Ein Bericht des US-amerikanischen Zentrums für Kontrolle und Prävention von Krankheiten, CDC, enthielt Anfang Juli vielversprechende neue Zahlen zur Anzahl der Polio-Fälle in Nigeria. Der Morbidity und Mortality Weekly Report vom 9. Juli berichtet, dass Nigeria unter den vier Ländern weltweit, in denen Polio – oder Kinderlähmung – noch endemisch ist, 2008 das mit den höchsten Fallzahlen war (etwa 798). 2009 allerdings wurde die Anzahl bereits halbiert – auf 388 Fälle. Und seit Anfang dieses Jahres wurden lediglich drei Fälle gemeldet. Das sind so wenige wie nie und entspricht einen Rückgang um mehr als 99 %.
Knapp eine Woche vor dem Weltmalariatag hatte ich am Montag Gelegenheit, in New York der Vorstellung eines wichtigen neuen Berichts beizuwohnen, der die Fortschritte aber auch notwendige weitere Schritte bei Afrikas Kampf gegen Malaria aufzeigt. Das Afrikaupdate zum Weltmalariatag 2010 wurde von der Roll Back Malaria Partnerschaft (RBM) und UNICEF erstellt. Es belegt, dass die Erhöhung der Mittel für Programme zur Malariakontrolle zu erheblich reduzierten Fallzahlen in Malariagebieten unter anderem in Ruanda, Äthiopien, Ghana, Sambia oder auf Sansibar geführt hat.
Eine aktuelle Studie des Medizinjournals The Lancet hat ergeben, dass die Müttersterblichkeit zum ersten Mal seit Jahrzehnten erheblich gesunken ist. Die Studie, die Wissenschaftler der Universitäten in Seattle und Brisbane mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates-Stiftung durchgeführt hatten, fand heraus, dass die Zahl der Frauen, die in einem Jahr aufgrund einer Schwangerschaft versterben, 2008 auf etwa 342.900 gefallen ist (die tatsächlichen Schätzungen liegen in einem Unsicherheitsintervall von 302.1000 bis 394.300). Nachdem es 1980 noch 526.300 (Unsicherheitsintervall: 446.400 – 629.300) gewesen waren, entspricht dies einem Rückgang um etwa 1,3 % pro Jahr seit 1990. Diese Angaben sind die ersten positiven Meldungen nach Jahren, in denen kein Fortschritt wahrzunehmen war.
Am 24. März, also nächsten Mittwoch, ist Welttuberkulosetag. Es gibt noch viel zu tun im Bereich der Gesundheitsversorgung in Afrika, besonders in den Ländern südlich der Sahara. Doch heute wollen wir euch zeigen, dass es dank intelligenter Hilfe auch Erfolge zu vermelden gibt:
Das Globale Tuberkulose Update der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bietet die aktuellsten Information zum weltweiten Status der Epidemie. Der 2009er Bericht zeigt, dass in den letzten 15 Jahren 36 Millionen Menschen von Tuberkulose geheilt wurden und weitere acht Millionen Fälle verhindert wurden. Dieser Erfolg bezeugt die Effektivität der von DOTS und der Stop TB-Strategie im Kampf gegen Tuberkulose.
Während des letzten 12-monatigen Berichtszeitraums wurden 2,3 Millionen infektiöse Patienten von der TB geheilt – mehr als jemals zuvor über einem solchen Zeitraum. Dennoch haben noch immer nicht genügend Menschen Zugang zu den Medikamenten, die sie benötigen. Und etwa 1,8 Millionen Menschen sind 2008 an Tuberkulose gestorben.
Es gab im Jahr 2007 geschätzte 9,27 Millionen TB-Fälle (15 % davon betrafen Personen, die auch HIV-positiv waren). Dies bedeutet einen leichten Anstieg gegenüber den 9,24 Millionen Fällen im Jahr 2006. Doch obwohl die absolute Anzahl der TB-Fälle aufgrund des Bevölkerungswachstums angestiegen ist, ist die Zahl der Pro-Kopf-Erkrankungen tatsächlich um ein Prozent zurückgegangen.
Der Bericht zeigt außerdem die Fortschritte im Kampf gegen die tödliche Kombination von TB und HIV. TB bleibt die häufigste Todesursache bei HIV-positiven Patientinnen und Patienten. Doch da TB-Patienten zunehmend auch auf HIV getestet werden, erhalten diese auch häufiger die notwendigen Medikamente.
Allerdings stellt der Bericht stellt weiterhin fest, dass nur wenig Erfolg darin erzielt wurde, die mehrfach arzneimittelresistente Tuberkulose (MDR-TB) und die umfangreich arzneimittelresistente TB (XDR-TB) – eine noch gefährlichere und behandlungsresistentere Form der TB – zu stoppen.
– Rena Pacheco-Theard –
Gestern hat der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria seinen Jahresbericht
veröffentlicht.
Darin misst er die Fortschritte im Kampf gegen die drei Krankheiten und beleuchtet mögliche positive Entwicklungen im globalen Gesundheitssektor.
Dem Bericht „The Global Fund 2010: Innovation and Impact“ zufolge haben Programme, die vom Globalen Fond unterstützt werden, im letzten Jahr täglich mindestens 3600 Leben gerettet – das macht etwa 4,9 Mio. Leben seit der Gründung des Fonds‘ im Jahr 2002. Bis heute hat der Globale Fonds 19,2 Mrd. US$ für Programme in 144 Länder genehmigt und davon bereits 10 Mrd. ausbezahlt.
Wir haben uns die Fortschritte des Fonds bei der Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria mal genauer angeschaut: Weiterlesen
Es gab bereits eine Menge Erfolge im Bereich Globale Gesundheit. Könnte die weltweite Ausmerzung des Medinawurms der nächste sein?

Letzten Mittwoch nahm ich in Washington an der Vorstellung des Education for All-Berichts 2010 der Unesco teil. Unter dem Titel „Die Ausgegrenzten erreichen“ wurden auch in diesem Jahr wieder die aktuellsten Zahlen und Daten zu den weltweiten Bildungsfortschritten zusammengetragen. Allerdings machte es die Wirtschaftskrise im letzten Jahr vielen armen Ländern besonders schwer, Fortschritte zu erzielen oder gar auszubauen.
Wenige Tage vor dem morgigen 21. Weltaidstag haben UNAIDS und WHO neue Statistiken zum Stand der HIV/Aids-Epidemie veröffentlicht. Der Bericht mit dem Titel AIDS Epidemic Update 2009 gibt an, dass, obwohl sich die Zahl der Menschen, die mit HIV infiziert sind, im Jahr 2008 auf 33,4 Millionen (gegenüber 33 Millionen im Jahr zuvor) erhöht hat, ein Teil dieser Erhöhung auf ein Sinken der Sterblichkeitsrate unter HIV-Infizierten zurückzuführen ist. Laut dem Bericht hat der verbesserte Zugang zu antiretroviralen Medikamenten dazu beigetragen, die Zahl der Todesfälle durch das HI-Virus in den letzten fünf Jahren um 10 % zu senken. Weiterlesen
Diesen Monat wurden zwei bedeutende medizinische Entdeckungen gemacht: ein neuer Stamm des Immunschwächevirus HIV bei Menschen wurde entdeckt ebenso wie der Ursprung der Malaria.
Wie das wöchentliche Magazin Nature Medcine berichtete, wurde ein neuer HIV-Stamm entdeckt, der auf Gorillas zurückgeführt werden kann. Die drei bereits vorher bekannten Varianten des Virus standen alle in Verbindung mit Schimpansen. Die Wissenschaftler glauben, dass der neu entdeckte Virus wahrscheinlich durch Kontakt oder Verzehr von Gorillafleisch auf den Menschen übergesprungen ist. Allerdings wäre auch möglich, dass der Virus zuerst von Schimpansen auf Gorillas übertragen wurde und dann auf Menschen, oder direkt auf den Menschen und von dort auf Gorillas. Weiterlesen
In Stockholm findet dieser Tage die Weltwasserwoche 2009 statt. Das Thema in diesem Jahr ist Antworten auf globale Veränderungen: Das Recht auf Wasser umsetzen. Das Treffen wird jedes Jahr vom Stockholmer International Water Institute organisiert und bringt Experten, Praktiker und globale Persönlichkeiten zusammen, um Informationen zu teilen und Lösungen für die wichtigsten Aufgaben rund um das Thema Wasser zu entwickeln. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beteiligt sich in diesem Jahr an der Konferenz.
Mit dem Thema Das Recht auf Wasser umsetzen wollen die Organisatoren die zusammenhängenden Probleme wachsender Bedarf nach Wasser und dessen zunehmend unberechenbare Verfügbarkeit ansprechen. Die Teilnehmer stehen dabei vor einer denkbar großen Aufgabe: derzeit leben 884 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung.
– Rena Pacheco-Theard –
Hintergrund: Das BMZ hat eine Vielzahl an Materialien zur Weltwasserwoche 2009 zusammengestellt.
Aus Südafrika erreichen uns gute Nachrichten zum Thema HIV/Aids. Ein im Juni veröffentlichter Bericht fand heraus, dass die Epidemie derzeit stagniert: 10,9 % der Südafrikaner, die älter als zwei Jahre sind, tragen das Virus in sich. Die Infektionsrate der 20-Jährigen sank gar von 2,2 % im Jahr 2005 auf 1,7 % im Jahr 2008. Außerdem hat sich die Zahl der Neuinfektionen unter den 18-Jährigen seit 2005 halbiert. Weiterlesen
Ende Juni stellte die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) die Africa Legal Support Facility vor. Deren Ziel ist es, afrikanischen Regierungen, die komplexe wirtschaftliche Transaktionen durchführen oder sich einem von Geierfonds initiierten Verfahren gegenüber sehen, Mittel und fachlichen Rat zur Verfügung zu stellen. Der Name weist schon darauf hin: Geierfonds fokussieren ihre Tätigkeit auf Anlagen, die in Schieflage geraten sind, und erwerben diese mit großen Abschlägen. Zu solchen Anlagen gehören auch die Schulden von Unternehmen und Staaten. Die Fonds verlangen dann die Rückzahlung des ursprünglichen Nennwerts und zusätzlich hohe Zinsen. Weiterlesen
Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gab diese Woche bekannt, dass durch seine Hilfe in den acht Jahren seit Gründung des Fonds nun insgesamt 2,3 Mio. Menschen lebensrettende HIV/Aids-Behandlungen erhalten (das sind 31 % mehr als noch im letzten Jahr), 5,4 Mio. gegen Tuberkulose behandelt wurden (38 % mehr als noch im letzten Jahr) und 88 Mio. mit Insektizid behandelte Moskitonetze verteilt wurden (49 % höher als die Zahlen aus dem letzten Jahr).
Diese bemerkenswerten Zahlen bedeuten somit eine Ausweitung der Behandlung und Vorsorge um 30 bis 50 % in nur einem Jahr. Wie Michel Kazatchkine, Leiter des Globalen Fonds, es ausdrückte: „In weniger als acht Jahren ist aus dem Konzept ,Globaler Fonds‘ ein Motor des Wandels geworden.”
Die neuesten Ergebnisse des Globalen Fonds geben auch Aufschluss über dessen Wirksamkeit bei der Vorbeugung und Behandlung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Daher ist es unerlässlich, dass die derzeitige Finanzierungslücke in Höhe von $3 Mrd. von den Gebern aufgefüllt wird.
Die komplette Pressemitteilung finden Sie hier (auf Englisch).
– Rena Pacheco-Theard –
Im ONE Blog berichten wir über Hintergründe und Neuigkeiten rund um die Armutsbekämpfung weltweit. Die Beiträge stammen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ONE, aber auch von Unterstützerinnen und Unterstützern, Netzwerkpartnern, Freunden der Organisation und Entwicklungsexperten.
Der Inhalt der Beiträge und Kommentare spiegelt die Meinung der Autoren wider und entspricht nicht immer den Ansichten von ONE.
Schlagworte: Gesundheit, Gesundheit von Kindern, Gesundheit von Müttern und Kindern, Nigeria, Politik Aktuell, Rena Pacheco-Theard