Wasser und sanitäre Versorgung

Der Zusammenhang zwischen dem Mangel an Wasserversorgung und sanitärer Infrastruktur und den Millennium-Entwicklungszielen ist bekannt. Lösungsansätze sind rentabel.

Die Herausforderung

Verschmutztes Wasser und das Fehlen einer elementaren sanitären Versorgung untergraben die Bemühungen zur Bekämpfung von extremer Armut und Krankheiten in den ärmsten Ländern der Welt. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind in dieser Hinsicht besonders betroffen: 2010 hatten 334 Millionen Menschen in der Region keinen Zugang zu sauberem Wasser und fast 600 Millionen Menschen fehlte der Zugang zu angemessener sanitärer Versorgung. Am stärksten leiden darunter die Menschen im ländlichen Raum: 2010 hatten nur 23 % der Landbevölkerung in Afrika südlich der Sahara Zugang zu sanitärer Versorgung und 41 % Zugang zu sauberem Wasser.

Verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Versorgung sind zwei der Hauptursachen für die hohe Kindersterblichkeit. Täglich sterben schätzungsweise 2000 Kinder an Durchfall, der durch schlechte sanitäre Versorgung und Hygiene verursacht wird. Doppelt so oft wie Männer haben Frauen die Aufgabe, Wasser zu beschaffen. Dazu legen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern im Schnitt sechs Kilometer pro Tag zurück – Zeit, die sie für die Arbeit oder den Besuch einer Schule bräuchten. Zusätzlich sind für mehr als die Hälfte der Mädchen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara, fehlende getrennte Toiletten und fehlender Zugang zu sauberem Wasser die Ursache für den Abbruch der Grundschule.

Fehlender Zugang zu sauberem Wasser wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in Afrika pro Jahr insgesamt 40 Milliarden Arbeitsstunden für die Beschaffung von Wasser aufgewendet werden. Diese Zahl entspricht der Gesamtarbeitszeit sämtlicher Erwerbstätigen in Frankreich eines vollen Jahres.

Im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele verpflichteten sich die Entwicklungs- und Geberländer, den Anteil an Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und elementarer sanitärer Versorgung bis 2015 auf die Hälfte zu reduzieren. 2012 meldeten WHO und UNICEF, dass das MDG-Ziel im Hinblick auf sicheres Trinkwasser 2010 erreicht wurde. Das ist eine gute Nachricht. Dennoch haben 768 Millionen Menschen auch weiterhin keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,5 Milliarden fehlt es an angemessener sanitärer Versorgung.

Die Chance

Die Zusammenhänge zwischen mangelndem Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung und
Entwicklungszielen sind klar. Die Lösungen für das Problem sind bekannt und würden keine Unsummen kosten. Der universelle Zugang zu besserer sanitärer Versorgung könnte die durchfallbedingte Sterblichkeit um mehr als ein Drittel senken.

Wenn die im Rahmen der Millennium-Entwicklungsziele im Hinblick auf Wasser und sanitäre Versorgung gesteckten Ziele erreicht werden, sterben 2015 etwa 203.000 weniger Kinder und 272 Millionen zusätzlicher Schultage wären gewonnen. So könnten die betroffenen Länder circa 12 % ihrer jährlichen Gesundheitsausgaben sparen.

Ferner würde dies dem Kontinent einen wirtschaftlichen Gesamtnutzen von 14,4 Milliarden Euro pro Jahr bescheren. Man schätzt, dass jeder Euro, der für Wasser und sanitäre Versorgung ausgegeben wird, ein wirtschaftliches Potential im Gegenwert von mindestens 4 Euro erzeugt.

Seit 1990 erhielten mehr als zwei Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 1,8 Milliarden mehr haben inzwischen Zugang zu besserer sanitärer Versorgung. Angesichts von 768 Millionen Menschen, die immer noch ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen, und des bisher nicht realisierten Entwicklungsziels bezüglich der sanitären Versorgung, müssen die Bemühungen ausgeweitet werden, um Wasser- und sanitäre Versorgung für alle zu gewährleisten. Dabei müssen vor allem die großen Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem Raum, die armutsbedingte Ungleichheit und die Belastung von Mädchen und Frauen in Angriff genommen werden.

Deutschland setzt sich stark für einen besseren Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Versorgung ein. Zwischen 2007 und 2011 kamen aus Deutschland mehr bilaterale Entwicklungsleistungen für diesen Sektor als von jedem anderen Geber. Außerdem hat sich die deutsche Regierung verpflichtet zwischen 2005 und 2015 30 Millionen Menschen in der Region südlich der Sahara einen verbesserten Zugang zu Wasser und sanitärer Versorgung zu ermöglichen.