Dec 7th, 2012 12:36 PM UTC
By ONE Deutschland
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Ein Interview mit Fogué Foguito, Executive Director der Positive-Generation.
Wir sind sehr glücklich, die Gewinner des fünften jährlichen ONE Africa Award verkünden zu können: Positive-Generation! Die kamerunische Organisation hat die schwierige Mission, die grundlegenden Menschenrechte für Menschen mit HIV/AIDS und Gemeinden mit AIDS zu gewährleisten.

Mit mehr als 250 Bewerbern aus ganz Afrika und fünf starken Finalisten, war es eine schwierige Entscheidung – aber letztlich fand das ONE Africa Team, dass Positive-Generation das am meisten lebensverändernde und innovativste Unternehmen ist, und dabei hilft, die Millenniums-Entwicklungsziele in ihrem Land zu erreichen.

Positive-Generation (PG) wurde in Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun, gegründet, und zieht die kamerunische Regierung zur Rechenschaft hinsichtlich ihrer 15 Prozent Zusage zur Gesundheitsversorgung. PG arbeitet außerdem daran, die Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen zu bekämpfen, und plädiert für kostenlose Behandlungen. PG ist eine Interessenvertretung in jedem Sinne des Wortes, und versteht genau, was zu tun ist, um wirkliche Veränderungen der AIDS-Situation in Kamerun herbeizuführen.
Aus diesem Grund ist ONE begeistert darüber, PG ihre wohlverdienten $ 100.000 Preisgeld geben zu können bei dem GAVI Partners Forum heute in Dar es Salaam, Tansania. Das fünfköpfige Team und ihre fünf Freiwilligen werden das Geld verwenden, um ihre Möglichkeiten im Kampf gegen HIV/AIDS in den lokalen Gemeinden zu erweitern.
Mein Kollege Ali Ba und ich hatten vergangene Woche die Chance, mit Fogué Foguito, Executive Director der Positive-Generation am Telefon zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass Foguito seit 2005 ONE-Unterstützer ist und bereits unsere Petitionen unterzeichnet hat, bevor ONE Africa in Johannesburg eingerichtet wurde. Während unseres Gesprächs erörterten wir PGs kühne Strategien zur Sicherstellung der Rechte für HIV-Patienten und Gemeinden mit AIDS, Foguitos Vision für PG, und die Millionen-Dollar-Frage: Was PG mit dem Geld machen will.
Erzähl mir ein bisschen über deine Organisation. Was ist die Zielgruppe?
PG begann im Jahr 1998. Es wurde von Studenten gegründet, die sich für die Linderung von HIV/Aids engagieren wollten, was sich aber schnell in Richtung Menschenrechtsarbeit verschoben hat. Wir haben rasch erkannt, dass es bei dem Kampf gegen HIV /AIDS im Grunde um Rechte, Gesundheit und Freiheit geht. Das sind die Themen, um die herum wir unsere Sache aufgebaut haben.
Warum nennt ihr euch “Positive-Generation”?
Wir wollen die Hoffnung für diese Generation zu schaffen, dass HIV-positiv zu sein kein Grund zur Verzweiflung ist. Wenn du damals als Afrikaner mit HIV diagnostiziert wurdest, warst du technisch tot in den Augen der Gesellschaft. Aber Positive-Generation verändert diese Perspektive. Wir versuchen, eine andere Art von Gespräch über die Krankheit zu führen, in einem hoffnungsvollen, positiven Licht - nicht in einem von Verzweiflung oder Entwürdigung. Wir wollen demonstrieren, dass wir politisch alles tun werden, um eine Generation zu sein, die Dinge ermöglicht und beiträgt.

Wie genau wollt ihr das erreichten?
Wir haben einen dreifachen Ansatz. Zunächst wollen wir das Gespräch von einem gesundheitlichen Problem um den politischen Aspekt erweitern. Wir wollen die Krankheit nicht nur aus einer gesundheitlichen Perspektive betrachten, denn der einzige Ort, wo Veränderung wirklich passieren kann, ist innerhalb der Regierung und des politischen Systems. Die Bürger mit HIV und Gemeinden mit AIDS zu ermächtigen, und ihnen ihre Rechte als menschliche Wesen verständlich zu machen, ist eine Notwendigkeit für die Gesundheit.
Zweitens sind wir in dem Bildungssystem in Kamerun tätig. Wir gehen in die Dörfer und Schulen und unterhalten uns mit Menschen und Schülern über die Krankheit, ihre Körper, Behandlungen, und wie sie sich vor HIV / AIDS schützen und gesund bleiben können.
Schließlich konzentrieren wir uns auf die Kommunikation und Interessenvertretung. Wenn wir die Art, wie Menschen Gespräche über AIDS führen, ändern können, können wir positivere Ansichten bezüglich Krankheit schaffen und reduzieren die Stigmatisierung. Wenn jemand HIV-positiv ist, bitten wir sie um eine Aussage von ihnen, die sagt: “Ja, ich habe die Krankheit, aber ich führe ein gesundes, menschenwürdiges Leben.” Dann können die Menschen sich mehr über die Krankheit bewusst werden und positiver darüber diskutieren – nicht nur AIDS-Patienten, sondern jeder. Wir wollen, dass dies eine Bürgerbewegung ist.

Ich habe irgendwo gelesen, dass deine Vision “eine Gesellschaft, in der jeder Patient Zugang zu Behandlungen hat” ist. Das ist eine starke Aussage. Ja, das ist der richtige Rahmen für die Auseinandersetzung. Bevor du infiziert bist, ist es dein Recht, vor der Krankheit geschützt werden, so dass du nicht stigmatisiert wirst, und dass du den richtigen Zugang zu Behandlungen erhalten kannst. Ein Land kann nicht demokratisch sein, wenn es nicht Zugang zu Pflege garantiert für Menschen in Situationen von besonderer Verletzlichkeit oder hohem Risiko. Deshalb sind soziale Gerechtigkeit und Gleichheit auch Teil unserer Vision.
Was inspirierte dich dazu, diese Organisation zu starten?
Ich sah, dass Schüler, die HIV-positiv und negativ waren, in der Schule getrennt wurden. Wenn du positiv warst, wurdest du verurteilt und abgetrennt. Ich hatte ein paar Freunde in der Schule, die sich als HIV-positiv herausstellten, und ich hatte das Gefühl, dass es nicht richtig ist, wegen einer Krankheit schlecht behandelt zu werden. Ich wollte ein Programm starten, durch welches meine Freunde – und andere HIV-positive Menschen – integriert werden konnten und nicht wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Meine Freunde und ich fingen an zu sagen, das Unrecht zu benennen, und das war der Anfang.
Was wirst du mit dem Geld machen?
Wir wollen dieses Geld nutzen, um eine rechtliche Beratungsstelle zu schaffen, die die Bevölkerung in ihren Bemühungen, ihre Rechte durchzusetzen, unterstützt – insbesondere diejenigen, die in Gefahr und aufgrund ihrer HIV-Infektion verletzlich sind. Wir wollen ein regionales Schulungszentrum entwickeln, um Multiplikatoren in der afrikanischen Zivilgesellschaft und Interessenvertretung zu trainieren. Wir wollen ein Gemeindezentrum für Untersuchungen auf HIV-Infektionen schaffen. Und wir wollen unsere AIDS-Interventions in Gemeinden ausweiten.
Das sollten die Menschen im Westen wissen über AIDS in Afrika?
Um Missverständnisse zu verhindern, denke ich, sollten die Menschen vor Ort die Geschichte erzählen. Sie sind in der Lage, über die Krankheit zu sprechen, und sie können ihre eigenen Reporter sein. Ich denke außerdem, dass die pharmazeutischen Länder im Westen es den ärmeren Ländern wie Indien nicht verbieten sollten, HIV-Medikamente zu produzieren, da die meisten afrikanischen Länder auf die niedrigen Kosten angewiesen sind. Das zeigt nur, dass die reichen Länder an ihren eigenen Profit denken, anstatt an die Eindämmung der Krankheit. Und der Westen muss sicherstellen, dass ihre Gelder für die Entwicklungsländer nicht auf den Regierungsebenen hängen bleiben.
Herzlichen Glückwunsch, Positive-Generation, zum Gewinn des diesjährigen ONE Africa Awards. ONE Unterstützer, teilt euren guten Willen und eure Glückwünsche in einem Kommentar mit auf PGs Facebook Seite.
TAGS: Afrika, ONE, ONE Africa Award
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