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Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungszusammenarbeit spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen extreme Armut und Krankheit. Indem die Industriestaaten im Jahr 2000 die Millennium-Entwicklungsziele verabschiedeten, erkannten auch sie an, dass es Erfolg bei den ersten sieben Zielen nur geben kann, wenn die Entwicklungsländer selbst die Führungsrolle übernehmen. Mit der Verpflichtung zu Ziel Nummer 8, welches die Länder zum Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft auffordert, unterstrich die Weltgemeinschaft jedoch noch einmal deutlich die Bedeutung von externer Unterstützung für weltweite Entwicklung. Dieses Gebot wurde 2005 auf dem G8-Gipfel von Gleneagles aufgenommen, als sich acht der reichsten Nationen der Erde mit den Entwicklungsländern auf eine neue Partnerschaft einigten. Die G8-Staaten verpflichteten sich, bis 2010 Jahr für Jahr weitere 50 Mrd. US-Dollar an Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, die Hälfte davon (25 Mrd. US-Dollar) für Afrika.

Anstrengungen mit Zahlen belegen

Überall auf der Welt gibt es Belege dafür, dass sich Investitionen in Entwicklung auszahlen, dass sie echte Ergebnisse erzielen und Millionen von Menschenleben retten und verbessern:

  • 2002 hatten nur 50.000 HIV-positive Afrikaner Zugang zu lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten. Dank moderner Entwicklungszusammenarbeit, geleistet durch Programme wie den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, TB und Malaria, werden heute in Afrika über zwei Millionen Menschen behandelt.
  • Schuldenerlass und gezielte Hilfe im Bildungsbereich trugen dazu bei, dass 29 Millionen afrikanische Kinder zusätzlich zwischen 1999 und 2005 das erste Mal die Möglichkeit zum Schulbesuch hatten.
  • Der Globale Fonds hat seit 2002 59 Millionen Moskitonetze verteilt und damit in Ländern wie Äthiopien, Ruanda und Kenia entscheidend zur Reduzierung der Todesfälle durch Malaria beigetragen.

Blick in die Zukunft

Um die umfassenden Ergebnisse, die moderne Entwicklungszusammenarbeit möglich macht, erreichen zu können, müssen Geberstaaten ihren Verpflichtungen nachkommen und die Mittel für die Ärmsten der Welt erhöhen. Wie im DATA Bericht 2008 ausführlich geschildert, sind die G8 derzeit bei der Erfüllung des Versprechens nicht auf Kurs, bis 2010 die Hilfe für Afrika um 25 Mrd. US-Dollar zur erhöhen. Die G8 haben erst 14 Prozent ihres Versprechens gehalten, obwohl nur noch zwei Jahre zur Erreichung des Ziels verbleiben. Deutschland hat erst 12 Prozent des eigenen Anteils an der Erhöhung erbracht. 2008 wurden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit allerdings kräftig erhöht – um insgesamt €750 Mio. Diese Erhöhung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Um das Versprechen von Gleneagles zu erfüllen, müssen die Zusagen aber allein für Afrika in den kommenden Jahren um jährlich €965 Mio. steigen.

Genauso wichtig wie die Einhaltung des Versprechens zur Erhöhung der Hilfe ist es, ihre Qualität zu verbessern. Damit Entwicklungszusammenarbeit noch stärkere Wirkung entfalten kann, haben sich die Geber 2005 in der so genannten Pariser Deklaration verpflichtet, konkrete Verbesserungen ihrer Entwicklungspolitik umzusetzen. Im Rahmen dieses Arbeitsprogramms sollten die Geber insbesondere darauf achten, dass

  • lokale Aktivitäten und Initiativen unterstützt werden,
  • finanzielle Unterstützung vorhersagbar ist,
  • vor Ort über ihre Verwendung Rechenschaft abgelegt wird.

Wo immer möglich, sollten landeseigene Systeme zur Ausführung genutzt und örtlichen Wettbewerbern die Versorgung übertragen werden. So können regionale Kapazitäten aufgebaut und die Beschaffungskosten für Güter und Dienstleistungen der Entwicklungszusammenarbeit gering gehalten werden. Über den geplanten und tatsächlichen Einsatz von Geldern muss offen und transparent berichtet werden, damit Geber und Empfänger gleichermaßen wirksam planen und überwachen können.

Deutschland nimmt unter den G7 (G8 ohne Russland) einen Platz im oberen Mittelfeld bei der Wirksamkeit und Qualität der Entwicklungszusammenarbeit ein. Deutsche Hilfe ist für Entwicklungsländer relativ gut vorhersagbar. Weniger gut entwickelt sind Transparenz und Berichterstattung gegenüber Empfängerländern. Auch bei der Nutzung der Systeme der Entwicklungsländer und der örtlicher Wettbewerber kann sich deutsche Hilfe noch wesentlich verbessern.

Es ist entscheidend, dass Entwicklungszusammenarbeit die Rechenschaftspflicht innerhalb der Staaten in jedem Fall stärkt und niemals untergräbt. Daher sollten insgesamt erhöhte Mittel zur Stärkung von Wirtschaftswachstum und im Kampf gegen Armut auf diejenigen Länder ausgerichtet sein, die ihren Bürgern bei der Entwicklung die Führung übertragen. Diese Länder unterstützen Demokratie, Nachvollziehbarkeit, Verantwortlichkeit; sie erhöhen Transparenz und bekämpfen die Korruption. Wo Länder nach diesen objektiven Maßstäben schlecht dastehen, aber die Notwendigkeit zur Unterstützung dennoch besteht, sollte Unterstützung stattdessen durch Mechanismen wie Nichtregierungsorganisationen, internationale Institutionen und Glaubensgemeinschaften geleistet werden.

Im Kampf gegen extreme Armut zählt jeder Euro. Die Regierungen der Geber- und Entwicklungsländer haben die Verpflichtung – gegenüber den Steuerzahlern der reichen Länder und den Armen in den Entwicklungsländern – sicher zu stellen, dass Entwicklungszusammenarbeit wirksam und nachhaltig eingesetzt wird und ihren beabsichtigten Zweck erreicht.

Entwicklungsfinanzierung von Deutschland
Fortschritte in Afrika
Die Millennium-Entwicklungsziele


Weiterführende Links

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - BMZ
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit - GTZ
Kreditanstalt für Wiederaufbau - kfw-Entwicklungsbank
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik - DIE
Deutscher Entwicklungsdienst - ded
Internationale Weiterbildung und Entwicklung - InWent