22.06.2009 14:47Uhr
von ONE Deutschland

Auf ihrem Gipfel im schottischen Gleneagles machten die G8-Staaten eine ganze Reihe historischer Versprechen an Afrika, darunter die Verdopplung der Entwicklungshilfegelder bis zum Jahre 2010, Förderung von Handel und Investitionen, Schuldenabbau, verbesserte Gesundheitsversorgung sowie universelle Grundschulausbildung bis 2015. Vielleicht dachte ja jemand, das würde man wieder vergessen. Wir wollten sicherstellen, dass das nicht passiert. Deswegen rechnen wir seitdem jedes Jahr nach.
Donnerstag vor einer Woche (11. Juni) stellte ONE in London den DATA-Report 2009 vor, in dem ONE jährlich den Fortschritt der G8 bei der Verfolgung der Ziele von Gleneagles unter die Lupe nimmt. Das Podium war hochrangig besetzt: ONEs Schirmherr, Erzbischof Desmond Tutu, stellte den Bericht zusammen mit Bill Gates, Bob Geldof, der Gesundheitsexpertin Françoise Ndayishimiye und der Vizepräsidentin der Afrikanischen Entwicklungsbank Arunma Oteh vor.

Dieses Jahr gliedert sich der Bericht in vier Teile: Qualität und Quantität der Entwicklungszusammenarbeit, Handel und Investitionen, Schuldenabbau und Investitionen in die Bevölkerung (hier werden die Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft sowie Wasser- und sanitäre Versorgung betrachtet). Was hat der diesjährige Bericht herausgefunden? Hier sind die wichtigsten Ergebnisse:
Entwicklungszusammenarbeit
Bis 2008 hatten die G8-Länder gerade einmal ein Drittel ihrer Zusagen eingelöst – nur $7 Milliarden von insgesamt §21,5 Milliarden, um die die Mittel für Afrika erhöht werden sollen. Einige Staaten machten dabei eine bessere Figur als andere: Die USA, Kanada und Japan erreichen ihre bescheidenen Ziele oder gehen sogar darüber hinaus; Deutschland und das Vereinigte Königreich sind bemüht, ihre ehrgeizigeren Versprechen einzuhalten. Frankreich enttäuscht in Hinblick auf die Bereitstellung der zugesagten Mittel, und Italien – der Gastgeber des anstehenden G8-Gipfels – hat kaum Fortschritte hin zu der versprochenen Summe gemacht und somit völlig versagt.
In der Vorausschau auf 2009 erwartet ONE, dass die G8 lediglich die Hälfte ihrer Zusagen eingelöst haben werden, wobei 80 % der in diesem Jahr fehlenden Mittel Frankreich und Italien anzulasten sind. Das bedeutet, dass die G8 im kommenden Jahr die komplette zweite Hälfte bereitstellen müssen, um ihr Ziel noch zu erreichen.
Die G8 trafen sich 2008 in Accra, um über Fortschritte im Bereich Wirksamkeit von Entwicklungszusammenarbeit zu beraten. Zwar trug dieses Forum dazu bei, schneller zu besser wirksamer Hilfe zu kommen, aber es muss noch viel getan werden, um die für 2010 anvisierten Ziele umzusetzen.
Schulden
Durch die seit 2005 unternommenen Schritte haben die G8-Mitgliedsstaaten es fast geschafft, ihre Zusagen im Bereich Schuldenabbau einzuhalten. Ende 2008 war Afrika von einem Schuldenberg in Höhe von $92,8 Milliarden erlöst.
Aber die weltweile Finanzkrise droht, diese Fortschritte zu unterlaufen. Unter den 20 afrikanischen Staaten, die den Entschuldungsprozess bereits abgeschlossen haben, besteht für elf bereits erneut die Gefahr einer Schuldenkrise.
Handel

Die G8 verhält sich nicht entsprechend ihrer Zusicherung, Handel solle sich für Afrika auszahlen. Trotz einer Zunahme der Exporte gehen nur 3,5 % des weltweiten Handels auf das Konto Afrikas. Das ist der niedrigste Anteil einer Weltregion überhaupt.
Damit Handel sich für Afrika auszahlt, braucht Afrika eine Kombination mehrerer Maßnahmen: breiterer Zugang zu den Märkten der Industrieländer; geringere Agrarsubvention; bessere handelspolitische Entwicklungszusammenarbeit (Stichwort „Aid for Trade“); verstärkte regionale Integration und schließlich handelspolitische Flexibilität für die Entwicklungsländer.
Investitionen Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und Wasser
Als die G8 2005 zusicherten, die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 zu verdoppeln, versprachen sie auch dafür zu sorgen, dass sich diese Hilfe in konkreten Entwicklungserfolgen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wasser und Landwirtschaft niederschlagen würde.
Bei einigen dieser Ziele sind Fortschritte zu verzeichnen, etwa bei der Grundschulbildung von Kindern, der Versorgung von Bedürftigen mit AIDS-Medikamenten, und der Verteilung von Moskitonetzen, um Mütter und Kinder vor Malaria zu schützen.
Dagegen gibt es bei anderen Entwicklungszielen allenfalls zögerliche Fortschritte, so zum Beispiel bei einem breiteren Zugang zu qualitativ gutem Trinkwasser und sanitären Anlagen und der Förderung der Landwirtschaft.

Nähere Einzelheiten zu all diesen Investitionen enthält der ausführliche DATA Bericht 2009.
Um den vollständigen Report online zu lesen, klicken Sie hier.
Schlagworte: Arunma Oteh, Bildung, Bill Gates, Bob Geldof, DATA Bericht 2009, Deutschland, Dr. Francoise Ndayshimye, Entwicklungszusammenarbeit, Erzbischof Desmond Tutu, Frankreich, Großbritannien, Handel, Italien, Japan, Kanada, Landwirtschaft, Politik Aktuell, USA