu senken. Im Ergebnis ist Ghana eines der wenigen afrikanischen Länder, welche das erste Millenniumziel – die Halbierung extremer Armut bis 2015 – erreichen oder vielleicht sogar übertreffen werden.
- Eine starke Wirtschaft wurde auch von einem erstarkenden Dienstleistungssektor gestützt. Ghanas Ertragskraft stieg in diesem Bereich von €101 Mio. im Jahr 1995 auf über €730 Mio. im Jahr 2005.
- Ghana hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sein Investitionsklima zu optimieren und war 2007 unter den Top-10 Geschäftsklima-Reformern.
- Zusätzliche finanzielle Ressourcen haben auch Indikatoren im Gesundheitssektor optimiert. Der Anteil der Kinder, die unter Moskitonetzen schlafen können, hat sich von 2000 bis 2005 verfünffacht. Für drei Viertel aller Ghanaer wurde bis 2005 der Zugang zu Wasser verbessert.
Sektorbeispiele
Handel und Wachstum
- Investitionen steigen: 2006 betrug die Summe der Auslandsinvestitionen in sub-saharische Staaten ca. €9,49 Mrd. Während dies etwas weniger ist als die Zahl aus dem Vorjahr (€12,4 Mrd.), so haben ausländische Investitionen in Afrika doch insgesamt sehr deutlich zugenommen. 1995 lag der Vergleichswert noch bei nur ca. €2,92 Mrd.
- Das Geschäftsklima verbessert sich: Elf afrikanische Staaten implementierten 2006 umfassende Reformen, um Kosten und Zeitaufwand für Unternehmensgründer zu reduzieren. Sambia z.B. reduzierte im Zuge des MCC Threshold Programms die durchschnittliche Zeit für Unternehmensgründungen von 35 auf 10 Tage. Kenia und Ghana waren unter den Top-10 Reformern 2006/2007.
- Der Mobilfunksektor boomt: Afrikanische Mobilfunkunternehmen konnten sich in den vergangenen Jahren über 70 Millionen neue Kunden freuen. Der Markt wächst mit zweistelligen Raten. Etwa 66 Prozent der Bevölkerung ist nunmehr mobil erreichbar, eine Zahl, die nach 62 Prozent in 2007 noch einmal gesteigert werden konnte. Einige afrikanische Staaten wie Ägypten, Kenia, Ruanda und Uganda haben bereits eine Abdeckung von über 90 Prozent.
- Regionale Integration schreitet voran: Als Schlüssel zur Verbesserung des innerafrikanischen Handels gilt die Reduzierung von Handelsschranken, die untereinander bestehen. Mittlerweile bestehen vier afrikanische Wirtschaftszonen (SADC, COMESA, ECOWAS und EAC), die untereinander Handelshemmnisse abbauen.
- Inflation fällt: Die Inflationsrate in Sub-Sahara-Afrika ist in den vergangenen Jahren gefallen: von 18 Prozent im Jahr 2000 auf etwa 10 Prozent im Jahr 2006.
Gesundheit
- Zugang zu antiretroviralen Medikamenten ausgebaut: Die Zahl der Menschen mit Zugang zu antiretroviralen Medikamenten erhöhte sich von 50.000 im Jahr 2002 auf 2,1 Millionen im Jahr 2007. - Ein Sprung von der Behandlung von einem Prozent der Betroffenen auf 30 Prozent innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren.
- Fortschritt im Kampf gegen Malaria: Mit Unterstützung des GFATM wurden, um Familien vor Malaria zu schützen, 59 Millionen mit Insektizid behandelte Moskitonetze verteilt. Sechzehn von zwanzig afrikanischen Staaten, für die Daten vorliegen, haben die Versorgung mit Netzen für Kinder mindestens verdreifacht.
- Todesfälle durch Masern um 91 Prozent reduziert: Die Zahl der Todesfälle durch Masern ist in Afrika zwischen 2000 und 2006 um 91 Prozent zurück gegangen. Zuvor hatten afrikanische Regierungen in Zusammenarbeit mit UNICEF, dem US-amerikanischen Roten Kreuz und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein umfassendes Impfprogramm umgesetzt.
Bildung
- Zahl der Einschulungen deutlich gestiegen: Zwischen 2000 und 2005 stieg die Zahl der Einschulungen für Kinder im Grundschulalter um 29 Millionen – zu weiten Teilen ein Ergebnis der Schuldenerlasse. Die Ersparnisse aus den Schuldenerlassen wurden von zahlreichen afrikanischen Regierungen in den Bildungssektor umgeleitet. Mali erhöhte in diesem Zusammenhang seine Ausgaben für den Bildungssektor um 14 Prozent. In Nigeria wurden mit den freigewordenen Mitteln 40.000 Lehrer eingestellt. Die Abschaffung von Schulgeld eröffnete in Kenia einer Million und in Tansania drei Millionen Kindern aus armen Familien die Möglichkeit, eine Schulbildung aufzunehmen.
Regierungsführung und Korruption
- Afrika tritt aus dem Schatten des Kalten Krieges: 1989 gab es nur drei Demokratien in Afrika. 2006 waren es einundzwanzig. Die Zahl der bewaffneten Konflikte in Afrika ging zwischen 2002 und 2006 von 16 auf fünf zurück.
- Korruption wird zurückgedrängt: Der jüngste Bericht von Transparency International (TI) zeigt einige sub-saharische Staaten in einer deutlich besseren Position als manchen europäischen Staat. - Botswana schneidet besser ab als Zypern, Tschechien oder Italien. Südafrika liegt besser als die Slowakei, Litauen oder Lettland. Namibia hat bessere Werte als Polen, Kroatien und die Türkei. Unter den Staaten, die laut TI deutliche Fortschritte in der Korruptionsbekämpfung machen, befinden sich zahlreiche weitere Länder aus Afrika südlich der Sahara, z.B. die Seychellen, Swasiland, Ghana, die Kapverden und Senegal. 14 afrikanische Staaten haben sich bereits der Initiative zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoffindustrie (Extractive Industries Transparency Initiative - EITI) angeschlossen.
Wasser
- Leichte Verbesserungen insgesamt: Der Anteil der Menschen, die in den Ländern Afrikas, die südlich der Sahara liegen, Zugang zu sauberem Wasser haben, ist zwischen 1995 und 2004 von 52 auf 56 Prozent gestiegen.
- Starke Verbesserungen in ausgewählten Regionen:Zwischen 1990 und 2004 stieg der Anteil von Menschen mit Zugang zu Wasserversorgung nach Standards, die auch in Industriestaaten gelten könnten, in Malawi von 40 auf 73 Prozent; im Tschad von 19 auf 42 Prozent und in Burkina Faso von 38 auf 61 Prozent. Seit 1994 konnte in Südafrika zehn Millionen Menschen zusätzlich eine verbesserte Wasserversorgung angeboten werden. - Eine Steigerung der Abdeckung von 60 auf 86 Prozent.
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